2001 – Far East

3. Far-East-Filmfestival des asiatischen Kinos

Udine (Italien), 20.04 – 28.04.2001

 

Ein Jackie-Chan-Film auf PRO7, ein Anime auf VOX, die eine oder andere Schrägheit in Deinem Off-Kino um die Ecke und nochmal Kurosawa bei den Kommunalen: Wer das asiatische Kino liebt und sich auf deutsche Sendeanstalten, Verleiher und Kinomacher verlässt, hat immerhin mehr Auswahl als noch vor wenigen Jahren. Trotzdem kann es einem die Tränen in die Augen treiben, wenn man erst mal weiß, welch unglaublicher Ideenreichtum uns vorenthalten bleibt, weil die landläufigen Anbieter erst mal das bringen, was hinlänglich akzeptiert ist, in der Regel leider nur ein Minderheitenpublikum anspricht. Etwas Hongkong, etwas Japan, das war’s dann auch. Aber Singapur, die Volksrepublik China oder Thailand? Selbst Kenner sind da oft erst mal ratlos. Im Jahr 2001 machte sich die BERLINALE um das vietnamesische Kino verdient, und das FANTASY FILM FEST setzte einen kleinen Südkorea-Schwerpunkt. Das wahre Paradies aber liegt in Udine.

Wer aus dem Vollen schöpfen möchte und Lust auf Entdeckungen sonder Zahl hat, dem bleibt nur das FAR EAST FILM Festival in der Nähe von Venedig. Selbst die größten Stars haben es schon besucht, z.B. Stephen Chiau, Lau Ching-wan, Simon Yam; Regisseur und Produzent Johnnie To ist fast regelmäßig dabei. Wenn ein Festival derart viele Kreative anlockt, dürfte klar sein, dass es in Europa nichts besseres gibt. Man setzt sich einfach frühmorgens ins neue Opernhaus, bleibt mit kleinen Unterbrechungen bis nach Mitternacht sitzen — und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Übliche Unterhaltungsware und Trash nimmt man halt so mit. Am Ende aber ist man stets so reich belohnt, dass Udine zum Fixpunkt bei der jährlichen Urlaubsplanung wird. (Nächster Termin: 19.-27. April 2002.)

JAPAN

Fangen wir mit etwas Leichtem an: Japan. Nach wie vor das Land, das mich persönlich am meisten befremdet. Aber eben das Land, das vom Westen schon vor einem halben Jahrhundert als Lieferant großer Filmkunst entdeckt und quasi heilig gesprochen wurde. Nun, diese Zeiten sind vorbei. Heroische Samurai, bittere Sozialdramen: Fehlanzeige. Selbst Godzilla geht es wieder schlecht. Dafür arbeiten sich junge Wilde an den starren Traditionen ab oder basteln sich poppige Drolligkeiten aus der riesigen Mainstream-Maschine zusammen.

Der Zwang des rigiden Bildungssystems und das Problem, seine Individualität auszuleben, sind Themen des Fantasykrimis PERSONA (J 2000; Regie: Takashi Komatsu; Darsteller: Tatsuya Fujiwara): Ein Junge kommt maskiert zur Schule, und immer mehr folgen seinem Beispiel. Eine Maske zu tragen heißt, das alte Selbst abzustreifen, keine Angst mehr zu haben, frei zu sein. Doch dann gibt es einen ersten Todesfall… SPACE TRAVELERS (J 2000; R: Katsuyuki Motohiro; D: Takeshi Kaneshiro) geht die Sache anders an. In dieser Krimifarce schlüpfen drei Bankräuber und sechs Geiseln in Rollen, die durch eine TV-Anime-Serie vorgegeben sind… Gesichtslose Allerweltsmenschen entdecken spielerisch, was in ihnen steckt. Könnte man sagen. Andererseits ist es doch nur pubertärer Kram: harmlos, unentschieden, underwritten, abgeguckt und mit ca. sechs verschiedenen Enden versehen. Eigentlich genau das richtige, um hier zu Lande von hippen Jungschreibern hochgejubelt zu werden, wie es schon beim etwas überschätzen MONDAY (J 2000; R: Sabu) der Fall war. Die Schwarze Komödie um einen jungen Mann, der im Hotelzimmer erwacht und sich mühsam erinnern muss, was letzte Nacht geschah, lief inzwischen auch in unseren Kinos und sammelte immerhin Punkte für seinen schrägen, lakonischen Humor.

Bei uns wahrscheinlich nie zu sehen: EKIDEN // LONG-DISTANCE RELAY RACE (J 2000; R: Masaki Hamamoto), ein mild-komisches Läuferdrama. Werftarbeiter Sosuke sammelt die Entnervten seiner Firma, um den geschlossenen Betriebssport-Club wieder zu öffnen. Seine heterogene Staffellauf-Mannschaft (darunter drei iranische Brüder!) trainiert für ein großes Rennen; einer der Dilettanten schafft es am Ende gar ins Lager der Marathon-Profis… Die Einfalt, mit der hier der maroden japanischen Wirtschaft wieder auf die Beine geholfen werden soll, hat etwas Rührendes: Teamgeist und „Pepp“ von unten contra Erstarrung und Ausverkaufsideen da oben. Ein humanistisches Märchen voller Klischees.

