Fleisch ist mein Gemüse

(Deutschland 2008, 120 min, 35mm, 1:1.85)

 

Heinz Strunks Leben in den 1980ern: starke Akne, alleinerziehende und psychisch kranke Mutter, keine Freunde, lediglich die einsame Nachbarin Rosi, die tagein, tagaus bei den Strunks rumsitzt.

Eines Tages erhält er den rettenden Anruf von Gurki, der ihm sagt, er habe seine Nummer von einem Freund eines Freundes, der jemanden kennt, der behauptet, Heinz hätte schon mal in ein Saxophon gepustet. Gurki bietet Heinz an, beim nächsten Fest in seiner Band Tiffanys mitzuspielen. Er sagt zu und von da ab ändert sich einiges in Heinz’ Leben.

Der Begriff Rahmenhandlung ist tatsächlich wörtlich zu nehmen. Denn zu Beginn des Films hängt an der linken Seite im Bildschirm ein Hirschgeweih und ihm gegenüber zur Rechten schaut Heinz Strunk persönlich aus einem hölzernen Rahmen heraus und unterhält sich mit dem Hirsch über seine Jugend, die sie gemeinsam auf einer Leinwand verfolgen, die zwischen den beiden im Hintergrund hängt. Strunk kann auf diese Weise als fast allwissender Erzähler fungieren und kommentiert sein Leben als Jugendlicher.

Heinz (Maxim Mehmet) lebt mit seiner Mutter (Susanne Lothar) in Hamburg-Harburg und zählt nicht gerade zu den beliebtesten Jungs. Er macht nicht viel, außer sich um seine Mutter zu kümmern, sich mit Nachbarin Rosi (Livia S. Reinhard) zu unterhalten, zu rauchen und zu trinken.

Dadurch, dass Heinz von Maxim Mehmet, der derzeit im „Roten Baron“ zu sehen ist, dargestellt und gleichzeitig vom echten Heinz gesprochen wird, hat die Figur sozusagen zwei Ebenen. Regisseur Christian Görlitz, der bisher als Fernsehregisseur tätig war, hat sich dies raffiniert ausgedacht, um auf diese Weise den wahren Strunk mitspielen lassen zu können.

Als Gurki (Andreas Schmidt) Heinz fragt, ob er nicht bei Tiffanys mitspielen möchte, sagt er sofort zu und sieht dies wohl als Rettungsanker vor der Einöde mit der kranken Mutter, die bald darauf in eine Klinik eingeliefert wird. In rosa Glitzerjackets tritt die fünfköpfige Band auf allem auf, was sich in der Umgebung anbietet: Hochzeiten, Faschingsparties, Jagdvereins- und Rentnerfeiern. Dort machen sie Stimmung mit Coverversionen von Klaus & Klaus über Susi Quatro bis zu den Beatles und bringen so die Publikumsstimmung zum Siedepunkt. Dies erinnert in Sachen Farbe und Musikvariationen ab und zu an Frank Coracis „The Wedding Singer“ („Eine Hochzeit zum Verlieben“) – leider kommt der deutsche Film nicht an das Komik- und Humorniveau heran.

Vor allem Andreas Schmidts Darstellung ist jedoch eine Glanzleistung. Der aus „Sommer vorm Balkon“ bekannte, eher abstoßend wirkende LKW-Fahrer mit großem Maul und offensichtlicher innerer Makel schafft er es hier noch eins draufzusetzen. Er bringt die Feste mit seiner Art der Unterhaltung auf Touren. Mit Sprüchen wie „Ja, da klatschen die Apachen!“ bedankt er sich beim Publikum für ihren Beifall und findet am Ende jeder Vorstellung sein Resümee: „Hauptsache, geil abgeliefert!“ Nach einer Auseinandersetzung mit Gurki sucht Heinz, der sich neben der Band ein eigenes kleines Aufnahmestudio im Wohnzimmer eingerichtet hat, eine Sängerin, mit der zusammen er eigene Lieder komponieren und auftreten möchte. Nachdem es mit Anja (Susanne Bormann) nicht klappt, trifft er auf Jette (Anna Fischer), die sich – mit Mireille-Mathieu-Frisur – als rockige, politisch engagierte Sängerin entpuppt und ihren Lebensunterhalt bisher mit dem Zusammenbauen von Kugelschreibern verdiente.

Ob der Film den Ansprüchen einer werkgetreuen Literaturverfilmung des 2004 erschienenen Bestsellers genügt, müssen andere entscheiden. Freunde der kurzweiligen Unterhaltung dürften mit dieser Produktion befriedigt werden.

 

Text: Jennifer Borrmann, 18.04.2008

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