TAXI DRIVERS IN CANNES – Cannes’16

12 Mai

[ CANNES ] Nein, dies wird kein Beitrag über die kreative Auslegung der Straßenverkehrsregeln in Cannes – obwohl es allein dazu auch und gerade während des wichtigsten internationalen Filmfestivals einiges zu erzählen gäbe. Die Rede sei an dieser Stelle vielmehr vom mutigen Gewinner der Goldenen Palme vor genau 40 Jahren.

TAXI DRIVER des jungen Martin Scorsese setzte sich auf dem Festival de Cannes 1976 gegen den starken frischen Wind von Größen wie Roman Polański, Wim Wenders, Ettore Scola und Éric Rohmer durch. Bis heute erfährt der Film um den schlaflosen, einsamen New Yorker Taxi Fahrer Travis Bickle Kultstatus und darf in keiner Scorsese-Ausstellung fehlen, nach der die französischen Cinémathèques momentan geradezu verrückt sind. Erst von Oktober letzten Jahres bis zum Februar wurde Scorseses Werk ausführlich und hochkarätig in der Cinémathèque Francaise à Paris besprochen – mit umfassenden Hintergründen, Originaldrehbüchern und Wortmeldungen des Ausnahme-Regisseurs. Die Cinémathèque de Toulouse wird dem Beispiel bald folgen und vom 1. bis 26. Juni eine weitere Werkschau des New Yorkers kuratieren. Die Franzosen lieben eben ihre Palmengewinner!

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© Antje Lossin

© Antje Lossin

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Die damalige Crew ist im Jahr 2016 wieder nach Cannes gereist – nicht offiziell gemeinsam, dafür mit jeweils eigenen komplettierten oder noch zu finanzierenden Projekten, derweil Harvey Keitel bereits im letzten Jahr in Paolo Sorrentinos YOUTH an der Seite von Michael Caine seinen Auftritt in Cannes absolvierte. Dem damaligen Hauptdarsteller und Cannes-Jurypräsidenten von 2011, Robert de Niro, wird sogar ein ganzer Abend gewidmet. TAXI DRIVER ist zudem ein heißer Kandidat für den Überraschungsfilm im Strandkino Cinéma de la Plage, zumal Rechtevertreter Park Circus gerade eine restaurierte Kinofassung angekündigt hat.

Im folgenden also drei Pflichttermine sowie eine Nachricht der „Taxi Drivers“, die man beim 69. Festival de Cannes keinesfalls verpassen sollte:

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JODIE FOSTER: MONEY MONSTER

Als sich Jodie Foster zum ersten Mal anlässlich der Premiere von TAXI DRIVER der versammelten Filmwelt an der Croisette präsentierte, war sie gerade einmal dreizehn Jahre alt. Foster absolvierte hierin zwar nicht ihren ersten, gleichwohl bis dahin bedeutendsten Filmauftritt als Kinderprostituierte Iris und startete von da an eine einzigartige Weltkarriere als Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin.

Nach letzten Abstechern als Regisseurin für die Netflix-Serien „Orange is the New Black“ und „House of Cards“ nimmt Foster in ihrem neuen Kinofilm MONEY MONSTER Massenmedien, Sensationslust und den Kasinokapitalismus gleichsam ins Visier und inszeniert eine Echtzeit-Geiselnahme eines Showmasters (George Clooney) vor laufenden Kameras, streamenden Internetplattformen und den Augen seiner entsetzten Regisseurin (Julia Roberts) hinter den Kulissen. Ein Thriller, der spannend zu werden verspricht!

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MONEY MONSTER

Out of Competition am 12. Mai 2016

Regie: Jodie FOSTER

Cast: Julia Roberts, George Clooney, Dominic West, Jack O’Connell, Caitriona Balfe

USA 2016 | 100 Minuten

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TRIBUTE TO ROBERT DE NIRO: HANDS OF STONE

Robert De Niro blickt mit über 50 Jahren vor der Filmkamera auf eine Karriere zurück, die keine Wünsche offen ließ. Nachdem er für seine Rolle des jungen Don Corleone in der THE GODFATHER PART II bereits früh einen Oscar eingesammelt hatte, legt er einige Jahre später mit dem bis heute hoch verehrten Boxdrama RAGING BULL nach, für den er 1981 mit einem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Seine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls aus New York City stammenden Martin Scorsese erreicht bis dahin einen in der Form nicht mehr erreichten Höhepunkt, wenngleich noch weitere großartige Filme bis weit in die 90er Jahre folgen sollten.

