2010 – Berlinale

A Somewhat Gentle Man

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Resozialisierung mal anders

Und wieder wird ein Mann aus dem Gefängnis entlassen. Nach dem Räuber Johann Rettenberger kommt im hohen Norden Norwegens der Mörder Ulrik (Schweden-Import Stellan Skarsgard) wieder auf freien Fuß. Doch die skurrile Geschichte, die sich daraus entwickelt, ist viel heiterer als man erwarten kann und so verläuft Ulriks Resozialisierung zwar auf holprigen Pfaden, doch die Zuschauer kommen dabei konstant auf ihre Kosten. Und Hauptdarsteller Skarsgard empfiehlt sich als gutmütiger Grobklotz, der mit eigenwilligen Methoden versucht mit seiner Vergangenheit ins Reine und in der Gegenwart über die Runden zu kommen.

Zunächst scheint alles nach Plan zu laufen: zwar stellt sein Sohn Geir ihn seiner Verlobten zunächst als vielgereisten „Onkel Ulrik“ vor, doch verhelfen ihm alte Gaunerfreunde zu einem Job als Automechaniker und zu einer Bleibe als Untermieter der schrulligen Karen Margarethe. Soweit, so gut, sollte man denken. Aber, wie das Leben so spielt, sind diese Gefallen nicht umsonst: als Gegenleistung muss Ulrik seinen früheren Boss y nicht nur bei Drogengeschäften unterstützen, sondern er soll für Jensen auch einen störenden Geschäftspartner aus dem Weg räumen. Dieser ist – wie manchmal das Leben und manchmal ein konstruiertes Drehbuch spielt – der Mann, der Ulrik einst ins Gefängnis gebracht hatte.

In der Anfangsszene empfiehlt ein freundlicher Gefängnisbeamter Ulrik vor seiner Haftentlassung, in Zukunft nie zurück zu schauen, sondern immer nach vorne. Woraufhin dieser das Tor der Anstalt passiert und nach einigen Schritten zurückblickt, um dann weiterzulaufen. Der damit ausgedrückte ironische Bruch zieht sich durch den gesamten Film, vor allem zeigt er, wie diese Geschichte mit Prinzipien und Lebensweisheiten umgeht: es ist der gute Wille der zählt, nicht die Umsetzung. Ein neues Leben und Schluss mit der Kriminalität? Keine Rückfälle? Neuer Job, neue Liebe? Der gute Ulrik gibt sein bestes, muss aber auch den einen oder anderen Kompromiss mit seiner Vergangenheit und der Gegenwart der Anderen schließen.

Von solchen Kompromissen blieb auch Regisseur Hans-Petter Moland nicht verschont. Doch zunächst zu seinen positiven Errungenschaften: sein Film schafft es reihenweise, gangster- krimi und komödientypische Szenen zu zeigen und doch durch Nutzung eines speziellen skurrilen Humors neu zu erfinden. In der Beziehung Ulriks zu seiner schrulligen Vermieterin bekommt man die wohl witzigsten Sexszenen der letzten Jahren zu sehen und sein Chef Sven nervt Ulrik mit so wohldurchdachten wie eigenwillig vorgetragenen Monologen. Dazu zeigen Möchtegern-Gangsterboss Jensen und sein hundeartig hinter ihm hertrottelnder Gehilfe Rolf die Menschen hinter den harten Jungs: nur solange nichts Unvorhergesehenes passiert sind die beiden Herren der Lage. Dazu kommt ein Hauptdarsteller, der die Widersprüche des gealterten Gangsters Ulrik perfekt verkörpert: einerseits geht es ihm nur darum, einigermaßen in seinem schrägen aber bescheidenen Leben klarzukommen, andererseits ist mit ihm nicht zu spaßen, was auch der prügelnde Ehemann seiner Kollegin Merete schmerzvoll erfahren muss.

Jede Menge solide und zuweilen urkomische Unterhaltung hat „A Somewhat Gentle Man“ also zu bieten, leider muss man dem Film aber auch ein gutes Stück fehlende Substanz attestieren. Souverän variiert er gängige Muster der Gangsterkomödie, fügt einige Elemente der aufkommenden Filme übers Älterwerden hinzu und erzeugt dadurch eine Feelgood-Atmosphäre, bei der die Frage nach den Abgründen, die eine Figur wie Ulrik in sich trägt konsequent übertüncht wird, seine kriminellen Handlungen ergeben sich mit fast zwingender Logik aus seinem Umfeld. Auch weil der Film letztendlich nicht in der kargen Welt der realen Resozialisierung spielt, sondern im bunt verzerrten Paralleluniversum der skandinavischen Gangster-B-Movies. Ist, wenn man so will, aber auch ganz gut so.
Text: mk, 19.02.2010

Der Räuber

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Berliner Schule meets Bourne Identity

