Hero

Titel: Hero
Originaltitel: Ying Xiong
Land/Jahr: China, 2002
Format: 35mm, Scope
Länge: 98 min

 

Zusammenfassung:
Der König von Qin steht kurz davor ganz China zu erobern. Da bringt ihm ein Krieger die Waffer dreier Rebellen, die er getötet hat. Er darf sich dem König auf zehn Schritte nähern und erzählt ihm den Tathergang. Danach plaudert der König ein wenig aus dem Nähkästchen. Aber mal ehrlich … wer kuckt diesen Film schon wegen der Story. (DW)

Kommentar:
Hero ist ein Film der Bilder. Und die sind poetisch, stimmungsvoll, wunderschön. Viele westliche Betrachter werden diesen Film mit Crouching Tiger, Hidden Dragon vergleichen. Beide Male stammt die Musik von Tan Dun, beide Male chinesische Großproduktionen von bedeutsamen Regisseuren und mit bekannten Schauspielern. Die Gemeinsamkeiten bleiben dennoch oberflächlich. Ang Lee hat mit seinem Werk den anspruchsvollen Kung-Fu-Film jenseits des Klamauks von Jackie Chan wiederbelebt. Gleichzeitig ist der Film des Taiwanesen wie die Situation seiner Heimatinsel selbst: er steht zwischen zwei Welten. Einerseits orientiert es sich ganz klar an der chinesischen Ästhetik, gleichzeitig macht er Zugeständnisse an den westlichen Geschmack. Ang Lees Film ist wie Chop Suey: klingt chinesisch, schmeckt chinesisch, ist im Westen populär … und hat mit chinesischer Küche so viel zu tun wie Pizza Hut und gehobene italienische Gastronomie.

Zhang Yimou hingegen ist Festlandschinese und setzt uns hier ein vollendete chinesische Kochkunst vor, um bei der Allegorie zu bleiben. Chop Suey ist nichts als ein billiger Imbißfraß, verglichen mit einen wirklichen chinesischen Festmahl welches aus einem Duzend verschiedener Gerichte besteht. Eines von beiden Gerichten ist das bessere, das andere das massenwirksamere. Zhang Yimous Werk braucht den Vergleich mit Crouching Tiger nicht zu scheuen. Es ist ihm eindeutig überlegen. Gleichwohl wird es das westliche Publikum mit diesem Film wesentlich schwerer haben. Manche tun ihm gar so viel Gewalt an, die vom ersten chinesischen Kaiser (zu welchem der König von Qin nach der Vereinigung des Landes wurde) verfolgte Idee „Alles unter dem Himmel“ als politische Propaganda einzuordnen. Sie tun dem Film unrecht.
Hero ist ein wunderbarer Film, egal wie vielen er letztlich gefällt. Die Handlung ist tiefgründig, die Charaktere sind fein gezeichnet, vor allem der Erste Kaiser ist zu erwähnen. Die Darsteller sind zwar nicht so bekannt wie Chow Yun-Fat und Michelle Yeoh, haben sich aber auch weniger dem westlichen Publikum angedient, von Zhang Ziyi abgesehen, die – außer in einer wunderbaren Kampfszene mit Maggie Cheung – in diesem Film nicht wirklich von Interesse ist. Vor allem Tony Leung stellt wieder einmal sein Talent als einer der besten und vielseitigsten Charakterdarsteller Hongkongs unter Beweis. Mit Donnie Yen und Jet Li spielen hervorragende Kung-Fu-Kämpfer in einem Film, dessen Choreographie der Rezensent nach über 100 Filmen Erfahrung als eine der besten bezeichnen würde, die er je gesehen hat. Die Bilder sollte man selbst gesehen haben, sie sind unübertroffen. Diesen Film MUSS man gesehen haben. (DW)

Kommentar:
Sicherlich wird sich niemand den Film nur wegen der Story anschauen, aber so ganz ausblenden kann man selbige – wenn es um Film geht – nicht. HERO hat wunderschöne Bilder, hervorragend choreographierte Kampfszenen, zeigt beeindruckende Ornamente der Masse. Leider dient dies alles nicht – wie in TIGER UND DRAGON – um eine bewegende Geschichte tiefer Emotionen zu zeigen, sondern vielmehr um ein nationales Erweckungsmärchen zu erzählen, welches das Kollektiv über den Einzelnen stellt. Etwas zugespitzter ausgedrückt: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Sicherlich ist HERO hochästhetisch, vielleicht sogar Filmkunst, die ihren Eingang in die Filmgeschichte finden wird. Ich für meinen Teil werden den Film dann aber nicht in die Abteilung „Martial Arts“ oder „China“ stellen, sondern neben Griffith‘ BIRTH OF A NATION und die Filme Leni Riefenstahls. (TS)

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Regie: Zhang, Yimou

Darsteller: Li, Jet; Cheung, Maggie; Leung, Tony; Yen, Donnie; Ziyi, Zhang

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Text: Daniel Walter, Timothy Simms (07.03.2003)