Nightlife in Tokyo

Titel: Nightlife in Tokyo
Originaltitel: Ai no shinsekai
Land/Jahr: Japan, 1994
Format: keine Angabe
Länge: 115 min

 

Zusammenfassung:
„Nightlife in Tokyo“ handelt von Prostituierten und ihrem Leben in der japanischen Mega-Metropole. Wer nun jedoch einen scharfen Pornofilm erwartet hat, der wird bitter enttäuscht. Für alle anderen eröffnet sich ein Einblick in das japanische Rotlichtmilieu, der so ganz anders ist als man es erwartet. Die zurückhaltende Ayumi spielt alten Herren die Minderjährige vor und träumt davon einen angehenden Arzt oder Anwalt zu heiraten. Ihre Freundin Rei verdient sich ihr Geld als Domina und probt nebenbei rührselig-kitschige Romanzen mit ihrer Theatertruppe. Die sind großteils ebenfalls „im Gewerbe“ und betreiben gemeinsam einen Hostessen-Service mit eigenem Studio. Die jungen Huren sind glücklich mit ihrem Leben und zwischen den Theaterproben darf jeder mal mit Rei … na was wohl. (DW)

Kommentar:
„Mädchen, die im japanischen Sexbusiness arbeiten, waren völlig anders, als ich es mir vorgestelt hatte. Es war wie ein Kulturschock. Ihre Welt ist keine düstere mit einer abschreckenden Atmosphäre, nein, sie hat etwas leichtes, fröhliches. Man hat den Eindruck, die Mädchen mögen das Leben, das sie führen. Auch das Verhältnis zwischen den Huren und ihren Kunden ist anders als ich erwartet hatte. Alles spielt in einer Welt voller Intimität, die auch ein Element der Liebe beinhaltet.“ (Banmei Takahashi, Regisseur des Films)
Dem Regisseur kann man nur beiplichten. Entgegen den üblichen Klischees sind Rei und Ayumi weder ausgebeutet noch verkommen. Es handelt sich um normale junge Frauen, die einen „normalen“ Beruf ausüben. Pervers sind höchstens die skurrilen Freier die ihnen begegnen – und auch das ist schon Normalität.

„… „Nightlife in Tokyo is der neue, große Sexfilm aus Japan! Dort feierte er seine Premiere in großen Lichtspielhäusern und hat die Kritik entzündet und polarisiert. Insbesondere die in Japan tabuisierte Darstellung der Schambehaarung löste eine Zensurdiskussion aus. „Nightlife in Tokyo“ ist jetzt schon Legende, ein absolut zentraler Bestandteil der japanischen Filmgeschichte: der erste japanische Film mit sichtbaren Schamhaaren, die unzensiert, also ohne schwarze Larven in die großen Kinos kommt; der Sexfilm als Kunstwerk, und was man immer auch über die Japaner sagt, wenn es um Sexfilme und Pornos geht, gibt es kein Land auf der Welt, das Japan das Wasser reichen könnte.“ (Splatting Image)

Diesen Film als „Sexfilm“ zu bezeichnen erscheint übertrieben, da es keinerlei „Schmuddelszenen“ oder sonstiges gibt, was man in derartigen Filmen erwarten mag. Huren und Prostitution gab es zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften. Das „älteste Gewerbe der Welt“ ist ein elementarer Bestandteil menschlicher Kultur, auch wenn man das gerne leugnet. Diesen „normalen“ Film in die Sparte Sexfilm zu rücken mag fraglich sein, unzweifelhaft jedoch ist es ein Appel für die Enttabuisierung und Normalisierung dessen was gezeigt wird. (DW)

Kommentar:
Nun, ich schicke mal voraus: Die Videokopie des Films, die mir vorliegt, ist ein Mitschnitt der deutschsynchronisierten Fassung, die auf RTL II lief. Die Werbung dazwischen (0190-666 666 usw.) paßte perfekt zum Film. Denn es handelt sich hier um billiges Exploitation-Kino, das mit einigen geschmäcklerischen Schwarzweißbildern, die in die „Handlung“ eingeschnitten sind, sowie den dämlichen Off-Narrationen der Protagonistinnen vorgibt, Kunst zu sein. Eine andere Lesart billigt dem Film dokumentarische Qualitäten zu, in dem behauptet wird, der Film zeige das Leben der Prostituierten scham- und vorurteilsfrei – wie auch immer: authentisch. Um Prostituierte geht es in dem Film aber ebenso wenig, wie es in den „Schulmädchen“-Reports um Schulmädchen geht. Tatsächlich handelt es sich nämlich um einen relativ langweiligen Softporno mit dem genretypischen männlichen Blick auf weibliche Sexualobjekte. Wie auch immer man(n) zur Prostitution steht: In vielen Fällen ist damit Ausbeutung, Zwang und organisierte Kriminalität verbunden. Wenn ein männlicher Regisseur das anders darstellt, ist das eine Männerphantasie. Fazit: Ein belangloser, überflüssiger und filmhistorisch uninteressanter Film, allenfalls interessant für die Wissenschaft, wenn sie sich mit den oben genannten Themenkomplexen befasst – es gibt allerdings wesentlich interessantere Quellen als diese… (TS)

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Regie: Takahashi, Banmei

Buch: Araki, Nobuyoshi

Darsteller: Suzuki, Sawa; Kataoka, Reiko; Sugimoto, Aya

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Text: Daniel Walter, Timothy Simms (03.01.2002)