Bei der Wahl seiner Filmtitel war Benjamin Heisenberg bisher wenig kreativ: nach „Schläfer“ kommt nun „Der Räuber“. Bei den Inhalten sieht das glücklicherweise anders aus: sein neuester Film verknüpft geschickt Elemente von Thriller und Drama zu einer nüchternen Schilderung einer einmaligen Kriminalgeschichte. Die Hauptfigur Johann Rettenberger hatte in den achziger Jahren eine Serie von Verbrechen verübt und war nebenbei als Marathonläufer erfolgreich. Auf diesem Gegensatz aufbauend inszeniert Heisenberg Rettenbergers Geschichte zwischen seiner Haftentlassung und seinem Tod auf der Flucht: als einsamen Marathon, der von der Besessenheit von Laufsport und der Sucht nach höherem Nervenkitzel dominiert wird. Den verstärkten Adrenalinschub erreicht er dabei durch Autodiebstähle und Banküberfälle.

Wie ein Athlet, der für Olympia trainiert putscht sich Heisenbergs Rettenberger auf, um seine Leistung schließlich auf mehrere Banken an einem Tag zu erhöhen, interessiert blickt er auf die Frequenzkurve seiner Pulsuhr, die zum Zeitpunkt der kriminellen Handlung massiv höhere Werte anzeigt. Andreas Lust ist als Hauptdarsteller ein Glücksgriff, weil er die Fixiertheit Rettenbergers auf die Tretmühle, in der er steckt perfekt verkörpert. Mit schnellstmöglicher Geschwindigkeit rast er durch den Tunnel, der ihn umgibt und dass er außerhalb dieses Tunnels keine Chance hat, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. „Das, was ich mache, hat mit dem, was du Leben nennst, nichts zu tun“ sagt er einmal zu seiner Freundin Erika, die an ihm hängt, obwohl er ihr klargemacht hat, dass sie in seinen Lebensentwurf eigentlich nicht passt.

So in und auswendig hat Lust seine Figur gekannt, dass er sich mit Regisseur Heisenberg um die Laufgeschwindigkeit in einzelnen Szenen gestritten hat. Eine Anekdote, wie man sie sonst nur von den animalischen method actors wie Daniel Day-Lewis kennt und dazu sitzt Lust mit versteinertem Gesichtsausdruck auf der Pressekonferenz und beantwortet die meisten Fragen in einem Satz. Selbst am Tag der Premiere scheint scheint seine Filmrolle noch von ihm Besitz ergriffen zu haben, oder vielleicht hat er auch viel von seinem eigenen Naturell in diesen stillen, gefühlskalten und tatenfixierten Rettenberger eingebracht. Dieser ist eine Figur, die zu einem der großen zwiespältigen Bösewichte dieses Filmjahres werden kann, denn bei aller Verachtung für seine Taten schwingt beim Zuschauen auch eine seltsame Bewunderung für die Akribie, mit der dieser Mann aufwändigste Aktionen plant und durchführt mit. Und wenn er dann einmal mehr wie ein Ausbrecherkönig aus der aussichtslosest möglichen Situation entkommt, ist man versucht, diese zumindest als Fakt anzuerkennen.

An Thrillern aus den siebziger Jahren und auch an der Bourne-Trilogie hat sich Regisseur Heisenberg bei der Inszenierung der Überfall- und Fluchtszenen orientiert und beeindruckt dabei gar nicht so sehr mit Höchstgeschwindigkeit, sondern vor allem mit der Nähe an der Figur und dem Eindruck, die Szene unmittelbar aus Rettenbergers Sicht mitzuerleben – eben genau das, was die Actionszenen insbesondere „Die Bourne-Verschwörung“ ausmacht. Dies kombiniert er mit stillen Szenen, in denen Rettenberger zuhause sitzt, mit einem Sozialarbeiter redet, läuft, zufällig seine Freundin trifft und ähnlichen Situationen, die als stilbildend für das Genre der Berliner Schule angesehen werden. Im Gegensatz zu mit dieser Bewegung in Verbindung gebrachten Filmen, erfüllt hier allerdings jede Szene eine Funktion für die Zeichnung der Charaktere bzw. für die Fortentwicklung der Handlung. Dies beschert ein spannendes, originelles und trotz der hochsachlichen Inszenierung nahegehendes Kinoerlebnis.
Text: mk, 19.02.2010

Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Der aussichtslose Kampf gegen das eigene Scheitern

