Song to Song

Perfekte Menschen, perfekte Bilder

 

Man müsste lügen, würde man behaupten, Terrence Malicks Ästhetik lasse einen kalt. Tree of Life ist ein extrem gelungener Film, doch schon in Knight of Cups wird man seiner Plots allmählich überdrüssig. Es fällt einem schwer mit dem Schriftsteller Rick Mitleid zu haben, der sich in seinem elitären Leben mehr und mehr verliert. Auch in Song to Song ist der Plot so banal, dass es fast polemisch wirkt. Filme müssen nicht handlungsorientiert sein, aber die Handlung sollte einen zumindest nicht nerven. Wenn also Faye (Rooney Mara) zum x-ten Mal Cook (Michael Fassbender) verfällt, „wir müssen reden“ sagt und stattdessen schon wieder mit ihm schläft, dann gehört das zu den Plots, die nerven.

Es ist nicht ganz so einfach, wie Terrence Malick sich das vielleicht vorstellt: Man kann sich nicht blind auf die Wirkung seines Stils verlassen, ohne infragezustellen, ob alle Elemente noch genauso zusammenspielen wie bisher. So musste zum Beispiel auch das Drehbuch an Qualität einbüßen: Wirkten die für Malick typischen narrativen Voice-Overs, die den Zuschauer durch die Bilder leiten, in Tree of Life noch ungemein magisch, fehlt es ihnen in Song to Song an Tiefe und origineller Wortwahl. Die hundertste  quasi-philosophische Weisheit über die Liebe (in einem Film, in dem es nur um Sex geht), klingt auch aus Rooney Maras Mund verbraucht.

Wofür man Terrence Malick liebt, dafür kann man ihn im selben Atemzug auch hassen: die ausnahmslose Perfektion jedes seiner Bilder. Schöne Menschen sind natürlich immer schön anzusehen – Rooney Maras makellose Porzellanhaut, Cate Blanchetts gutmütiger Blick, der an ein zartes Seufzen erinnert. Und immer auch die perfekten Körper, vor allem die der Frauen, die von der Kamera gnadenlos verfolgt werden. Maras dürre, fragile Statur, die mit jedem Kleid zur Schau gestellt wird. Natalie Portmans Hintern, verpackt in zahlreichen Hotpants, in Nahaufnahme. Dazu der Push-Up, die gebleichten Haare und der offenstehende Mund. Der Inbegriff der verruchten Frau.

Mit der Realität haben Malicks Filme wenig zu tun. Die Figuren, die durch immer neue, helle Räume mit weißen Vorhängen wandeln sind eher abstrakte Kunst. Schade eigentlich, denn das Schöne existiert ja auch in der Realität. Eine größere Kunst wäre es, das Unvollkommene ästhetisch darzustellen, statt weißgepuderte Gesichter als Ideal zu definieren. Nach Unvollkommenheit sucht man in Malicks Filmen vergeblich. So bleiben sie zwangsläufig unnahbare Kunstwerke, die nichts mit uns zu tun haben. Schön anzusehen, das sind sie natürlich trotzdem.

Text: Lena Prisner, 24.05.2017