Der Herr der Ringe – Die Gefährten

Titel: Herr der Ringe: Die Gefährten
Originaltitel: Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring
Land/Jahr: USA / Neuseeland, 2001
Format: 35mm, Scope
Länge: 178 min

 

Zusammenfassung:
„Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden.“ „Herr der Ringe“ ist Weltliteratur – das Genre der High-Fantasy wurde durch dieses Werk begründet. Im Gegensatz zur populären Meinung handelt es sich nicht um eine Trilogie, sondern einen einzigen Roman verteilt auf drei Bände. Das Epos galt als unverfilmbar – Regisseur Peter Jackson hat das unmögliche erreicht. Er verfilmte alle drei Teile des „Lord of the Rings“ auf einmal, erhielt somit die Einheit von Tolkiens Werk. Teil 1: „Die Gefährten“ behandelt nahezu exakt den entsprechenden Band des Buches, wer will kann also „nachlesen“ ob das filmische Bild dem geschriebenen Wort entspricht. Andererseits können all jene, welche den Roman noch nicht kennen „vor-lesen“ was denn nun passiert, denn bis zur Fortsetzung des unvermittelt endenden Films heißt es nun geduldig sein. Erst im nächsten Winter kommt Teil 2 in die Kinos, Teil 3 im Jahr darauf.
Für alle Uneingeweihten hier die Handlungszusammenfassung von Teil 1: Die Völker Mittelerdes erheben sich gegen den Dunklen Herrscher Sauron, der sie durch „Ringe der Macht“ unterjochen will. In der Entscheidungsschlacht schneidet Isildur den „einen Ring“, der die anderen kontrolliert, von Saurons Finger und besiegt diesen dadurch. Anstatt den Ring zu vernichten, will er ihn behalten – und wird dadurch ins Unglück gestürzt. Der Ring geht verlohren, wird zunächst von der Kreatur Gollum und später von Bilbo Beutlin gefunden – einem Hobbit. Die Hobbits leben abgeschirmt vom Rest der Welt im Auenland. Nur wenige, wie etwa der Zauberer Gandalf wissen um sie. Als Bilbo an seinem 111. Geburtstag das Auenland verläßt, übergibt er den Ring seinem Neffen Frodo. Gandalf erkennt den Ring als „den einen“ und weiß daß Sauron ihnen dicht auf den Fersen ist. Die neun Ringgeister, einst große Menschenkönige welche durch die Ringe der Macht von Sauron verdorben wurden, sind schon auf dem Weg ins Auenland. Frodo macht sich mit seinen Freunden Sam, Merry und Pippin auf den Weg in die Stadt Bree, während Gandalf das Oberhaupt seines Ordens aufsucht: Saruman. Dieser begehrt den Ring jedoch für sich und setzt Gandalf fest. Die Ringgeister dicht auf den Fersen fliehen Frodo und seine Freunde immer weiter, bis sie das Haus des Elben Elrond in Bruchtal erreichen. Dort beschließt ein Rat der Völker Mittelerdes die Vernichtung des Rings. Neun Gefährten: die vier Hobbits, die Menschen Aragorn und Boromir, der Elb Legolas und der Zwerg Gimli, sowie der aus Sarumans Gefangenschaft entkommene Gandalf machen sich auf den gefahrvollen Weg. Nachdem Gandalf gemeinsam mit einem von ihm bekämpften Feuerdämon in die Tiefe der Minen von Moria stürzt und Boromir, der versuchte sich Frodos Ring zu bemächtigen von den Horden Sarumans erschossen wird zerbricht die Gemeinschaft. Da der Ring das Begehren der Gefährten weckt ihn zu besitzen verläßt Frodo die anderen um ihn allein zu zerstören – nur Sam begleitet ihn. Sarumans Diener haben Merry und Pippin entführt und die rechtlichen Gefährten schwören sie zu befreien. … Fortsetzung folgt… (DW)

Kommentar:
Peter Jacksons Gesamtverfilmung von Tolkiens Meisterwerk wird Filmgeschichte schreiben. Dafür das dieses Buch als unverfilmbar galt ist dem Regisseur das unmögliche erstaunlich gut gelungen. Die Tatsache das es sich mit drei Filmen auf einmal um das gewaltigste und gewagteste Filmprojekt aller Zeiten handelt, modernste Computertechnologie und tausende von Statisten eingesetzt wurden, das alles macht Appetit auf mehr. Der Film ist hochkarätig besetzt und die Auswahl der Darsteller gut getroffen. Die Erwartungen an eine Tolkien-Verfilmung waren immens hoch: Jackson und seine Crew werden ihnen gerecht. Jeder Leser von Tolkiens Buch wird ein eigene Vorstellung über seine Charaktere und die Welt Mittelerdes haben. Anstatt all diesen Vorstellungen gerecht werden zu wollen hat Jackson konsequent das Bild verwirklicht, welches er selbst im Kopf hatte wie er im Interview zugibt. Und damit hat er die größte Gefahr umschifft die sich bei der Verfilmung des Buches stellte: der „Herr der Ringe“ ist ein Werk aus einem Guß und drei getrennte Filme hätten diese Einheit zerstückelt – das Bild in tausend Stücke zerschlagen. Die Tatsache, daß der gesamte Film abgedreht ist garantiert dessen Stimmigkeit – welche in Teil 1 eindrucksvoll demonstriert wurde. Den Darstellern ist es zu verdanken, daß sie sich bereitwillig ins Gesamtbild einfügen und dieses durch eindrucksvolle Darbietungen bereichern anstatt sich gegenseitig überbieten zu wollen. Auch die Spezialeffekte sind stilsicher eingesetzt und dienen der verbildlichung der Handlung – nicht ihrer Ersetzung. Die Rückblende zur Entscheidungsschlacht als Isildur Sauron den Ring vom Finger schneidet ist ein Appetithappen der Lust auf mehr macht – sehnsüchtig auf die großen Kämpfe des „Ringkrieges“ warten läßt. Heranstürmende Orkhorden welche von felsenfest stehenden Elbenkriegern umgedroschen werden wie Halme von Mähdreschern bis Sauron in schwarzer Rüstung herannaht und unter den Helden wütet wie „die Axt im Wald“ – ein unbeschreibliches Bild. Auch die Orcs, welche in Moria aus allen Ecken hervorkriechen, die Aufnahmen von Sarumans Festung Isengard, der Kampf der Magier, die Flucht vor den Ringgeistern, … tolle Effekte, großartige Bilder. Auch ohne Hilfe des Computers bietet die Landschaft Neuseelands eine großartige Kulisse des Meisterwerks.