Wie eine Selbstverständlichkeit klingt der Titel für einen Durchschnittsverbraucher, wie ein Schrei nach Freiheit für alle Insassen des hier gezeigten rumänischen Jugendgefängnisses. Silviu heißt der junge Mann im Mittelpunkt dieses Film, sein Körper ist durchtrainiert, sein Haar kurzgeschoren und seine Situation erscheint verfahren: zwar muss er von seinen fünf Jahren im Gefängnis nur noch zwei Wochen absitzen, doch dann taucht plötzlich seine verschollen geglaubte Mutter auf und will seinen jüngeren Bruder mit nach Italien nehmen. Das soll in einer Woche geschehen und Silviu muss nun kämpfen: gegen die Versuche der Mutter, ihm seinen Bruder zu nehmen und gegen die latente Aggression im Gefängnis, die, sollte auch Silviu ausfällig werden, eine Verlängerung seiner Haftstrafe bedeuten würde. Als sich seine Anspannung in einem tätlichen Angriff gegen einen Sozialarbeiter entlädt dreht Silviu schließlich durch, schlägt einen Wachmann zusammen und entführt die junge Praktikantin Ana, in die er sich verliebt hat. In einem gestohlenen Auto fahren beide einem ungewissen Schicksal entgegen.

Geschätzte 500 000 rumänische Kinder sind Migrationswaisen, deren Eltern für bessere Arbeitsbedingungen hauptsächlich nach Italien und Spanien ausgewandert sind und ihre Kinder zuhause zurückgelassen haben. Ein Phänomen, das in Rumänien das Wort „Eurogeneration allein gelassen“ trägt. Mit einem Film ein aktuelles gesellschaftliches Problem porträtieren – das kann auch schief gehen. Es ist die Leistung des Laiendarstellers Gheorge Pistereanu, die diesen Film zu einem intensiven Sozialdrama macht. Ob beim morgendlichen Training, beim Streit mit anderen Häftlingen, beim Besuch des Bruders und der Mutter oder schließlich beim darauffolgenden Gewaltausbruch: Pistereanu verschmilzt mit seiner Rolle und spielt Silviu als Menschen, der sich mit aller Gewalt gegen sein Scheitern und gegen eine feindlich erscheinende Außenwelt stemmt und sich schließlich in einer aussichtslosen Situation wiederfindet. Dass Silviu diese Situation selbst durch unkontrollierte Gewalt verschuldet hat, ist ebenso klar wie die Tatsache, dass ihm tieftraurige Begleitumstände alle Möglichkeiten, die Kontrolle zu behalten, schrittweise genommen haben. Der Film stellt zu Schuldfragen zwar keine Wertungen auf, man kann sich ihnen als Zuschauer aber schwer entziehen.

Der Film ist mit Handkamera gedreht, oft sieht man Silviu von hinten, beim Gehen oder beim Schauen durch den Gefängniszaun, und nimmt seine Perspektive ein. Auf Musik verzichtet der Regisseur Florin Serban, dessen erster Spielfilm dies ist, fast völlig. Und irgendwie erinnert man sich wieder an einen anderen eindrucksvollen rumänischen Film: Vier Monate, drei Wochen, zwei Tage. Der gewann vor drei Jahren die Goldene Palme in Cannes. Und wie beide Filme eigentlich nur ein paar Tage behandeln, gehen sie doch beide weit darüber hinaus: Während 4 Monate, drei Wochen, zwei Tage auf eindrückliche Weise den Machtmissbrauch in einer totalitären Gesellschaft darstellte, führt uns „If I want to whistle, I whistle“ vor Augen, welche Auswirkungen die Hoffnung auf schnelles Geld und Anerkennung in einer kapitalistischen Welt haben können.
Text: mk, Henriette Walz, 19.02.2010

Father of Invention

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Die neunziger Jahre sind vorbei!

Robert Axle. Ein Name wie ein Fingerabdruck für eine amerikanische Filmfigur, schon allein wegen der klanglichen Nähe seines Nachnamens zu einem allseits bekannten Schimpfwort. Passend dazu wird dieser Axle – wie übrigens bemerkenswert viele Charaktere auf dieser Berlinale – zu Filmbeginn als zerzauster Träger einer unordentlichen Langhaarfrisur aus dem Knast entlassen, weil ihn seine Funktion als Vater zahlreicher Erfindungen nicht vor deren schlampigen Ausarbeitungen und dadurch entstehenden schweren Unfällen zahlender Kunden gerettet hat. Wieder in Freiheit will der übrigens vom legendären Kevin Spacey gespielte Axle mit einer neuen Erfindung ins Geschäft zurückkehren und alle Verkaufsrekorde sprengen: nach dem vor zehn Jahre erfundenen Luftschneidegerät soll die Kinderleine mit integriertem mp3-Player und Kompass so richtig abräumen.

Das wird auf der Leinwand leider genauso albern und bescheuert umgesetzt, wie es schon in dieser Beschreibung klingt. Alles, was den Humor dieses Films hätte retten können, wären Brüche, Überraschungen oder Boshaftigkeiten gewesen, doch stattdessen geht Nachwuchsregisseur Trent Cooper nach dem Standardmuster einer Hollywood-Komödie der 90er Jahre vor. Man sieht zwar offiziell die Geschichte eines vorübergehend obdach- und mittellosen Mannes, doch tatsächlich werden die Bilder des Films von schönen Menschen undtypisch amerikanischen Häusern mit Vorgärten geprägt. Die Gags selbst setzen auf pubertäre Knall- und Slapstickeffekte, sind oft vorhersehbar, immer albern und nie geistreich.

