Hotel Desire

(D 2011, 40 min)

 

Premiere im Sony Center, Berlin, am 07.12.2011

Sergej Moya widmet sich in seinem 40-minütigen Film „Hotel Desire“ der Darstellung von Sex mit dem Versuch, nicht übertrieben pornographisch hingeschaut zu haben, aber auch nicht prüde den Kopf wegzudrehen. Ob sich damit ein neues Genre entablieren kann? Regisseur Moya bezeichnet seinen neuen Film selbst als „PorNEO“. Der Film (freigegeben ab 16) handelt von der alleinerziehenden Antonia (Saralisa Volm), die seit ihrer Schwangerschaft vor acht Jahren keinen Sex mehr hatte. Als ihr Sohn für zwei Wochen zu seinem Vater fährt, erlebt sie gleich am ersten Tag einen One-Day-Stand mit einem blinden Gast des Hotels, in dem sie als Zimmermädchen arbeitet, Julius Pass (Clemens Schick). Von Anfang an steht die – vor allem weibliche – Körperlichkeit im Vordergrund, wird betont in Szene gesetzt – gerne durch Schweißperlen auf der glatten und perfekt rasierten Haut und durch die Close-Ups, in denen die Personen fast durchgängig gefilmt werden. Antonias Füße sind das erste, das wir in der ersten Szene in der Dusche sehen. Die Kamera fährt langsam an ihren Beinen hoch, Antonia schäumt sich ein, kleine Krampfäderchen und eine Narbe machen den femininen Körper etwas – für das bewegte Bild eher ungewöhnlich – natürlicher und menschlich. Das Wasser perlt an ihrer Haut ab und Cutter Benedikt Hugendubel schneidet die Bilder hier traumhaft zusammen: als würde die Kamera ihre Augen kurz schließen und an einem anderen Punkt des Körpers wieder öffnen. Auch die Szenen im Hotel, die mit schwarz-weiß und Farben spielen, immer mit instrumentaler Musik unterlegt, sind mit Schnitten – passend zum heißesten Tag des Jahres – nicht hart, sondern verschwommen aneinandergeknüpft. Die 20-minütige Sexszene selbst ist sehr natürlich gedreht, kein übertriebenes Stöhnen, keine künstlichen Brüste – es ist einfach „normaler“ Sex, den die beiden gemeinsam und ohne sich zu kennen genießen. Der Unterschied zu Sexszenen in anderen Filmen: Es wird nicht weggeschnitten, wenn Julius Antonia mit der Zunge befriedigt; die Kamera zeigt sein Eindringen in sie; der Zuschauer darf alles sehen. Ob hier nun aber ein Unterschied zwischen porNEOgraphisch und pornographisch oder voyeuristisch besteht, nur weil der Film ab und zu keine Genitalien, sondern auch mal den Oberkörper oder Hände oder die Gesichter der beiden Darsteller zeigt, ist eher fraglich und das darf wohl jeder Zuschauer selbst entscheiden . Das Besondere an diesem Projekt ist sicher die Finanzierung, nämlich das crowdfinancing (die so genannte Schwarmfinanzierung), womit 170 000 Euro gesammelt werden konnten und so den Machern die Möglichkeit bot, den Film überhaupt zu realisieren. Konkret bedeutete dies, dass die Filmemacher durch Spendenaufrufe im Internet zu der nötigen finanziellen Unterstützung kamen – zum ersten Mal in Deutschland für ein solches Projekt. Seit gestern abend wird „Hotel Desire“ für sechs Monate bei videoload.de anzuschauen sein, da er nicht in die Kinos kommt: http://www.videoload.de/c/25615672.

Text: „Jennifer Borrmann“, 15.12.2011

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