Star Wars – Episode II – Angriff der Klonkrieger

Titel: Star Wars – Episode II – Angriff der Klonkrieger
Originaltitel: Star Wars – Episode II- Attack of the Clones
Land/Jahr: USA, 2002
Format: 35mm, 1:1.85
Länge: 142 min

 

Zusammenfassung:
Es war einmal … oder wie man heute sagt: „Vor langer, langer Zeit in einer Galaxis weit, weit entfernt“ Der Krieg der Sterne ist zurück mit dem zweiten Teil der Trilogie vor der uns allen hinreichend bekannten Geschichte um Luke und Leia, Obi Wan Kenobi, Han Solo, Yoda und Darth Vader. Doch halt! Wir wollen uns zeitliche Chronologie halten. Episode II spielt 10 Jahre nach Episode I. Anakin Skywalker ist nun ein junger Jedi-Ritter und Schüler Obi Wan Kenobis und doch plagen den Übermenschen die Probleme eines Teenagers. Krach mit dem Lehrer und hoffnungslos verliebt. Und das in Padme Amidale, welche er vor 10 Jahren als Kind zum letzten Mal sah und die nun als Senatorin für ihren Heimatplaneten Naboo beinahe einem Anschlag zum Opfer fiel. Während Anakin die Senatorin beschützen soll, spürt Obi Wan einer Verschwörung nach, die ihn auf eine im Auftrag von Darth Sidious erstellte Klonarmee stoßen läßt. Diese wurde nach dem Vorbild des Kopfgeldjägers Jango Fett erstellt. Zur gleichen Zeit kommen sich Anakin und Padme näher. Währenddessen bedroht eine Separatistenbewegung unter Graf Dooku die Republik. Kanzler Palpatine will die gefundene Klonarmee gegen die Separatisten einsetzen um den Laden zusammenzuhalten. Der Klonkrieg beginnt …