Obwohl hier unübersehbar ein Verriss seinen Lauf nimmt, ist anerkennend anzumerken, dass zumindest die routinierten Schauspieler alles tun um einen Totalcrash dieser harmlosen Klamotte zu vermeiden: Kevin Spacey spult gekonnt Wutausbrüche und verrückte Ideen wie in besten „American Beauty“-Zeiten ab, Virginia Madsen mimt hingebungsvoll die neurotische Exfrau, Johnny Knoxville spielt als Supermarktleiter und renitenter Krückenpatient mit seinem „Jackass“-Image und Heather Graham wagt den Sprung von der Vorzeige-Schönheit aus zur Kampflesbe. Was aus dem Film ohne ihre professionelle Inspiration geworden wäre, ist nicht auszudenken und so soll es das an positiven Seiten hier auch leider gewesen sein.

Regisseur Coopers vollmundige Behauptung, „The Father of Invention“ habe sich an alten Filmen, wie Wilders „Das Appartment“ orientiert kann man wahlweise ins Reich der Übertreibung, des Unwissens oder des Größenwahns verweisen. Herausgekommen ist vielmehr ein Werk, dass versucht einen Erfinder, dessen Erfindungen von modernen Entwicklungen überflüssig gemacht wurden, zu ironisieren, wobei zu fragen ist, ob Cooper nicht selbst Züge eines solchen Erfinders trägt. Denn sein Film bedient sich vorne bis hinten die Stilmittel zahlreicher Genre-Komödien aus den 90er Jahren und ignoriert konsequent, dass diese Standards von neueren Komödien – unter ihnen ironischerweise auch der Spacey-Hit „American Beauty“ längst überholt worden sind.
Text: mk, 16.02.2010

Orly

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Ist das nun revolutionäre neue Kinokunst, oder einfach nur anstrengend und langweilig. Daran scheiden sich die Geister, aber eines ist klar: Angela Schanelec’ „Orly“ ist ein Film der seinem Publikum vor allem Geduld abverlangt.

Vier Paare, vier Episoden, angesiedelt im selben Setting: der Wartehalle des Pariser Flughafens Orly. Während sich eine junge Frau vor dem Heimflug in einen Fremden verliebt, reist eine Mutter mit ihrem Sohn zu einer Beerdigung, gleichzeitig geht ein junges Paar während der Wartezeit immer stärker auf Distanz zueinander und eine allein wartende Frau traut sich endlich, den Brief zu lesen, mit dem ihr Ex-Mann zuvor die Ehe für beendet erklärt hatte. Klingt nach einem ganz normalen Episodenfilm? Ist es aber ganz sicher nicht!

Das merkt man von Anfang an daran, wie die Dialoge zwischen den Akteuren gespielt und inszeniert sind. Statt auf die Entwicklung einer Story und humorvoll-unterhaltsamen Schlagabtauschen setzt Schalenec auf etwas banaleres, wenn auch auf seltsame Weise naheliegenderes: die nackte Realität langweiliger Gespräche. Wenn nun etwas Bruno Todeschini und Natacha Régnier nicht nach den Regeln der klassischen amerikanischen Drehbuchschule aufeinandertreffen und nicht ein knalliges Ereignis sie zusammenbringt, sondern sie aus reiner Langeweile ein paar Worte wechseln, ist das zunächst einmal sehr respektabel und innovativ. „Die Charaktere haben nur eine Stunde Zeit und so viel kann man da eigentlich gar nicht machen“, kommentierte Regisseurin Schalenec und hatte damit nicht unrecht.

Das Problem ist: als Seherlebnis ist das nicht unbedingt immer so positiv zu betrachten. Konversationen zu folgen, die sich spontan assoziierend, aber wenig fantasievoll an der drögen Realität und der Langeweile des Moments entlanghangeln müssten sich die meisten Kinozuschauer eben doch mühsam antrainieren. Warum eigentlich, fragt man sich, schließlich gibt es sowohl tolle Episodenfilme über Leere und Pausen, etwa Jarmuschs „Coffee and Cigarettes“ und auch hervorragende, spontan inszenierte Dialogfilme, wie Linklaters „Before Sunrise“ und „Before Sunset“. Filme mit denen Schalenec’ „Orly“ – zumindest aus heutiger Sicht – einfach nicht mithalten kann.
Text: mk, 16.02.2010

My Name is Khan

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Forrest goes to Bollywood

Sein Name ist Khan, Sha Rukh Khan. Im Film: Rizvan Khan. Und, wenn man es auf Hollywood übertragen will: eher Forrest, Forrest Gump als Bond, James Bond. Verwirrend? Dann jetzt ein etwas einfacherer Einstieg: in „My Name is Khan“ geht es um Liebe, die religiöse, gesellschaftliche und kulturelle Grenzen überwindet.

