Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme

Titel: Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme
Originaltitel: The Lord of the Rings – The Two Towers
Land/Jahr: USA, 2002
Format: 35mm, 1:1.85
Länge: 179 min

 

Zusammenfassung:
Inhaltlich schließt der zweite Teil von Peter Jacksons Mammutverfilmung von Tolkiens Meisterwerk nahtlos an den ersten Teil an. Frodo und Sam sind nun alleine auf dem Weg nach Mordor um den Ring der Macht zu vernichten: geführt von Gollum, welcher den Ring lange Zeit besaß und zurückgewinnen will. Sie geraten in Gefangenschaft Faramirs, Boromirs Bruder und Sohn des Statthalters von Gondor. Auch er will den Ring zunächst nach Gondor bringen, läßt Frodo jedoch am Ende frei, so daß er gemeinsam mit Sam und Gollum den Weg nach Mordor fortsetzen kann. Zur gleichen Zeit verfolgen Aragorn, Legolas und Gimli den Orktrupp des Zauberers Saruman, welcher die Hobbits Merry und Pippin entführt hat. Beide werden aus den Klauen der Orks befreit und gelangen in die Obhut des Ents Baumbart, welcher als Hüter des Waldes sein Volk in den Krieg gegen Saruman führt, da dieser den Wald vernichtet. Aragorn, Legolas und Gimli treffen den nach dem Sieg über den Balrog wiedererstandenen Gandalf und machen mit ihm auf in das Menschenkönigreich Gondor, welches von Sarumans Truppen bedroht wird. Nachdem man König Theoden vom verräterischen Einfluß Grima Schlangenzunges befreit hat, stehen die Gefährten dem bedrängten Volk in seinem Überlebenskampf bei. Theoden zieht sich und sein Volk in die Bergfestung Helms Klamm zurück. Es kommt zur Entscheidungsschlacht.

Kommentar:
Buchverfilmungen sind schwierig und eine Verfilmung von Tolkiens Meisterwerk galt lange als unmöglich. Peter Jackson hatte den Versuch unternommen und in einem Mammutprojekt unter Einsatz hochkarätiger Schauspieler, modernster Computertechnologie und großem Aufwand an Kulissen in den Landschaften Neuseelands gleich alle drei Filme auf einmal abgedreht. Der Versuch ist geglückt. Teil 1 war ein gigantischer Erfolg und auch Teil 2 wird für volle Kinokassen sorgen. Und dennoch stellt sich so langsam ein fader Beigeschmack ein. Nicht etwa weil es sich um einen schlechten Film handeln würde, der Fehler liegt vielmehr im Detail.

Kommen wir zunächst einmal zu den Stärken den Films: Die Schauspielerische Leistung ist Grandios. Auch in Teil 2 verkörpert eine hervorragende Besetzung großartige schauspielerische Leistung bis in die kleinste Nebenrolle. Es gibt eigentlich kaum einen, den man nicht loben dürfte: vor allem Brad Dourif als Schlangenzuge und Andy Serkins als – computeranimierter – Gollum sind hervorzuheben, aber auch König Theoden, Gandalf, Saruman – brilliant Christopher Lee, überzeugt in den wenigen Szenen, man hätte sich gerne mehr gewünscht –, Sam und all die anderen großen und kleinen Figuren. Auch die Kulissen und Bühnenbauten sind exzellent, die Schlachtszenen grandios, die Computeranimation atemberaubend. Die Musik ist wieder einmal super, man muß sich allerdings etwas einhören. Alles in allem ein super Film, grandios, spitzenmäßig, ein Meisterwerk!

Allerdings keines mehr, welches ich wie noch bei Teil 1 in Großbuchstaben schreiben würde. Da die Handlung durch Tolkien vorgegeben ist, messen all jene welche das Buch kennen den Film vor allem an seiner Originalgetreuen Umsetzung. Und genau hier hapert es. Ein Buch von über 1200 Seiten kann nicht eins zu eins umgesetzt werden, Kürzungen und Änderungen sind nötig und erlaubt. In Teil 1 lag hier auch kein großes Problem: auf vieles konnte man verzichten, wie etwa Tom Bombadil oder ausgedehntere Szenen im Auenland. Über die Aufwertung Arwens und ihrer Liebe zu Aragorn mochte man grollend hinwegsehen, da es zwar nicht so recht in das Gesamtbild paßte, aber nur wenig Platz einnahm. An Teil 1 gab es (fast) nichts auszusetzen.

