Mercano, der Marsianer

Titel: Mercano, der Marsianer
Originaltitel: Mercano el Marsiano
Land/Jahr: Argentinien, 2002
Format: keine Angabe
Länge: 87 min

 

Zusammenfassung:
Die Geschichte ist – grob vereinfacht – in etwa die: Mercano, ein Marsmensch, lebt eigentlich glücklich und zufrieden auf dem Mars. Doch eines Tages wird sein Marshund von einer außer Kontrolle geratenen Raumsonde von der Erde getroffen und ist auf der Stelle tot. Mercano fliegt zur Erde, um sich zu rächen. Doch sein Raumschiff geht zu Bruch, er landet in Buenos Aires. Dort, wo Verbrechen und Vergewaltigung an jeder Ecke an der Tagesordnung sind, wird er von niemandem beachtet, und er haust allein und einsam irgendwo in der Kanalisation. Er will zurück zum Mars, doch ohne Raumschiff ist das unmöglich – also programmiert er sich auf einem geklauten Computer eine vitruelle Realität, die aussieht wie seine Heimat. Er geht ins Internet und lernt so in seiner virtuellen Realität einen Jungen kennen – häßlich, fett, ohne Freunde. So, und jetzt wird es alles kompliziert: Dessen Vater ist der reichste Industrieboss der Welt. Mercano wird gekidnappt, sein Gehirn angezapft, eine riesige virtuelle Realität erschaffen, nach der alle Menschen süchtig werden, und so wird der Industrieboss noch reicher. Ein paar Hacker sind die einzigen, die nicht völlig dem Rausch verfallen. Schließlich gibt es den Riesenshowdown, und als alle gerettet scheinen, fliegt die ganze Welt in die Luft.

Kommentar:
Argentinische Filme? Animationsfilme?? Nein, die kommen hier nicht ins Kino. Auf der Berlinale 2003 gab es mehrere argentinische Produktionen, der aufsehenerregndste davon was sicherlich „Mercano el Marciano“.

Der Film beeindruckt durch seinen sprühenden Witz, der sich mit einer beißenden Ironie verbindet. Buenos Aires erscheint als modernes Sodom, es gibt nur noch Verbrechen, Stumpfsinn und Geldgier – die Außenseiter sind die positiven Gestalten. Auch optisch ist der Film ein Erlebnis: Die Szenen, die in der virtuellen Realität spielen, haben einen völlig anderen Look als der Rest – sie sind viel glatter, eben computerähnlicher. Regisseur Juan Antín schuf die Figur des Mercano schon vor längerem; Mercano läuft regelmäßig in 30-Sekunden-Clips im argentinischen MTV. Der Spielfilm entstand inmitten der großen Unruhen, und als der Film zur Hälfte fertig war, war auf einmal alles Geld und die meisten Mitarbeiter weg, und der Film wurde von einer Handvoll Unverwüstlicher in einem Keller in Buenos Aires fertiggestellt. Herausgekommen ist ein beeindruckender, lebendiger, einfach sehr schöner Film.

Wertung: 9 von 10 Punkten

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Regie: Antín, Juan

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Text: pd, 05.12.2003