Dieser Film kommt aus Bollywood und diese indische Traumfabrik kann mit ihrer Form des Kinos so manchen Filmkritiker zum Verzweifeln bringen, weil sie sich den bei neueren Hollywoodfilmen mittlerweile üblich gewordenen Grenzen zwischen Kitsch und Selbstironie entzieht. Man könnte auch sagen: es sind Filme, die sich trauen, überschwänglich und emotional zu sein, auch um den Preis, dass Logik und Plausibilität dabei auf der Strecke bleiben dürfen. Denn diese Geschichten werden von ihren Fans als Märchen, die sich dem Realismus sehr weitgehend entziehen dürfen, akzeptiert.

Um auszuloten, wie weit die Mumbaier Filmemacher bei ihren beschwingten Märchenerzählungen gehen können, eignet sich „My Name ist Khan“ vorzüglich. Denn in dieses nach allen Regeln des Bollywood-Kinos gedrehte Melodram bricht gleich in zweierlei Hinsicht die Realität ein: erstens leidet die Hauptfigur an Autismus und zweitens wird der amerikanische Rechtsruck infolge des 11. September so deutlich thematisiert wie kaum zuvor in einem Familien-Unterhaltungsfilm.

Hauptfigur ist der unter einer Asperger-Störung leidende Rizvan Khan (Bollywood-Überflieger Shah Rukh Khan), der in die USA auswandert. In San Francisco lernt er die wunderschöne Mandira (Bollywoods weiblicher Superstar Kajol) kennen, verliebt sich in sie und heiratet sie schließlich – obwohl sie Hindu ist und er Muslim. Als die Ereignisse des 11. Septembers die Vereinigten Staaten erschüttern kommt Mandiras Sohn Sam bei einer rassistisch motivierten Gewalttat ums Leben. Mandira und Rizvan zerstreiten sich und Rizvan beginnt eine Reise durch die USA, mit dem Ziel den Präsidenten zu treffen, um ihm zu sagen, dass er kein Terrorist ist.

Die liebenswerte Art der emotional gestörten Hauptfigur verkörpert Sha Rukh Khan mit bewundernswerter Präzision. Den Blick konstant zu Boden gesenkt mit oft seltsam wirkender Körperhaltung tritt er seinen Mitmenschen gegenüber. Doch hinter seinen schwer zugänglichen Äußerungen, in denen er Unmengen von Sachinformationen zu seltsamen und unzugänglichen Satzkonstrukten verkettet, kommt auch seine große Neugier auf seine Mitmenschen und sein Wunsch, ihnen zu helfen, zum Vorschein. Ins Reich des unglaubwürdigen Kitsches ist dennoch seine Liebesgeschichte mit der bildhübschen Mandira, die in einem Modegeschäft arbeitet, zu verweisen. Denn um bei ihr mehr als Hilfsbereitschaft hervorzurufen hätte er dann doch wohl – wie der Film in Berlin – außer Konkurrenz antreten müssen. Ebenso wenig glaubwürdig inszeniert ist der Tod von Rizvans Stiefson Sam, der von seinen Klassenkameraden verprügelt wird und infolge einer Verkettung von Provokationen umkommt. Auch diese Szene ist als äußerst reißerisch und völlig übertrieben zu bezeichnen. Übrigens im Gegensatz zu einigen anderen Szenen, in denen die Post-9/11-Zeit thematisiert wird.

Unter dem Strich stehen mit der Liebesgeschichte und dem Tod des Sohnes dennoch zwei zentrale Handlungselemente im Mittelpunkt, denen jede Glaubwürdigkeit abgesprochen werden kann. Dadurch werden die ernsten Untertöne der Story, die sich um den Umgang mit Behinderungen und der Diskriminierung von Muslimen in den Vereinigten Staaten dreht, abgeschwächt. Auch bei den Fans des traditionellen Bollywood-Unterhaltungskinos setzt sich diese gewagte Mischung aus genretypisch inszenierten Tanz – und Gesangsszenen, soap-artigen Familiengeschichten und deutlicher Gesellschaftkritik eher zwischen die Stühle. Dennoch gewinnt „My Name is Khan“ dem Bollywoodkino eine neue Facette ab und integriert Elemente, die seinerzeit durch Filme wie „Rain Man“ oder „Forrest Gump“ in Hollywood ankamen in seine Erzähltraditionen. Wer Bollywoodfilme mag und offen für epische Rundumschläge ist, dem könnte auch oder vielleicht gerade der neueste Streich der Mumbaier Traumfabrik zusagen.
Text: mk, 16.02.2010