Auf japanisch eigene Weise höchst interessant waren die Actionklopper: Selbst die anderswo ultradynamischen Genres Thriller und Horror werden hier in die denkbar strengste Form gegossen. Zersplittert Hollywood eine Explosion in dutzende von Einstellungen, so verharren TOHO und Co. beim Einen Bild des Einen Feuerballs. (Nach dem Schock von Hiroshima und Nagasaki ist das wohl nur allzu verständlich; das Atombomben-Trauma dauert an.) Zum Beispiel in WHITEOUT (J 2000; R: Setsuo Wakamatsu), einer „Stirb langsam“-Variante mit 007-Klängen und „Cliffhanger“-Wiedergutmachungskiste: Terroristen haben den Okutowa-Staudamm eingenommen, „eine Festung, bewacht von Schnee“. Der Aum-Sekten-ähnliche Führer verlangt 5 Billionen Yen innerhalb von 24 Stunden, sonst wird gesprengt. Alle Geiseln würden sterben und 200.000 Familien drunten im Tal in den Fluten versinken. Ein Bergwächter nimmt den einsamen Kampf auf… Der typisch japanische Schnauz-, Brüll- und Bell-Film ist schroff, ungemütlich und voll logischer Löcher, beginnt dezidiert anti-heroisch und entwickelt sich zur pathetischen Lachnummer: Den Zünder stoppt unser Bruce Willis ganze 46 Zehntelsekunden vor der Detonation! — Zweites Beispiel: Der ultra-cleane Fantasy-Horrorkrimi CROSSFIRE // PYROKINESIS (J 2000; R: Shusuke Kaneko) wandelt, ganz tricky, auf den Spuren von „Carrie: Ein Büro-Hascherl, das Leute entflammen kann, hilft einem in sie verliebten Kollegen, dessen kleine Schwester entführt und ermordet wurde. Sie richtet die jugendlichen Übeltäter… Korruption und Demoralisierung der Gesellschaft werden in Gestalt des Chief Inspectors kritisiert: Der desillusionierte Beamte sieht in Menschen nur noch Ungeziefer und schickt Halbwüchsige aus, um Snuff-Movies zu drehen…

HONGKONG

Was ist nur aus Hongkong geworden! Dass die ehemalige britische Kronkolonie inzwischen zu China gehört, kann nicht die ganze Misere erklären, denn von bewusster Zensur hört man wenig. Die Video- und DVD-Piraterie hat der Filmindustrie schweren Schaden zugefügt; man konsolidiert sich mit netten, kleinen Komödien, die billig sind (das teure Cinemascope ist fast ausgestorben) und trotzdem Geld machen. Ganz charmant, but instantly forgettable. Das Liebesmelodram HEALING HEARTS (HK 2000; R+Buch: Gary Tang; D: Tony Leung Chiu-wai, Michelle Reis) ist da schon im Titel ganz programmatisch. Ermüdendes Geplänkel um einen Chirurgen, der eine Gehirntumor-Kranke liebt… Oder NEEDING YOU (HK 2000; R: Johnnie To + Wai Ka-Fai; D: Andy Lau, Sammi Cheng), die leicht märchenhafte Liebeskomödie um einen Geschäftsmann und seine Sekretärin. Beide sind noch etwas durch ihre vormaligen Beziehungen geschädigt, verstehen sich aber besser, als sie ahnen. Als die Dame kurz davor ist, einen Millionär zu heiraten (und zwar in Miami, siehe nächster Absatz!), muß der Herr entscheiden, was er will… Schon ganz schön, aber kein großer Wurf, auch wenn der große, bei uns für die falschen Filme gelobte Johnnie To dafür verantwortlich zeichnet. — Mehr Spaß gemacht hat TWELVE NIGHTS (Shap yee yeh; HK 2000; R+B: Aubrey Lam = Oi Wah Lam; D: Cecilia Cheung, Eason Chan, Stephen Fung), ein witziges Twentysomethings-Beziehungsdrama.

