Meine Winterreise

Titel: Meine Winterreise
Originaltitel: Mon voyage d’hiver
Land/Jahr: Frankreich, 2003
Format: keine Angabe
Länge: 104 min

 

Zusammenfassung:
Es geht um einen schwulen Mann, der mit seinem Sohn kreuz und quer durch Deutschland tourt und ab und zu einen seinen Freund oder einen Liebhaber besucht. Eingeschoben sind immer wieder Bilder aus einem Tonstudio, es gibt viel Schubert, v.a. die Winterreise selbst und Klaviertrios, und noch ein paar andere Stücke. Am Schluss wird das Ganze noch einmal gebrochen und sämtliche Figuren dürfen gemeinsam den Fidelio anstimmen. (PD)

Kommentar:
Was gibt es viel zu sagen zu diesem Film? Selten habe ich mich im Kino so gelangweilt. Die ersten fünf bis zehn Minuten verbreiten eine wunderbar melancholische Stimmung, ganz wie sie zu Schuberts Liedern passt. Aber dann passiert rein gar nichts mehr. Jemand ist todkrank, aber das wird überhaupt nicht thematisiert. Ziemlich bald weiß man gar nicht mehr, wieso die denn eigentlich herumreisen, und es interessiert auch nicht mehr. Auch die Beziehung zwischen Musik und Film bleibt oberflächlich – das eine wird neben das andere gestellt, und damit hat sichs. Zudem zieht sich der Film unsäglich in die Länge – ganze 107 Minuten ohen Geschichte. Und die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, der Regisseur will wahnsinnig tiefschürfend sein und die extremsten Abgründe der menschlichen Seele erkunden – aber das einzige was erkennbar ist, ist der Wille dazu, und der dafür ziemlich eindeutig. Also – lieber Schuberts Winterreise selbst noch einmal in Ruhe anhören, das lohnt sich auf jeden Fall mehr. (Gesehen auf der Berlinale 2003) Wertung: 1 von 10 Punkten. (PD)

Kommentar:
Für mich war dieser Film DIE Enttäuschung der Berlinale 2003. Obwohl ich den obigen Ausführungen voll und ganz zustimmen kann, möchte ich noch ein paar Sätze hinzufügen. Denn: Vom gleichen Regisseur wurde 2000 der Film ‚Lecons de tenebre‘ ebenfalls im Forum des jungen Films gezeigt. (Kritik in High Noon unter ‚Lektionen der Finsternis‘) Und dieser Film gehörte zu meinen absoluten Favoriten. So ziemlich alles, was Dieutre in den ‚Lecons‘ teilweise brillant gelungen war, fehlte in ‚Mon voyage d’hiver‘. Diese zwei Filme (zumal vom gleichen Regisseur) stehen für mich sinnbildlich für eine Erfahrung, die es im ‚Forum‘ immer wieder zu machen gibt: Hier lassen sich faszinierende und innovative Filme entdecken. Manchmal bleiben aber auch (große) Enttäuschungen nicht aus. Wenn man sich jedoch vor Augen hält wie gerade in Hollywood bisweilen Millionenbeträge für mittelmäßige bis grauenvolle Filme verpulvert werden, dann lassen sich Enttäuschungen bei No- bzw. Low-Budget-Produktionen doch um einiges leichter verkraften. (RM)

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Regie: Dieutre, Vincent

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Text: RM, PD (05.12.2003)