Shutter Island

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Was ist verrückt, was ist normal? Wer einmal den Eingang einer Nervenheilanstalt überschritten hat, dem ist klar, dass die Grenzen zum einen fließend sind, zum anderen auch Auslegungssache. Aber was, wenn die zuständigen Ärzte selbst nicht über alle Zweifel erhaben sind, oder gar ein abgekartetes Spiel spielen? Dann ist man in der verfahrenen Situation angekommen, aus der heraus US-Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) in den USA der 50er Jahre das Verschwinden einer Patientin aus der berüchtigten Anstalt „Shutter Island“ aufklären muss. Denn die einzigen Leute, welche den betroffenen Spezialtrakt C kontrollieren sind die beiden Oberärzte Cawley und Naehring (Ben Kingsley, Max von Sydow) der Institution, während Teddy sich mit seinem neuen Partner Chuck (Mark Ruffalo) herumschlagen muss.

Aus dieser Ausgangssituation heraus entwickelt Scorsese nach Dennis Lehanes Romanvorlage ein komplexes Verwirrspiel und spielt alle Karten moderner Kriminal- und Psychothriller souverän aus. Dauernd wechselt die Konstellation und weder die Ermittler noch die Ärzte wirken vertrauenswürdig genug, als dass man irgendeiner getroffenen Aussage hundertprozentiges Vertrauen schenken dürfte. Und da alle Charaktere doppelbödige oder rätselhafte Hintergründe haben, wird diese Unsicherheit immer weiter verstärkt: sei es nun der zurückliegende Tod von Teddys Frau, der komplett unbekannte Hintergrund von Chuck, die Verbindungen von Cawley zur US-Regierung und die des deutschen Emigranten Naehring zu Nazi-Experimenten. Dass die seinerzeit laufende psychomedizinische Diskussion zwischen den Anhängern von Lobotomie, Medikation und Gesprächstherapie ein zentrales Thema darstellt sei hier noch verraten. Mehr auf keinen Fall! Außer einer Sache: am Ende werden alle Fäden wieder zusammenführen.

Das zentrale Motiv in Scorseses Filmographie ist die Einsamkeit, wobei „Shutter Island“ einen Sonderfall darstellt. Denn während in den bisherigen Filmen von „Taxi Driver“ und „Raging Bull“ bis hin zu „Aviator“ und „The Departed“ einsame Charaktere in Aktion gezeigt werden, bekommt die Einsamkeit hier eine psychologische Reflexionsebene, durch die sie nicht nur gezeigt – ein zentraler Vorwurf von Scorsese-Kritikern – sondern auch gedeutet wird. Dies mag den Film letztendlich auch in sich abgeschlossener und damit weniger offen interpretierbar als frühere Scorsese-Filme machen. Doch gerade diese unerwartete Wendung unterstützt gerade bei Scorsese-Kennern den Überraschungseffekt, wobei die übergeordnete Frage nach den Wurzeln von Gewalt im Grunde dieselbe bleibt.

Stilistisch beschwört „Shutter Island“ klar zweier Genres der abgebildeten Zeit: des Film Noir der vierziger und der Mystery-Horrorfilme der fünfziger Jahre. Aus letzteren, wie Wises „Das Haus auf dem Geisterhügel“ nimmt Scorsese die Grundlagen für die Inszenierung des rätselhaften Traktes C, in den die Verschwundene zuletzt verlegt worden war und in dem Daniels den Mörder seiner Frau zu finden hofft. Vom bewährten Produktionsdesign von Dante Ferretti und der Kamera von Hollywoods neuem Star-Auge Robert Richardson unterstützt schafft er eine beklemmende Gruselatmosphäre, wodurch die Nervenheil-Festung „Shutter Island als verfluchtes Spukschloss ohne Widerkehrmöglichkeit erscheint. Die Noir-Stimmung wird vor allem durch das Spiel DiCaprios erzeugt, dessen Figur nicht nur der unbedingte Drang zur Wahrheitsfindung, sondern auch von tiefem Zynismus gegenüber dem Leben und von tiefsitzenden inneren Traumata angetrieben wird. Was alles in allem dem Film schließlich dazu verhilft, an die Meriten von Werken wie „Fight Club“ oder „Memento“ anzuknüpfen.
Text: mk, 16.02.2010

The Ghostwriter

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Von Blair zu Brosnan, von Harris zu Polanski

Ein junger Sportler-Biograph (Ewan McGregor) bekommt einen brisanten neuen Auftrag: er soll als Ghostwriter die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) fertigstellen. Der Vorgänger des selbstverständlich anonym bleibenden „Ghosts“, Mike McAra, war zuvor unter mysteriösen Umständen umgekommen. Der neue Mann begibt sich sofort auf das Insel- Anwesen der Familie Lang und kommt allmählich einer Verschwörung mit weltumspannender Tragweite auf die Spur: war Lang aktiv an der Auslieferung britischer Staatsbürger in amerikanische Foltergefängnisse beteiligt?

