Projekt Peacemaker

Titel: Projekt Peacemaker
Originaltitel: The Peacemaker
Land/Jahr: USA, 1997
Format: 35mm, 1:1.85
Länge: 123 min

 

Zusammenfassung:
Ein korrupter russischer General stiehlt eine Zugladung Atomsprengköpfe und will sie verkaufen. Seine bosnisch-serbischen Geschäftspartner hingegen möchten einen davon benutzen um Manhattan radioaktiv zu verseuchen. Amerikanische Helden müssen mal folglich mal wieder die Welt retten … bzw. die USA und ihre Interessen was wohl so ziemlich das gleiche ist.

Kommentar:
Angesichts der heutigen Weltlage ist Projekt Peacemaker ein interessanter Film, nicht jedoch aufgrund seiner Handlung. Die bleibt zusammenhangslos und unglaubwürdig, ebenso wie die Charaktere. Statt einer einfachen Story „Gut“ gegen „Böse“ überfordert sich der Film mit einer komplexen Handlung die er nicht glaubhaft entwickeln kann. Der russische General wirkt wie ein grober Bauernlümmel … die serbischen Strippenzieher wie depressive Weicheier. George Clooney als übersteigerter Macho drängt sich grob in den Vordergrund, Partnerin Nicole Kidman gleicht mehr einer Puppe welche die Wirklichkeit nur aus der Theorie kennt und nicht verkraften kann. Kaum zu glauben daß dieser Film von einer Frau gedreht wurde. Um so auffälliger jedoch wer den Soundtrack geschrieben hat. Hans Zimmer, der auch für „The Rock“ mit Sean Connery und Nicolas Cage die Musik geliefert hat. Die wird dort allerdings wesentlich gekonnter mit den Bildern in abgestimmt – ansonsten klingt sie nahezu gleich. Einzelne Passagen erscheinen voneinander abgeschrieben. Der Film selbst hat wenig innovatives zu bieten: wie etwa das Autoduell was sich mal wohltuend von der üblichen Verfolgungsjagd unterscheidet. Zu vorhersehbar hingegen der Film selbst. Man weiß genau wer wann sterben wird und wie es in der nächsten Szene weitergeht. So als trügen sie alle die roten Uniformen von Sicherheitsleuten auf der Enterprise. Die mußten immer dran glauben. Armin-Müller-Stahl ist als Russen eine totale Fehlbesetzung und es ist gut, daß es sich nach wenigen Minuten wieder aus dem Film verabschiedet. Auch die Handlung kann man genüßlich zerpflücken. Zu viele Schwächen, zu viele Ungereimtheiten. Wie kommt es, daß der russische General über genug Helfershelfer verfügt um eine mit High-Tech-Waffen ausgerüstetes Team loszuschicken um die Raketen zu stehlen, sie dann aber mir nur drei Mann im schäbigen LKW über die Grenze schaffen will. Und wer ist so blöd eine radioaktive Bombe mit einem Zeitzünder auszustatten wenn er selbst nicht am Leben hängt. Ob sie nun in der UNO selbst oder drei Blocks weiter hochgeht ist angesichts der erwarteten Wirkung doch egal. Und das man sie durch einfaches Draufschlagen entschärfen kann, darauf muß James Bond wohl auch noch kommen. Dann hätte er sich in Goldfinger sicherlich weniger abgemüht sondern mal kurz mit einem Goldbarren draufgedroschen.

Das einzig interessante an dem Film sind die impliziten Aussagen: das Uncle Sam überall in der Welt intervenieren darf (da fliegen mal eben so drei Hubschrauber nach Rußland), weil die anderen ihren Laden nicht im Griff haben. Daß der Hau-Drauf-Cowboy immer recht hat, Staatsmänner, Diplomaten und Experten jedoch nur ein Verein von weltfremden Idioten sind die Clooney als Long-Ranger vor sich selbst retten muß. Oder aber der absolut übersteigerte Glauben in moderne Informationstechnologie: über Satellit das Nummerschild des Schurken im Kaukasus ausspähen und auch sonst immer alles rausfinden. Oder aber das Terroristen geistesgestörte Weicheier sind die zwar ein glaubhaftes persönliches Problem haben mögen (Familie wurde im bosnischen Bürgerkrieg erschossen), dies aber gar nichts mit Uncle Sam zu tun hat und es vollkommen abwegig ist die USA verantwortlich zu machen. Schaut man sich nun ein Jahr nach dem 11.9.2001 diesen vor dem Ereignis gedrehten Film an, so fällt interessantes auf. Die in Projekt Peacemaker propagierte Informationstechnische Überlegenheit der USA hat total versagt. Es ist in keinster Weise gelungen den Anschlag vorherzusagen oder aber die Drahtzieher in Afghanistan dingfest zu machen. George Clooney würde Bin Laden mal kurz anrufen – und dann mal kurz aufs Satellitenbild schauen ob man irgend jemand hektisch in den Bunker rennen sieht. Der Terrorist im Film hat aus Sicht des Zuschauers keine schlüssigen Gründe die USA für sein Leid zur Rechenschaft ziehen zu wollen, er scheint eher eine geistig verwirrte Jammergestalt denn ein rücksichtsloser Schurke. Eigentlich hatte ich am Ende eher Mitlied mit dem sterbenden Schuft als dem unsensiblen Clooney, der den Dialogversuch von Kidman zerschlägt – und im Film eigentlich immer als derjenige dargestellt wird der recht hat. Einen Vergleich zwischen der Botschaft des Films und den Denkweisen der amerikanischen Nation/Regierung im Jahr 2002 fände ich sehr interessant. Denn die Botschaft des Films – der amerikanische Held muß intervenieren und sich dabei über alle Grenzen von Diplomatie und Völkerrecht hinwegsetzen – ist gerade heute recht brisant und zweifelhaft. Abgesehen von diesen Überlegungen ist Projekt Peacemaker wenig mehr als ein schlecht gemachter Actionfilm der sich durch ständige Ortswechsel und komplexe Plots einen Anstrich von Dokudrama geben will, sich jedoch selbst überfordert und den Zuschauer enttäuscht.

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Regie: Leder, Mimi

Musik: Zimmer, Hans

Darsteller: Clooney, George; Kidman, Nicole; Mueller-Stahl, Armin; Iures, Marcel; Baluyev, Aleksandr; Medvesek, Rene

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Text: Daniel Walter (10.09.2002)