Geographie der Angst

Titel: Geographie der Angst
Originaltitel: Pelon Maantiede
Land/Jahr: Finnland, 1999
Format: 35mm, 1:1.85
Länge: 95 min

 

Zusammenfassung:
Oili Lyyra ist Zahnärztin in der Gerichtsmedizin. Sie versucht, den Tod eines Mannes aufzuklären, der ganz in der Nähe des Hafens von Helsinki gefunden wurde. Während der Bearbeitung dieses Falles lernt sie die Freundinnen ihrer jüngeren Schwester Laura kennen. Diese bilden eine Gruppe von acht Frauen, die sich u.a. zum Ziel gesetzt haben, Rache an Männern zu üben, die Frauen vergewaltigt oder umgebracht haben. Außerdem hat es den Anschein, dass die Frauen irgendetwas mit Oilis Fall zu tun haben. Da ihre Schwester Mitglied dieser Gruppe ist, gerät sie in Gewissenskonflikte, denn ausgerechnet ihr Freund, Kommissar Eero Harakka, arbeitet an demselben Fall. Als die Frauen den ‚Macho-Fahrlehrer‘ Auvinen ins Visier nehmen, bei dem gerade die Jüngste der Gruppe ihre Fahrstunden nimmt, droht die Situation zu eskalieren …
(vc)

Kommentar:
‚Geographie der Angst‘ ist Auli Mantilas zweiter Spielfilm. Das Drehbuch basiert auf dem Roman ‚Geography of Fear‘ von Anja Kauranen, dessen Erscheinen 1995 großes Aufsehen erregte. Gegenüber der Vorlage ist der Film deutlich entschärft. So findet der Rachefeldzug der Frauen hier ausschließlich als Reaktion auf bereits verübte Vergewaltigungen und einen Mord statt, der zudem bereits vor Beginn der Handlung erfolgte. Dies wurde dem Film auch von einigen KritikerInnen vorgehalten. Die Regisseurin hat diesen Weg jedoch bewusst gewählt, da sie „diesen Film nicht nur für Leute machen [wollte], die sich sowieso mit diesem Thema beschäftigen“. In diesen Kontext passt auch, dass im Gegensatz zum Buch nur die Anführerin der Gruppe eine Akademikerin ist. In der packenden aber auch brutalen Geschichte schafft die Regisseurin Distanz zum Geschehen, indem sie die Handlung aus der Sicht der Zahnärztin erzählt, die ihrerseits eine Außenstehende der Frauengruppe ist. Als Resultat sehen wir einen spannenden Kriminalfilm, der trotz der ‚Entschärfungen‘ ein weiteres Ziel der Regisseurin erreicht haben dürfte, nämlich eine „soziale Debatte in Gang zu bringen“. Die Story wirkt mitunter zwar etwas plakativ, doch ist gerade dadurch die Angst und die Aggression der Frauen, die sich gegen männliche Gewalttäter zur Wehr setzen, leicht nachvollziehbar. Und dies bestimmt nicht nur für AkademikerInnen.

Zum Abschluss noch eine kurze Erläuterung der Bedeutung von ‚Geographie der Angst‘: Das Konzept geht auf finnische FeminismusforscherInnen zurück, die damit den inoffiziellen Lageplan beschreiben, mit dem Großstädte nach ihrem Gefährlichkeitsgrad für Frauen untergliedert werden. M.a.W. bezieht sich ‚Geographie der Angst‘ auf Stadtbezirke , in denen Frauen nachts Gefahr laufen, überfallen zu werden, wie z.B. Parks usw.

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Regie: Mantila, Auli

Darsteller: Räikkä, Tanjalotta; Klemola, Leea; Sveholm, Pertti; Sorvali, Kari; Lyytikäinen, Anna-Elina; Saisio, Elsa; Vilpas, Eija; Hazard, Karina; Rantanen, Maaria; Junnilainen, Irma; Storgard, Johan; Nousiainen, Heikki; Peltola, Sulevi

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Text: Vivian Conrad (23.01.2002)