The New God

Titel: The New God
Originaltitel: Atarashii Kamisama
Land/Jahr: Japan, 1999
Format: Beta
Länge: 99 min

 

Zusammenfassung:
Dieser Dokumentarfilm beschreibt das Leben einer Mitläuferin (Karin Amamiya) einer ultra-rechtsgerichteten nationalistischen Bewegung. Nach mehreren Suizidversuchen findet sie dort einen neuen Sinn im Leben und gründet mit ihrem Freund Ito eine nationalistische Punk-Band.
Dann trifft sie auf den linksgerichteten Regisseur Yutaka Tsuchiya der sie mit einer Digitalkamera ausstattet und sie bittet, ein Video-Tagebuch zu führen.

Vor laufender Kamera werden nun Gespräche mit Yutaka und seinen Freunden abgehalten, die Karin immer mehr zu beeinflußen scheinen, wie ihr eigenes Videotagebuch zeigt. Bei diesen Konfrontationen der Ideale sieht Karin immer mehr, dass es nicht die nationalistischen Ideale waren, die sie gerettet haben, sondern die Bewegung, in der sie ein neues Zuhause und neue Freunde gefunden hat. Nun, mit der andersgerichteten Ideologie konfrontiert lässt sie sich immer weiter aus dem rechten Lager wegbringen.

Aus ihrem Tagebuch und dem Material der sie begleitenden Kamera hat Yutaka den Wandel Karin’s zu diesem Dokumantarfilm zusammengeschnitten.

Kommentar:
„Finden Sie den Charakter der Hauptarstellerin nicht etwas unglaubwürdig dargestellt […]“ lautete eine der Fragen an den Regisseur nach dem Film. Sowohl der Yutaka, als auch die anwesende Karin fanden zu einer solchen Frage nicht die Worte. Karin war fast den Tränen nahe und meinte daraufhin nur noch, dass sie das nicht spielt, sondern es sich um sie selbst handelt. Bei solchen Fragen aus dem Publikum graut es einen richtiggehend. Da macht jemand einen Dokumentarfilm über die japanische Jugend, ihren Problemen, der Richtungslosigkeit, dem politischen Desinteresse, und dann solche Fragen aus dem sogenannten Fachpublikum, das entweder Kritiken schreiben oder Kinoprogramme erstellen soll.

Doch war dieses die einzige negative Bemerkung zu dem Film, was ich auch völlig nachzuvollziehen finde. Dieser Film setzt sich auf neue Art und Weise mit den Problemen der Jugend in Japan auseinander, indem er nicht nur die Kamera als Medium der Berichterstattung einsetzt, sondern durch die Tatsache, dass Karin mit einer Kamera ein Tagebuch führt, ermöglicht er einen Blick in das innerste und intimste der Hauptdarstellerin. Für mich ein guter Independent Dokumentarfilm, der es verdient hat – auch wegen der ähnlichen Problematik in Deutschland und anderswo – gezeigt zu werden.

Gesehen im Forum des Jungen Films auf der Berlinale 2000.

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Regie/ Buch/ Schnitt: Tsuchiya, Yutaka

Kamera: Tsuchiya, Yutaka; Amamiya, Karin; Ito, Hidehito

Musik: Kato, Takeshi

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Text: DZ (15.01.2002)