Sunshine Cleaning

(USA 2008, 91 min, 35mm, Scope)

 

Alleine durch den Filmtitel verbindet man „Sunshine Cleaning“ sofort mit seinem vermeintlichen Vorgängermodell, dem Überraschungserfolg aus dem Jahr 2006, „Little Miss Sunshine“. Dieselben Produzenten und altbekannte Schauspieler lassen auf eine ebenso bunte, sarkastische und turbulente Familienkomödie hoffen.

Auch in „Sunshine Cleaning“ geht es um eine ganz normal verrückte Familie, die Lorkowskis, die versucht ihr Leben im amerikanischen Irgendwo zu meistern. Rose Lorkowski (Amy Adams, zuletzt als Nonne in „Glaubensfrage“ neben Meryl Streep und Philipp Seymour Hofmann zu sehen) ist alleinerziehende Mutter. Dies allein würde bereits für genug Arbeit und Sorgen ausreichen. Denn ihr Sohn Oscar (Jason Spevack) macht es ihr nicht leicht. In der Schule fällt er wegen seines Verhaltens immer wieder auf, fliegt zuletzt sogar von der Schule. Für eine Privatschule allerdings muss Rose erst einmal Geld auftreiben – also muss ein neuer Job her.

Ihr Liebhaber, der verheiratete Polizist Mac (Steve Zahn), erzählt ihr von dem angeblich lukrativen Geschäft, Tatorte von Todes- bzw. Mordfällen zu reinigen, dies bedeutet eigentlich nur eines: alle Arten von Körperflüssigkeiten entfernen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Norah (Emiliy Blunt) übernimmt sie unter dem Firmennamen „Sunshine Cleaning“ mehr und mehr Aufträge – das Geschäft kommt ins Rollen.

Nebenbei hat Rose trotzdem mit ihrem Privatleben zu kämpfen. Als ehemalige Cheerleaderin und It-Girl der Schule, fühlt sie sich nun – verlassen und alleinerziehend – als Versagerin. Ein Post-it auf ihrem Badezimmerspiegel fordert sie jeden Tag dazu auf, sich selbst zu sagen, wie stark sie ist, nur um ihr immer deutlicher vor Augen zu halten, dass es eben gerade nicht so ist. Außerdem fühlt sie sich seit dem Tod der Mutter für ihre ausgeflippte Schwester verantwortlich. Vater Joe (Alan Arkin) ist dabei keine Hilfe, sondern eher noch ein weiteres – für Zuschauer sehr amüsantes und schrulliges – großes kleines Kind.

Im Grunde handelt der Film von Emanzipation. Und zwar von der Emanzipation zweier Schwestern: voneinander, von der Familiengeschichte, von ihrem bisherigen Leben, das beide jeweils unzufrieden gemacht hat. Der Film kommt ein wenig melancholischer daher, als es „Little Miss Sunshine“ tat, was ihn deshalb aber nicht weniger gut macht. Er überzeugt zwar nicht in dem Maße wie „Little Miss Sunshine“, ist jedoch auch keine reine Komödie, kein turbulentes Roadmovie, sondern ist eine nette kleine Tragikomödie.

Der Film an sich ist auffallend dramentechnisch aufgebaut – was sie traditionsbedingt ja immer sind – ein Drehbuch ist genau genommen nichts anderes als Drama: Es gibt eine kurze Einleitung ins Geschehen und in die Protagonisten, das erregende Moment der Idee der Reinigung der Tatorte, gefolgt von der Steigerung, dass das Geschäft ganz gut läuft, bis zum Höhepunkt. Die Elemente des tragischen Moments bis hin zur Lösung bzw. Katastrophe der Geschichte werden hier natürlich nicht verraten. Es sei lediglich darauf hingewiesen: Es lohnt sich reinzuschauen, vor allem bei derzeitig schwül-regnerischem Wetter ist der Film ein kleiner Lichtblick.

Der Cast ist bis ins kleinste Detail durchdacht, auch die Nebendarsteller Lynn (Mary Lynn Rajskub) und Winston (Clifton Collins Jr.) glänzen in ihren kleinen und sympathischen Rollen. Die neuseeländische Regisseurin Christine Jeffs sollte man im Auge behalten. Sie hatte bereits 2003 mit „Sylvia“ Erfolg, in dem Gwyneth Paltrow und Daniel Craig die Hauptrollen als Sylvia Plath und Ted Hughes übernahmen.

Text: Jennifer Borrmann, 23.05.2009

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