Kommentar:
Wie bereits „Episode I“wird auch „Episode II“ für volle Kinokassen sorgen – vollkommen unabhängig von der künstlerischen Qualität. Fairerweise muß man sagen, daß diese deutlich über der des Vorgängerfilms liegt. Unnötige Szenen welche nur dazu dienen mit den Special Effects zu protzen, störende Nebencharaktere wie Jar Jar Binks (sicherlich eine der meistverhaßten Figuren der Kinogeschichte), läppische Bösewichte wie der Prügelknabe Darth Maull und wirrköpfige Ideen (wie etwa die mit den „Midi-chlorianern“) Episode I war künstlerisch ein Flop und nicht schwer zu überbieten. Und so bietet „Episode II – Angriff der Klonkrieger“ denn auch ein gemischtes Bild. Die Special Effects und Computergraphiken sind vom Feinsten und auf dem Neuesten Stand. Szenen wie etwa die Große Schlacht zwischen der Droidenarmee und den Klontruppen der Republik oder das Gefecht von mehreren Dutzend Jedi-Rittern auf einmal sind eine Augenweide. Die Handlung ist erstaunlich gut und einzelne schauspielerische Leistungen wie etwa Ewan McGregor als Obi Wan Kenobi oder Ian McDiarmid als scheinheiliger Kanzler der im Hintergrund als Darth Sidious die Fäden zieht sind durchaus lobenswert. Und auch Christopher Lee verleiht seiner Nebenrolle als Graf Dooku Ausstrahlung und Glanz und Temuera Morrison verkörpert den Kopfgeldjäger Jangoo Fett überzeugend und menschlich. Der coolste und beste von allen ist und bleibt Yoda –diesmal näher an Rambo als an Ghandi. Doch genug der Lobhudelei … kommen wir zur Dunklen Seite des Films. Wie üblich wird Star Wars von der Kritik verrissen und doch rennen alle rein wie blöd. Ein Hauptkritikpunkt ist häufig, das es George Lucas nur ums Geld geht und man das seinem Film anmerkt. Sicherlich war und ist er ein Pionier auf dem Gebiet der Special Effects und das merkt man dem Film auch an. Auch bei der Handlung hat er sich diesmal mehr Mühe gegeben und insgesamt muß man der Saga ja zugestehen eine recht gute zu besitzen. … Wenn er nur nicht die Texte selber schreiben wollte. Bereits Alec Guinness soll zu seiner Rolle als Obi Wan Kenobi bemerkt haben, er sei froh bereits im ersten Film gestorben zu sein damit er diese furchtbaren Texte nicht mehr sprechen müßte. Und Harrison Ford wird nachgesagt der einzige Schauspieler am Set gewesen sein, der sich größerem Unsinn verwehrte. „George, you can type this shit, but you sure can’t say it”. Das allerschlimmste ist die Romanze zwischen Anakin und Padme. Während für Hayden Christiansen die Rolle des Anakin Skywalker sicherlich zu groß war schlägt sich Natalie Portman kaum besser. Trotz aller Mühe wirkt das ganze aber eher wie eine amerikanische Teenagerromanze und nicht wie die größte Liebesgeschichte der Galaxis. Wenn man den Ausführungen von Senatorin Padme über Demokratie und Politik folgt, dann wundert es einen wenig das die galaktische Republik in Chaos und Diktatur endet. Umso verwunderlicher ist es, wie jemand einem holden Jüngling verfallen kann der weniger Charme hat als eine nasse Scheibe Toastbrot. Eher der Figur des „Prinz Valium“ als der Star Wars Parodie „Spaceballs“ entsprechend fragt man sich ernsthaft, wo sich Anakin zu Darth Vader dem größten Schurken der Filmgeschichte mausern soll? Die kurzen Momente in denen Anakin die dunkle Seite der Macht verspürt stehen zu offenkundig im Drehbuch um glaubwürdig zu wirken (kleiner Tip: man erkennt sie daran wenn er kurz böse kuckt – und ziemlich blöd dabei wirkt). Eine englische Filmkritik hat ihn zurecht als „mürrisch-schmollendes Gör“ bezeichnet. Darth Vader als verzogener Teenager, als pubertierender und unterbelichteter Bengel ohne Kultur und Verstand?! BUH! Zudem wird ihm die einzige halbwegs glaubwürdige Szene (Anakin massakriert die Sandleute) schon nach wenigen Sekunden weggeschnitten, damit ja auch die Kleinen ins Kino dürfen. Doch damit nicht genug. Senator Bail Organa – ein Shakespeare-Darsteller der sich verirrt hat, merkt daß er im falschen Film ist und nach einem dümmlichen Blick in die Kamera wieder von der Leinwand verschwindet. Jar Jar so nervend wie eh und je, die Handelsföderation nach wie vor mit französischem Akzent und starker Ähnlichkeit mit den Muppets, der ehemalige Besitzer von Anakin jüdischer als je zuvor (Nase, Gesichtszüge, Bart, Hut, Sprache). Die Musik von John Williams ist brilliant und macht einen großen Charme des Films aus, doch wenn die Szenen nicht überzeugen hilft das auch nicht immer viel. Die ersten 90min des Films sind schwach und erst gegen Ende nimmt das ganze Schwung an. Insgesamt glänzt der Film eher durch einige Momente die wirklich atemberaubend sind – während man an sonsten vor sich hingähnt oder über die unsägliche Romanze totlacht. Hätte sich George Lucas aus Drehbuch und Special Effects konzentriert Regie, Text und Darstellerauswahl jemand anderem überlassen – dem ganzen wäre wesentlich mehr gedient worden. Man kann schon vorhersehen das diese Star Wars Trilogie im Bereich der Special Effects Maßstäbe setzen wird, in künstlerischer Leistung jedoch Mittelmaß bleibt und die hohen Erwartungen enttäuscht. Nichtsdestotrotz wird doch jeder hinrennen und sich die Filme ansehen – die alten Filme haben eben so viel Kredit eingebracht das Lucas diesen sorglos verspielen kann. Am Ende wird der fade Nachgeschmack bleiben das eine Trilogie mit guter Handlung durch mittelmäßige Darsteller, miese Dialoge und unnütze Szenen und Figuren die nichts zur Sache tun sondern Angeberei der Special Effects sind ruiniert wurde. Hinter dem Original bleiben die ersten Episoden weit zurück, mit der „Herr der Ringe“ Trilogie von Peter Jackson (hier ist Qualität garantiert weil das ganze am Stück abgedreht wurde) darf man gar keinen Vergleich wagen. Abschließend kann festgestellt werden das „Episode II“ Unterhaltungskino mit tollen Special Effects ist, künstlerisch jedoch nur um weniges besser als Episode I, da die Dialoge dümmlich bleiben und die Lovestory zum davonlaufen ist. Sicher ist jedoch, daß Mel Brooks diese Star Wars Trilogie sicher nicht parodieren wird – dazu fehlt einfach der Kultcharakter. Bedauerlicherweise hat George Lucas seine Möglichkeiten nicht genutzt und man kann nur hoffen, dass es eines Tages ein gutes Remake geben wird.

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Regie & Buch: Lucas, George

Darsteller: McGregor, Ewan; Lee, Christopher; Portman, Natalie; Christensen, Hayden; Jackson, Samuel L.; McDiarmid, Ian; Oz, Frank; Daniels, Anthony; Morrison, Temuera

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Text: Daniel Walter (2002)