Louise Hires a Contract Killer

Louise-Michel

(Frankreich 2008, 94 min, 35mm, 1:1.66)

 

Gerade wenn man denkt, schwärzer gehts nicht, kommt sie doch: die Wendung, die die Story noch absurder, politisch inkorrekter und aberwitziger macht. „Louise hires a contract killer“ ist eines der unterhaltsamsten Kinoereignisse in diesem Bereich seit Langem.

Krise, Krise, Krise. Man hört nichts anderes und auch hier ist das Thema fester Bestandteil der Geschichte. Eine Fabrik in der Picardie wird von heute auf morgen geschlossen. Die dort arbeitenden Frauen, Repräsentantinnen des Proletariats, wurden weder darauf vorbereitet noch haben sie eine angemessene Abfindung erhalten. Doch die resoluten Damen in Kittelschürzen geben nicht auf, legen ihr Geld zusammen und wollen damit einen Neuanfang wagen. In einer surrealen Sitzung sammeln sie Vorschläge: Pizzeria, Nacktkalender à la „Calendar Girls“ oder Profikiller. Gesagt, getan. Einstimmig werden die beiden ersten Vorschläge zugunsten des dritten abgeschmettert: Der für die Misere verantwortlich gemachte Chef soll ermordet werden.

Louise (Yolande Moreau, zurzeit auch in „Seraphine“ zu sehen), eine verkorkste, wortkarge und energische Person, macht sich auf die Suche nach dem geeigneten Killer. Der etwas zerstreut wirkende und tollpatschige Wachmann Michel (Bouli Lanners, auch bekannt durch seinen Film „Eldorado“), der insgeheim niemandem auch nur ein Haar krümmen kann, wird von Louise sofort für die Sache eingespannt. Eine todkranke Verwandte soll den Job für ihn erledigen, was sie auch tut, nur: Wie sich herausstellt, war der Getötete gar nicht der tatsächlich Verantwortliche. Die Geschichte entwickelt sich so zu einem ungewollt längeren Rachefeldzug…

Skurrilste Gestalten fehlen nicht: So sehen wir den verfolgungsängstlichen Trailerparkmann, der in Miniaturform reale terroristische Anschläge nachbaut. Man sollte sich unbedingt die Geschnittenen Szenen in den Extras der DVD ansehen – schwärzer geht’s nicht und man beißt sich nicht nur hier auf die Lippen. Von der aus dem Nichts kommenden Haussprengung über ein absonderliches Räuber-und-Gendarm-Spiel auf der Weide bis zum alle Vorahnungen übertreffenden Ende ist der Film eine reine Ideenfabrik an grotesken Einfällen.

Die beiden französischen Regisseure Gustave de Kervern und Benoît Delépine haben ihren Film vor allem der französischen Anarchistin Louise Michel (1830-1905) gewidmet. Aber auch Aki Kaurismäkis Film „I hired a contract killer” wurde offensichtlich mitverarbeitet und das Ergebnis ist die wohl schwärzeste französische Komödie seit Langem. Kervern und Delépine hatten bereits mit „Aaltra“ einen besonderen Sinn für politische Inkorrektheit bewiesen, als sie die Geschichte zweier verfeindeter Querschnittsgelähmter verfilmten und dabei auch die Hauptrollen übernahmen.

„Louise hires a contract killer“, der mehrere Preise gewonnen hat, überzeugt aber vor allem auch mit seinen Farbeinstellungen, der Musik (u.a. Daniel Johnstons „Lonely Song“) und der Kamera Hugues Poulains. Es sind nicht so sehr spektakuläre Kamerafahrten, sondern gerade die starren Kameraeinstellungen, in denen sich nur das Gezeigte bewegt, die beeindrucken.

Text: Jennifer Borrmann, 15.11.2010

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