Die Brisanz dieses Films ist doppelter Natur: einerseits wird hier die britisch-amerikanische Politik angeprangert, andererseits meldet sich Roman Polanski damit nach seiner Verhaftung vor einem Jahr mit einem neuen Film zurück. Über den er wohlgemerkt auch bis zur Finalversion die komplette künstlerische Kontrolle gehabt haben soll: Anweisungen zur Postproduktion schickte er seinem Team per Post aus dem Gefängnis und über die Arbeit zuvor sagte Hauptdarsteller McGregor, die Hälfte seiner Rolle habe er gespielt, die andere Hälfte Polanski.

Der Macher von Klassikern wie „Rosemarys Baby“ und „Tanz der Vampire“ und Ärgernissen wie „Piraten“ und mittelmäßigen Werken wie „Frantic“ oder „Die neun Pforten“ ist also wieder da und nutzt die wohlwollend kritisierte Vorlage von Robert Harris für eine stimmige und – gerade im ersten Drittel – auch beißend ironische Inszenierung. Reichlich Lacher gab es für das Innenleben des vom Ex-Premier bewohnten Anwesens, wenn etwa der wackere Schreiber versucht, den Code der Digitalversion seiner Buchvorlage zu knacken und prompt ein sündhaft teures Alarmsystem ausgelöst wird.

Dieser humoristische Schwung nimmt gezwungenermaßen ab, nachdem sich die Handlung von der Schreibtätigkeit eines „guten Geistes“ zu kritischen Nachfragen ein „investigativen Dämons“ (beides aus Sicht des als etwas tumb porträtierten Elder Statesman Lang) verlagert hat. Das ist einerseits logisch und unerlässlich, deckt aber andererseits Schwächen in der Dramaturgie auf, da die zuvor kreierte Atmosphäre weder aufrecht erhalten wird, noch komplett kippt. Zu schnell wird die Verstrickung Langs in Kriegsverbrechen offensichtlich, als dass der Zuschauer die Entwicklung der Hauptfigur mit vollziehen könnte, er ist der etwas unbedarften Hauptfigur tendenziell meist eher ein Stückchen voraus. Das verhindert echte Aha-Effekte in der letztendlich grobkörnig bis plump konstruierten Verschwörungsgeschichte. Gegen Ende gewinnt die Handlung dann aber doch noch an Schwung und führt zu einem bitterbösen Ende, das Polanski genüsslich und zugleich mitleidend in bester „Tanz der Vampire“-Manier ins Bild setzt. Und damit seinen Film eben doch vor größerer Belanglosigkeit rettet.

Das diese überhaupt aufkommt hat vor allem damit zu tun, dass der Film als Politthriller den bekannten Fakten über britisch-amerikanische Verstrickungen und Verschleppung von Verdächtigen nicht viel Neues abgewinnen kann. Interessant ist allerdings die Besetzung des Films angesichts der Tatsache, dass die Figur des Adam Lang stark an den früher mit Autor Robert Harris befreundeten Tony Blair angelehnt ist. Nun sieht im Film Langs Gegenspieler und ehemaliger Außenminister dem realen Vorbild Robin Cook zum Verwechseln ähnlich, ebenso wie Olivia Williams als Langs manipulative Gattin Ruth durchaus auch als Cherie Blair durchgegangen wäre. Die Tatsache, dass gerade der Premier selbst von Pierce Brosnan, den von Tony Blair optisch Welten trennen, gespielt wird mutet dann doch etwas seltsam an. Schließlich gäbe es da beispielsweise mal einen Michael Sheen, der Blair schon einmal in „Die Queen“ gespielt hat. Darüber, ob diese Besetzung künstlerische, organisatorische oder andere Gründe hat, kann allerdings nur spekuliert werden.
Text: mk, 16.02.2010

Howl

Berlin, 11.02 – 21.02.2010

Dichtkunst als Graphic Novel, Poesie als Film: „Howl“ von Rob Epstein

„I saw the best men of my generation destroyed by madness, starving hysterically naked.“ Mit diesen Worten beginnt ein Gedicht von Allen Ginsberg, das so mancher amerikanische Schüler aus der Highschool kennt, ohne jemals recht schlau daraus geworden zu sein. So ging es unter anderem auch dem Regisseur Rob Epstein. Doch nun haben Epstein und sein Co-Regisseur Jeffrey Friedman, die sich als Dokumentarfilmer und Chronisten der amerikanischen Schwulenszene einen Namen gemacht haben, in ihrem ersten Spielfilm an die Interpretation eben dieses Gedichts gemacht: „Howl“.

