Emmas Glück

Hühnergegacker und verbrennendes Geld

Neues aus Deutschen Landen gibt es viel zu sehen, hier bei den 57. Internationalen Filmfestspielen, die Sektionen „Perspektive Deutsches Kino“ und „German Cinema“ befassen sich jeweils mit möglichen Trendsettern für die kommende Saison und mit bereits gut gelaufenen Filmen aus dem deutschsprachigen Raum, die für den internationalen Markt interessant sein können.

An dieser Stelle möchte ich kurz auf Sven Taddickens Film „Emmas Glück“ aus der Sektion „German Cinema“ eingehen, der draußen auf dem Land spielt und die Geschichte der einsiedlerischen Emma (Jördis Triebel) erzählt, die den Hof ihres Vaters übernommen hat, der selbst schon kaum Kontakt zum nahe gelegenen Dorf pflegte. Emma hat alles – sie lebt mit ihren Schweinen, die sie liebevoll tötet und selbst schlachtet und verkauft. Außerdem hat Emma ihr klappriges Moped mit der herrlichen Unwucht im Schwungrad, welche den Sattel so schön vibrieren lässt – also was soll sie mit einem Mann? Trotzdem versucht es der Dorfpolizist Henner (Hinnerk Schönemann) immer wieder, da er um Emmas prekäre finanzielle Situation weiß, die sie bald dazu zwingen wird Hof und Vieh zu verkaufen, um die drohende Pfändung abzuwenden. Aber Emma zeigt sich standhaft, uneinsichtig und selbstbewusst. Trotzdem beschert ihr das Schicksal einen Mann, der sich eigentlich mit einem gestohlenen Auto umbringen wollte, dann aber quasi in ihrem Misthaufen landet. Nun fangen die Probleme aber erst an, denn zunächst knallen zwei völlig gegensätzliche Menschen aufeinander und auch Max (Jürgen Vogel) muss sich gegenüber seinem besten Freund Hans (Martin Feifel) verantworten, dem er Auto samt Schwarzgeld-Ersparnisse geklaut hat.

Wer eine rustikale Bauernhofgeschichte und Liebe in Gummistiefeln zwischen Schweinemief und Hahnengeschrei sehen will, der sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.

 

Text: Philippe Bourdin (11.02.2007)Berlinale’07