Das ist nun leider nicht mehr so. Wie gesagt liegen die Maßstäbe unendlich hoch, doch hat Peter Jackson meinem Empfinden nach unnötig gepfuscht und so sich selbst in die Suppe gespuckt. Behandelte Film 1 problemlos den ersten (und längsten) Band, so werden in diesem Film nur zwei Drittel von Band 2 abgehandelt. Massive Kürzungen an der verbleibenden Handlung sind allerdings schwer möglich. Wie will Jackson im Dritten Film also den vermehrten Stoff behandeln? Auch im dritten Band läßt sich vieles nicht kürzen, ohne die Handlung grob zu entstellen. Es geht also nicht so sehr um ein bestehendes Problem, sondern um eines, das höchstwahrscheinlich kommen wird. Ärgerlich vor allem ist, daß man den Stoff des zweiten Bandes ohne Probleme hätte abhandeln können, wären folgende unnütze Einfügungen Jacksons unterblieben: 1. die Traumsequenzen von Aragorn und Arwen hätte man getrost streichen können: sie tragen nichts zur Handlung bei und stören nur den Gesamtverlauf der Geschichte; 2. die Kampfszenen hätte man kürzen können, v.a. die humoristischen Elemente. Aragorn, Legolas und Gimli im Kampf reißen einen Gag nach dem anderen – wirkt eher wie M.A.S.H. und paßt nicht so recht in die ansonsten stilvoll düster gehaltene Atmosphäre ; 3. Faramir bringt Frodo nach Osgiliath: ist im Buch nie passiert, macht keinen Sinn, trägt außer unlogischen Szenen nichts zur Handlung bei. Eine längere Dialogszenen mit einem Faramir, der nicht als Schuft dargestellt wird sondern als edler Recke der unter der Bevorzugung des älteren Bruders litt wäre besser gewesen und hätte unnütze Schnitte vermeiden helfen. So hätte man 15 Minuten sparen können und wäre der Film dann noch eine halbe Stunde länger gewesen (wird im Directos Cut eh hinzugefügt), dann hätte man Band 2 problemlos und ohne große inhaltliche oder qualitative Verluste abhandeln können.

Außer diesen wenigen Mängeln hat der Film wirklich höchstes Lob verdient, doch der Fehler liegt eben im Detail. Und das ärgerliche ist das Gefühl, diese Fehler seien vor allem auf maßlose Geldgeilheit zurückzuführen. Zunächst einmal findet ein unglaublicher Merchandising-Rummel um Herr der Ringe statt, der selbst Star Wars und Harry Potter locker in den Schatten stellt. Und dann das Elend mit den Directors Cut Versionen. Was für einen Sinn macht es einen dreistündigen Film herauszubringen, dann ein Jahr zu warten um eine halbe Stunde hinzuzuflicken und das ganze als „Directors Cut“ zu verramschen. Als hätte man vorher noch nicht gewußt daß man dies tun will: so wird dann doppelt abgezockt: zweimal der Kinorummel, zweimal der DVD-Rummel, wenigstens beim Soundtrack wartet man mit einer Gesamtedition, bis der Film in voller Länge (dreimal Directors Cut) veröffentlicht wurde. Das ärgerliche am Directors Cut ist, daß man die halbe Stunde länger dringend benötigt, jedoch nun leider nicht mehr mit substantieller Handlung füllen kann, sondern lediglich mit Details. Das rundet den Film ab, kann aber begangene Fehler nicht ausgleichen, außer man würde manche Szenen herausnehmen und so teilweise die Schwerpunkte verlagern. Das ist jedoch nicht unbegrenzt möglich, denn auch wenn man nur die „normalen“ Kinoversionen gesehen hat, muß der Film verständlich bleiben. Fairerweise muß ich gestehen die Extended Version von Teil 1 noch nicht gesehen zu haben und daher nur schlecht über sie urteilen zu können.

Was mich am zweiten Teil ärgert ist nicht daß es ein schlechter Film wäre. Es ist ein super Film und jeder sollte ihn sich ansehen. Es ist vielmehr das Gefühl, daß man den Film noch besser hätte machen können und diese Chance leichtfertig verspielt hat. Zwar stellt Jacksons Verfilmung nur seine persönliche Interpretation von Tolkiens Werk dar, doch für Jahrzehnte wird es wohl die einzige und maßgebliche bleiben. Vor allem warte ich auf Teil 3 nun nicht mehr mit rein positiven Gefühlen sondern einer Mischung zwischen Bangen und Hoffen, Freunde und Sorge. Das hätte nicht sein müssen. Die hohe Qualität des Films zeugt von den Möglichkeiten, die wenigen unnötigen Mängel zu vermeiden.

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Regie: Jackson, Peter

Buch: Tolkien, J.R.R.

Darsteller: Wood, Elijah; McKellen, Ian; Mortensen, Viggo; Astin, Sean; Lee, Christopher; Otto, Miranda; Dourif, Brad; Urban, Karl; Hill, Bernard

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Text: Daniel Walter (03.01.2003)

 

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