Oberflächlich gesehen könnte man diesen Film als den nächsten Beitrag zum etwas ausgelutschten Genre der Künstlerbiographie mißverstehen, diesmal geht es dann eben um die Legende der in den 50er Jahre bekannt gewordene Beatlegende Allen Ginsberg. Unter dieser Oberfläche brodelt allerdings der ehrgeizige Versuch, die Faszination der Dichtkunst in Trickfilm-Bilder zu fassen. Und – als ob das nicht genug wäre, stellen die Regisseure dann auch noch die seinerzeit als übersexualisiert und vulgär empfundene Poetik Ginsbergs vor Gericht – indem sie die Handlung um einen von konservativen Kräften herbeigeführten Prozess gegen Ginsbergs Verleger kreisen lassen

Die Gerichtsverhandlung fällt dabei etwas zu einseitig aus, um spannend zu sein. Denn obwohl die vom brillanten Charaktermimen David Strathairn übernommene Anklage mehrere Universitätsprofessoren als Zeugen gegen Ginsbergs Kunst auffährt, wirkt nicht nur deren Argumentation alles andere als hieb- und stichfest , auch die Schauspielerleistungen von Mary-Louise Parker und Jeff Daniels zielen hier etwas zu stark auf die Denuntiation ihrer Charaktere ab. Und wenn der ebenfalls sehr selbstironisch spielende Strathairn irgendwann einwendet, man wisse nicht, ob Ginsberg die im Gedicht sprechende Figur persönlich gekannt habe, sind die schon zuvor für veritable Lacher sorgenden Ginsberg-Gegner vollends ad absurdum geführt.

Hauptthema des Films ist nicht die Frage nach dem Sinn von Ginsbergs Kunst, sondern die nach der Wahrnehmung von Dichtkunst und hier gehen Epstein /Friedman mit den Trickfilmszenen, welche die aus dem Off vorgelesenen Ginsberg-Gedichte begleiten, einen gewagten Weg. Optisch sind sie einem von Ginsberg und dem Illustrator Eric Drooker herausgegebenen Band nachempfunden, zugleich erinnern sie auch stark an den israelischen Hit „Waltz with Bashir“ Im Stile eines Graphic Novel mit deutlichen Gothic-Elementen schweben hier einsame Seelen schwerelos durch eine bedrohliche Welt. Es ist eine hypnotische Mischung zwischen den verkrüppelt wirkenden Menschen und der Schwerelosigkeit ihrer Fortbewegung, die die Verbindung zwischen Ginsbergs Versen und ihrer tricktechnischen Umsetzung bildet. An der kritischen Frage, ob eine Übersetzung von Poetik in Bilder möglich ist, – im Prozess wird zudem nach ihrer Umsetzbarkeit in Prosa gefragt – kommt man in diesem Zusammenhang zwar kaum vorbei, jedoch überzeugt die Interpretation der Poetik durch die Trickszenen durchaus und zeigt dem noch nicht so verbreiteten Genre der Poesie-Filme eine interessante neue Möglichkeit auf.

Die dritte und „klassischste“ Ebene der Handlung bildet Ginsbergs Lebensgeschichte, in der James Franco brillieren darf. Nicht nur vom Aussehen her sondern auch in der Mimik und Gestik und der Imitation kleinerer Ticks empfindet er das Auftreten des schrägen Intellektuellen präzise nach. Inhaltlich geht es vor allem um Ginsbergs Hinwendung zur Homosexualität und seine Freundschaft zur anderen Legende der Beat-Poesie, Jack Kerouac. Aufgrund der beiden übrigen Ebenen bleibt für diese Lebensgeschichte vergleichsweise wenig Platz, andererseits verzichtet sie auch auf die im Zuge der Biopic-Flut der letzten Jahre zur leidigen Mode gewordene Abspulung von Lebensabschnitten. Das Ginsberg homosexuell ist, spielt dabei eine Rolle, wird allerdings nicht zum zentralen Thema des Films hochstilisiert, sondern eher beiläufig abgehandelt.

Man könnte Howl aufgrund dieser Dreiteilung als unentschieden oder überladen kritisieren, ebenso wie die Trickfilm-Untermalung des Gedichtes sich noch mit einiger Kritik wird auseinandersetzen müssen. Dennoch bleibt nach dem Kinobesuch der Eindruck, eine besondere Verarbeitung von Literatur gesehen zu haben. „Howl“ verarbeitet Ginsbergs Poetik intelligent, virtuos und unterhaltsam zu einer Mischung aus Verarbeitung eigener Erlebnisse, Diskurs und Ausdruck unkontrollierbarer Gefühle. Und ist könnte somit für die Gedichtfans unter den Cineasten das werden, was Alessandro Bariccos „Lezione 21“ für die Freunde klassischer Musik unter ihnen ist: ein echter Geheimtipp.

Text: mk, 14.02.2010

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