Kleine Missgeschicke

Titel: Kleine Missgeschicke
Originaltitel: Sma ulykker
Land/Jahr: Dänemark, 2001
Format: 35mm, 1:1.85
Länge: 109 min

 

Zusammenfassung:
Schockiert vom Tod seiner Frau versuchen der bis dahin unselbständige John (J.K) und seine Familie in einem Aufeinandertreffen in Kopenhagen, diesen Einschnitt zu bewältigen. Da bisher die Familienmitglieder nebeneinanderher “dümpelten“, kommt nun mit der gegenseitigen Konfrontation bisher unter den Teppich Gekehrtes zum Ausbruch.

Das Nesthäkchen Marianne (M. W.-R.) beginnt endlich zu arbeiten und das Interesse zum anderen Geschlecht erwacht bei der 30-jährigen, wogegen bei ihrer verbitterten Schwester Eva (J.F.) etwas versiegt, nämlich deren künstlerische Inspiration. Die Schreiberin lächerlicher Enten(!)haikus überkommt jedesmal ein zwanghafter Harndrang, möchte sie auch bloß einen Pinselstrich auf die seit Wochen leere Leinwand tun. Tom, der Bruder der beiden wiederum bekommt Probleme mit seiner Frau (J.W.), da er den Tod der Mutter durch unmäßige Schufterei in seiner Baufirma zu verdrängen sucht. Auch Sören (J.C.), Johns Bruder, bekommt es mit seiner Ehefrau (K.L.-M.) zu tun, die nicht dulden möchte, dass er sein Rentnerdasein passiv vor der Glotze vertut, und die beinahe aus Verzweiflung mit einem Kollegen ein Techtelmechtel beginnt. Und John selbst bekommt es plötzlich am Herzen. So tut sich einiges im Leben dieser verspulten, immer leicht verwirrt wirkenden Gestalten, die dem Zuschauer schnell ans Herz wachsen.

Kommentar:
Annette K. Olesen , die sich ihre Schauspieler nicht selbst ausgesucht hat sondern im Gegenteil von ihnen auserwählt wurde, im Stile Mike Leighs einen Film zu erarbeiten, hebt ihre Rollen durch Nahaufnahmen und ausgewählte Gruppenarrangements hervor. Knappe, aber dafür umso aussagekräftigere Sätze unterstreichen die seltsame Art an Beziehung innerhalb der Familie. Mehr als 80 Stunden an protokolliertem Videomaterial, reinste Improvisationsarbeit, wurden zum Schluss auf Spielfilmlänge zusammengekürzt. Die gesamte Geschichte ergab sich spontan aus den Improvisationen der Schauspieler anhand ihrer Rollen, sie war nicht vorgegeben. Im übrigen zeichnete sich das Produzententrio bereits für den Film „Italienisch für Anfänger“ verantwortlich, in dem zwei der Schauspieler auch mitspielten – K.L.-M. und J.C.
Freunde des schwarzen Humors werden in „Sma Ulikker“ nicht zu kurz kommen, eine Vorwegkostprobe gibt es gleich zu Beginn des Films, als die Beerdigung gezeigt wird; der Sargdeckel der kulinarisch veranlagten Mutter wurde hier mit Rotkohlköpfen verziert. 😉

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Regie: Olesen, Annette K.

Kamera: Soborg, Morten

Schnitt: Monberg, Niccolaj

Darsteller: Kill, Jorgen; Kill, Jorgen; Würgler Rich, Maria; Bro, Vigga

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Text: Rita Hagenlocher (24.08.2002)