Jack

JACK von Edward Berger, ist eine der deutschen Produktionen im Wettbewerb. Der Film zeigt, wie der 10-jährige Jack (Ivo Pietzcker) und sein kleiner Bruder (Georg Arms) durch den emotional eiskalten Großstadtdschungel Berlin irren, auf der Suche nach ihrer Mutter. Sanne ist früh Mutter geworden und scheint ihre Kinder zu lieben, sie alllerdings zu vergessen, wenn sie nicht bei ihr sind. So geht sie feiern, arbeiten, mit Freunden in den Park. Jack kümmert sich dabei um den kleinen Bruder und übernimmt seinerseits Mutter- und Vaterrolle. Morgens macht er Manuel sein Frühstück, Abends ein heißes Bad, wenn er klatschnass vom See zurück kommt. Einmal entgleitet ihm die Situation. Das Badewasser ist zu heiß, Manuel verbrennt sich seine Beine schwer. Jack kommt daraufhin in ein Heim und darf seine Familie nur noch in den Ferien sehen. Als Jack am ersten Ferientag, auf den er so sehnlichst gewartet hat, von Sanne versetzt wird (O-Ton Sanne: „Ist nicht schlimm, oder? Sind doch bloß zwei Tage..“), passiert es.. Danilo, ein anderer Junge aus dem Heim, von dem er von Anfang an schikaniert wurde, setzt ihm übel zu und Jack schlägt ihm daraufhin mit einem großen Ast über den Kopf. Danilo bleibt reglos liegen. Danach gibt es für Jack kein Zurück mehr. Er muss weg, ist ab jetzt auf der Flucht. Seine Mutter ist nicht zu erreichen, die Schlüssel für die Wohnung nicht auffindbar. Durch Freunde von Sanne erfährt er, wo Manuel ist und macht sich mit ihm auf die Suche.

Die ruhigen Einstellungen folgen Jack überall hin, wir sehen, wie er einen Rückschlag nach dem anderen hinnimmt und seiner Mutter alles verzeiht. Er möchte ihr gefallen, freut sich, wenn sie stolz auf ihn ist. Als Zuschauerin habe ich den ganzen Film mit Jack gelitten, die Zuneigung zur Mutter verstanden, dennoch diese Frau verflucht, wie sie so leichtfertig in das Leben ihrer Söhne eintritt und wieder daraus verschwindet und ihnen so jede vertraute Grundlage entzieht. Auch alle anderen Menschen, denen die beiden in Berlin erleben, sind kalt und nicht empathiefähig. Niemand scheint sich darum zu kümmern, dass zwei Jungs durch Berlin irren, niemand ist fähig, Verantwortung zu übernehmen. Das ist leider eine Schwäche des Films. Irgendwann hat man das Gefühl, dass Berger hier alle denkbaren prekären Situationen zusammengestellt hat, in die ein kleiner Junge geraten kann. Ein bisschen weniger davon, und der Film hätte an Tiefe vielleicht noch gewonnen. Wenig Musik an der richtigen Stelle und die mitfühlende Kamera produzieren hier dennoch schön-schwere Poesie und entließen mich ziemlich deprimiert wieder ans Tageslicht.

Text: Katharina Hetze, 08.02.2014Berlinale’14