Fazit: Ein MEISTERWERK! Auch wenn man sicherlich erst das Gesamtwerk gesehen haben muß um es richtig würdigen zu können, kann man Peter Jackson bereits für Teil 1 aus vollem Herzen gratulieren: die Erwartungen waren unermeßlich hoch – er hat sie übertroffen. (DW)

Kommentar:
Ein Meisterwerk? Naja. Ein guter Freund von mir – nennen wir ihn Fips – ist ein großer Tolkien-Enthusiast. Er war trotz hartnäckiger Argumentation nicht von seinem Fazit – Scheiße – abzubringen. Die Meinungen über den Film sind also gespalten. Für den Fan im Zentrum steht die Frage, ob der Film dem Magnus Opus von Tolkien gerecht wird – keine Verfilmung kann aber seiner Literaturvorlage gerecht werden in dem Sinne, dass da etwas eins zu eins in ein anderes Medium übersetzt würde. Der Film, das Medium, das Bild, Text und Ton miteinander vermengt und virtuos zu verweben mag, macht immer etwas mit den Vorlagen, es verschiebt sie, verändert sie ganz sanft oder rekontextualisert sie auf das Brutalste. Peter Jackson – einem zweifelsohne talentierten Regisseur – ist vorzuwerfen, dass er eben dieses Potential des Films nicht ausgeschöpft hat. Er hat sich eben nicht getraut, aus der Literaturvorlage etwas neues zu schaffen und aus diesem Grunde ist Herr der Ringe kein Meisterwerk, sondern ein solides Stück Mainstreamhandwerk. Der Film wagt keine neuen Schritte, sondern setzt konsequent das Special Effects-lastige Authentizitätsparadigma Hollywoods um. Im Zentrum dieses Paradigmas steht eine „realistische“ Darstellung dessen, über dessen tatsächliche Gestalt man wenig wei0, weil niemand dabei gewesen ist. Dieser Realismus ist also ein konstruierter, der moderne Phänomene zum Vorbild nimmt. So finden wir in den dreckigen Schlachten von Ridley Scotts Gladiator das Schlachten zweier Weltkriege wieder. Und in den Hobbits Peter Jacksons finden wir das glückliche Landleben wieder, wie es in Trachtengruppen und Museumsbauernhöfen konserviert bzw. konstruiert wird. Was aber hat das mit den Hobbits Tolkiens zu tun? Jackson mag mit bester Absicht nahe am Buch geblieben sein, aber dadurch, dass er sich nicht vom Realitätsparadigma Hollywoods löst, verflacht er das Buch ungemein (ein Schicksal, dass der Herr der Ringe mit Michael Endes Unendlicher Geschichte teilt). Denn das Buch kann auch anders gelesen werden. Ich habe mich jüngst mit zwei Freundinnen, nennen wir sie Tamaki und Candace, unterhalten und wir stellten fest, dass für uns Frodo, Pippin und Sam keine pupertierenden Jungs waren, die mit strammen Hobbit-Landmädchen tanzten. Dass das Geschlecht der ganzen Figuren im Herrn der Ringe unwichtig ist, eigentlich nicht existent. Die Verfilmung hingegen zeigt starke Jungs und Sexsymbole wie Liv Tyler. Es geht plötzlich – ganz im Gegensatz zu unserer Lesart des Buches – um Männer und Frauen und um Rollenklischees, wie wir sie immer wieder im Kino sehen. Herr der Ringe hat gute Schauspieler, einen brillanten Regisseur, hervorragende Ausstatter und Drehorte. Aber warum ist es nicht möglich gewesen, daraus mehr zu machen, als einen Konfektionsabenteuerfilm? Ein MEISTERWERK hätte Neues geschaffen, zum Weiterdenken angeregt (Ich hätte wohl auch nie etwas zu diesem Film geschrieben, wäre er nicht weiter oben zum Meisterwerk in Großbuchstaben avanciert). So wird der Film das gleiche Schicksal erleiden wie die Zeichentrickverfilmung aus den 70ern. Man wird ihn in einigen Jahren vergessen haben und wenn in 20 Jahren ein Remake ansteht, wird man schöne DVD-Editionen herausgeben und noch mal ein paar Dollar mehr einnehmen. (TS)

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Regie: Jackson, Peter

Buch: Tolkien, J.R.R.

Darsteller: Wood, Elijah; McKellen, Ian; Tyler, Liv; Mortensen, Viggo; Astin, Sean; Blanchett, Cate; Holm, Ian; Lee, Christopher; Weaving, Hugo; Bean, Sean; Rhys-Davies, John

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Text: Daniel Walter, Timothy Simms (03.01.2002)

 

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