Spione

(Deutschland 1928, 145 min)

 

„Der neue Fritz-Lang-Film […] zeigt die außerordentlichen Regiefähigkeiten Langs. Die Handlung, die von der Art der Spannung eines Edgar Wallace-Romans ist, entfaltet sich blitzschnell und bringt wundervolle Großstadtaufnahmen, Eisenbahnunfälle und Telefontische – eine tolle optische Reportage, die zwar etwas zu viel mit gestellter Staffage arbeitet, aber blendende Ausschnitte und Übergänge zeigt und mit einem kaum zu übertreffenden Geschick zurechtgeschnitten ist.“ Diese begeisterte Filmkritik schrieb niemand geringeres als der Soziologe und Publizist Siegfried Kracauer am 11.04.1928 für die „Frankfurter Zeitung“ und dieser Meinung kann man sich nur anschließen: „Spione“, einer der schönsten und besten Lang-Filme, ist ein packender Agenten-Thriller – und einer der ersten der Filmgeschichte: Bankdirektor Haghi (Rudolf Klein-Rogge) arbeitet nicht nur als ebensolcher, sondern spinnt und zieht hinter dieser Fassade die Fäden eines riesigen Netzes einer internationalen Spionageorganisation. Die Spezialgebiete beinhalten Raube, Morde, Handel mit geheimen Akten etc. Alle wichtigen Institutionen sind von den Agenten unterwandert. Darunter befindet sich Sonja Barranikowa (Gerda Maurus), die Spezialistin für beispielsweise die Entlockung pikanter Militärgeheimnisse ist. Geheimdienstchef Jason (Craighall Sherry) setzt seinen Agenten „No. 326“ (Willy Fritsch), der von Sonja aus dem Weg geräumt werden soll, auf die bisher namen- und gesichtslosen Spione der Organisation an. Die beiden verlieben sich ineinander. Barranikowa führt deshalb Haghis Auftrag nicht aus und wird verhaftet – seine Leute befinden sich auch innerhalb des Geheimdienstpersonals. Er bietet ihr jedoch an, eine letzte Aktion für ihn durchzuführen, sie dafür freizulassen und ihr ein Wiedersehen mit „No. 326“ zu ermöglichen. In Wirklichkeit soll jener aber ermordet werden, was misslingt. Es kommt zu einer dramatischen Schießerei in der Bank, bei der man als Zuschauer vor allem auf die Arbeit mit Licht und Schatten und die für diese Jahre überraschenden Spezialeffekte achten sollte. Haghi selbst ist nicht in der Bank aufzufinden. Jedoch kommt es in einer einmaligen Kulisse zum finalen Showdown… Dieses Meisterwerk des Agententhrillers mischt Inhalte und ästhetische und stilistische Stilmittel Langs anderer Stummfilme, so vor allem „Dr. Mabuse, der Spieler“ (1922) und „M. – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931). 2003-2004 wurde der Film von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restauriert. Jennifer Borrmann

Text: „Jennifer Borrmann“, 30.11.2011

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