Sharknado

„We need a bigger chopper!“ – Sharknado. Enough Said

 

Regie: Anthony C. Ferrante – Buch: Thunder Levin – Darsteller: Ian Ziering, John Heard, Cassie Scerbo, Jaason Simmons, Tara Reid – Musik: Ramin Kousha – Kamera: Ben Demaree – USA 2013 – 86 min – Release: 11. Juli 2013 – deutscher Verleih: Drop-Out Cinema

 

Sharknado
Sharknado

 

In den vergangenen Monaten ist viel geschrieben worden über den überraschenden Hype, das virale Marketing und die neuentdeckte Liebe zum Phänomen des Haitornados. „Sharknado“ hat alle ergriffen, in einer Flut von Begeisterung jagten Haie in Tornadogeschwindigkeit durch das Internet. Was „Megashark vs. Giant Octopus“, „Megapiranha“ und „Sharktopus“ nicht schafften – „Sharknado“ erreichte in kürzester Zeit Kultstatus und zwar nicht nur in limitierten Fankreisen. Die tragische Geschichte handelt von einem Beachbar-Inhaber, eine Art gefallener Held, der mit seinen Freunden die von einem Haitornado ergriffene kalifornische Küste erretten und seine Liebsten in Sicherheit bringen will und dadurch zu vormaliger Größe zurückfindet – mit etwas Gehirn und etwas mehr Gewalt.

 

Zum ersten Mal in der „Asylum“- und „SyFy“-Geschichte, erhielt einer dieser sogenannten Mockbuster, ein Film, der an Blockbuster angelehnt, jedoch mit einem sehr niedrigen Budget und mit (un)realistischen Handlungssträngen realisiert ist, einen Kinostart. Die Produktions- und Verleihfirma „The Asylum“ und der Fernsehsender „SyFy“ gaben bis dahin nur direct-to-DVD und für das Fernsehen heraus. In Deutschland nahm sich der in diesem Jahr gegründete Verleih „Drop-Out Cinema“ dem Film an und brachte „Sharknado“ auf die großen Leinwände ausgewählter deutscher Kinos.

 

Das Konzept, schnell und billig Filme herzustellen ist nicht neu. Schon in den 1930ern in den USA brachte beispielsweise der Österreicher Edgar G. Ulmer solch kostengünstige Streifen auf den Markt. Auch hier entwickelte sich eine wahre Fangemeinde, die beispielsweise geographisch bis Frankreich und Deutschland und ästhetisch bis hin zur Nouvelle Vague reichte. Aus Budgetmangel kann durchaus Kreativität entstehen und aus dieser wiederum eine Ästhetik, die heute längst Eingang im sogenannten Filmkanon gefunden hat. Wie bei „Asylum“ jedoch Szenen hergestellt, wohl kategorisiert und archiviert, je nach „Tier“filmgattung dann ein und dieselbe Szene in unterschiedlichsten Filmen möglichst schnell eingesetzt werden können – wie in einer Art Baukastensystem – mag einmalig sein. Ob dadurch der Zugang zu einem Kanon eröffnet wird mag dahin gestellt sein.

 

Sharknado
Sharknado

 

Selbst filmhistorisch jedoch, ohne dem Film die nicht vorhandene Tiefe anzuinterpretieren, kommt man als Zuschauer auf seine Kosten. Es wird eingefleischten Haifischfilmfans nicht entgangen sein, dass es mindestens einen deutlichen Bezug zu „Jaws“ gibt. In jedem Kinoquiz taucht irgendwann die Frage nach dem zugehörigen Film für das Zitat „We need a bigger boat“ auf – hier wird „We need a bigger chopper“ gefordert, aber mindestens ebenso dramatisch wie in Spielbergs Klassiker, wenn auch mit Ian Ziering anstatt Roy Scheider. Wenn man auch noch das geistreiche Wortspiel ernst nimmt und in chopper nicht nur das Fluggefährt, sondern auch das Gemetzel erkennen möchte und außerdem mit „It’s time to leave Kansas, mate“ eine filmhistorische Referenz auf Tornado-Filme wie „The Wizard of Oz“ wahrnimmt – mag in „The Asylum“-Produktionen eine Fundgrube an Film- und Genrekenntnissen sich widerspiegeln sehen.

 

Sharknado - John Heard
Sharknado – John Heard

 

Der vorerst letzte Höhepunkt im Haifischfilmgenre  – es kamen übrigens keine Tiere zu Schaden – hebt sich im Vergleich mit den Vorgängern inhaltlich leicht ab: Die wissenschaftliche Grundlage fehlt, es gibt keinerlei verrückte Nerds, deren Experimente aus dem Ruder liefen und selbst Tiffany erhielt keine Rolle in „Sharknado“. Dennoch lohnt es sich, einen Blick in den ästhetischen und inhaltlichen Experimentierabgrund zu wagen. Deshalb gibt es hier ausnahmsweise auch einen Fernseh-Tipp: „Sharknado“ wird im Rahmen der sogenannten „SchleFaZ“ („Die schlechtesten Filme aller Zeiten“) in der englischsprachigen Originalfassung auf TELE 5 gezeigt und kommentiert: Sa, 10. Januar, 22.10 Uhr.

Text: Jennifer Borrmann, 30.11.2013

 

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