Etwa zur gleichen Zeit, in der De Niro tapfer vor der Kamera im Ring steht, gehen die Bilder des panamaischen Boxers Roberto Durán um die Welt, der sich im berühmt gewordenen „No Más!“-Kampf seinem amerikanischen Rivalen geschlagen gab. Regisseur Jonathan Jakubowicz zeichnet in seinem aktuellen Biopic HANDS OF STONE die bewegte Karriere des „Manos de Piedra“ nach, von dessen „löwenhaften Wut“ sich später auch „ScarfaceAl Pacino inspirieren ließ. Bei der Premiere am 16. Mai wird Robert De Niro von seinen „Kollegen“ des Festival de Cannes – De Niro rief 2002 zusammen mit Jane Rosenthal das New Yorker Tribeca Film Festival ins Leben – für sein Engagement für den – und diesen – Film geehrt werden.

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HANDS OF STONE

Out of Competition am 16. Mai 2016

Regie: Jonathan JAKUBOWICZ

Cast: Robert de Niro, Édgar Ramírez, Usher Raymond IV, Ana de Armas

Panama/ USA 2016 | 116 Minuten

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PAUL SCHRADER: DOG EAT DOG

Der einstige Drehbuchautor Paul Schrader, der mit TAXI DRIVER seine spätere „Man In The Room“-Tetralogie begann, wird in der Parallelsektion Quinzaine Des Réalisateurs im Théâtre Croisette des JW Marriott seinen Film DOG EAT DOG präsentieren. Schrader entspinnt mit seiner erneuten Regie- und Drehbucharbeit eine auch vor der Kamera hochkarätig besetzte Mobster-Jagd:

Drei Ex-Knackis erhalten ein Angebot, das sie nicht ablehnen können: Für einen mexikanischen Mobster sollen sie das Kind seines Rivalen entführen. Als die Sache schief geht, wollen Troy (Nicholas Cage), Mad Dog (Willem Dafoe) und Diesel (Christopher Matthew Cook) auf gar keinen Fall wieder ins Gefängnis.

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DOG EAT DOG

Quinzaine Des Réalisateurs – Closing Film am 21. Mai 2016

Regie: Paul SCHRADER

Cast: Christopher Matthew Cook, Nicholas Cage, Willem Defoe, Paul Schrader

USA 2016 | 95 Minuten

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Behind The Scenes: Martin Scorsese THE IRISHMAN

Schließlich wird sich zumindest hinter den Kulissen auch der Maestro Scorsese selbst in Cannes bewegen und um die Finanzierung und Vermarktung seines neuesten Projekts werben. Sein bereits fertig gestellter, jüngster Film SILENCE wird in diesem Jahr schon mit Spannung erwartet – Pedro Almodóvar hat deshalb immerhin seinen Wettbewerbsfilm JULIETA umbenennen müssen, der urspünglich nach drei Kurzgeschichten aus der Sammlung „Runaway“ der Literatur-Nobelpreisträgerin Alice Munro ebenfalls SILENCE heißen sollte.

THE IRISHMAN ist Scorseses lang gehegtes Mobster-Drama über Frank Sheeran nach dem Roman „I Heard You Paint Houses“ von Charles Brandt mit Robert De Niro und Al Pacino in den Hauptrollen – umso erfreulicher, da beide bereits, wie der Regisseur selbst, jenseits der 70 sind. Aber auch ein Wagnis, nachdem Michael Mann die Begegnung dieser beiden phänomenalen Schauspieler bereits 1995 in HEAT meisterhaft inszeniert hatte. Für das Drehbuch wird sich indes Steven Zaillian verantwortlich zeichnen, der schon 2002 eine brillante Drehbuch-Leistung für Scorseses GANGS OF NEW YORK ablieferte. Man darf gespannt sein!

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THE IRISHMAN

Drehbeginn Januar 2017

Regie: Martin SCORSESE

Cast: Robert de Niro, Al Pacino, Joe Pesci

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Text: Antje Lossin, 12.05.2016 – Cannes’16

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