Auffallend war, wie viele Hongkong-Filme die Ferne suchen: Die als 007-Miniatur mit Mountain Boards, BMX-Rädern und Schnellbooten ausstaffierte Agentenkomödie TOKYO RAIDERS (HK 2000; R+Kamera: Jingle Ma; D: Tony Leung Chiu-Wai, Ekin Chen) spielt in Las Vegas, Hongkong und, natürlich, Tokio: Drei Leute, die nicht die sind, für die sie sich ausgeben, suchen einen verschwundenen Bräutigam… MAROONED (HK 2000; R: Lo Kim-wah; D: Andy Hui) heißt ein Polizei- und Gangsterkrimi in Macao. Ein semi-edles, simples Kloppedrama mit feministischem Anspruch: Die Frau eines Cops beteiligt sich handfest an desen Rettung, als er einem Gangster 3 Millionen schuldet… Die gut aufgelegte, später käsige Twen-Romanze SUMMER HOLIDAY (HK 2000; R+Co-K: Jingle Ma; D: Richie Ren, Sammi Cheng) sowie das lazy Gangsterdramödchen OKINAWA RENDEZ-VOUS (HK 2000; R+B: Gordon Chan; D: Leslie Cheung, Tony Leung Kar-Fai) lassen die Seele an blauesten Meeren baumeln. Macht ersterer den Kleinmädchen-Wunschtraum wahr, dass der nette Strandboy tatsächlich ein berühmter Architekt aus New York ist, so findet auch zweiterer alles nur niedlich: Gauner, Möchtegern-Polizisten und Normalos gehen aufeinander los. Aber niemand stirbt, und keiner wird verhaftet. — Einen haben wir noch, und der kümmert uns gleich mehrfach: SAUSALITO (HK 2000; R+K: Andrew Lau; D: Leon Lai, Maggie Cheung). Die in San Francisco angesiedelte, putzige Liebeskomödie kombiniert einen im Loft residierenden Programmierer mit einer allein erziehenden Mutter, die Taxi fährt. Beide finden erst ganz allmählich zusammen. Nichts Neues unter kalifornischer Sonne also, nur dass uns der Exil-Chinese zuerst als Womanizer vorgestellt wird, der es am liebsten mit weißen amerikanischen Frauen treibt (!) und obendrein Ziehsohn eines schwulen Paares im Castro-Viertel ist (!!). Wenn dann noch Komiker-Altstar Richard Ng einen Homo mimt: Holla! (Und was sagt überhaupt Peking dazu?)

Die Teenisierung „erwachsener“ Genres schreitet voran; Wohngemeinschaften sind schwer angesagt: Man richtet sich hübsch ein — nunmehr in China, sollte man ergänzen; „We are all chinese!“ hörte man dieses Jahr des öfteren in Hongkong-Filmen. In SKYLINE CRUISERS (HK 2000; R: Wilson Yip; D: Leon Lai, Jordan Chan, Shu Qi), einer Thrillerkomödie à la „Mission: Impossible“ mit „Vertical Limit“-Hangelpartien, gründen zwei Typen und eine Frau einer Gauner-WG und klauen ein geklautes Krebsmittel zurück… Eine gut geölte Effekt-Maschine mit modischen Brillen, Überwachungs-Marienkäfer, Hi-Tech-Microroller, einem Affen und sonstigem Schnickschnack. Viel Action, die leider verpufft: im Fluss gehemmt, witzlos, öde, derivativ. Aber was soll’s, die Kids werden es lieben.

Ebenfalls recht jugendlich, dann doch das erste Meisterwerk des Festivals: BORN TO BE KING (HK 2000; R+K: Andrew Lau; D: Ekin Chen, Jordan Chan, Peter Ho, Shu Qi, Gigi Lai, Sonny Chiba, Sandra Ng) ist ein episches Gangsterdrama mit HipHop-Flair und Shakespeare-Anmutung: Taiwanesische und japanische Syndikatsgangster proben die vorsichtige Annäherung. Zum Zeichen des guten Willens wird Chicken (JC) in Tokio mit der Tochter des Yakuza-Bosses vermählt. Er selbst — ein verrückter Typ, der lieber tanzen und „küssen“ geht — lässt die Zeremonie belustigt über sich ergehen. Doch Ehe und „Beruf“ lassen ihn wachsen. Mit Lui (PH), einem Yuppie, der in den USA studiert hat, wird er zum Kampf um die Führerschaft herausgefordert: Lui, taiwanesisch von Geburt, stellt Chicken, der zur Hälfte HK-chinesisch ist, als möglichen Drahtzieher hin, nachdem ein Attentat auf ihn verübt wurde… Für die unübliche Melange aus großen Gangsterfehden und den kleinen Dingen des Alltags könnte „GoodFellas“ ein bisschen „Pate“ gestanden haben. Gelungene Charakterzeichnungen (Shu Qi als Mode-Tusse mit Soap-Verstand!), hübsche Spielereien in der filmischen Gestaltung und überraschende Gewaltausbrüche sichern ungeteilte Aufmerksamkeit. Wirklich genial aber ist, dass jede Sequenz ihren eigenen Rhythmus zu haben scheint. Nur die luschtigen Outtakes am Ende sind kontraproduktiv.

Aus dem Bereich des Kostümfilms gab es WU YEN (HK 2001; R: Johnnie To und Wai Ka-fai; D: Anita Mui, Sammi Cheng, Cecilia Cheung, Raymond Wong), eine verwickelte, schwer zu verfolgende Fantasy-Historienkomödie in Studiokulissen, fast ein reiner Sprechfilm, und THE DUEL (HK 2000; R+K: Andrew Lau; Action: Ching Siu-Tung; D: Andy Lau, Ekin Cheng, Nick Cheung), eine Fantasy-Actionkomödie und zum Teil irgendwie drogige Extremparodie von CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON: cartoonistisch-hochgepowert, eine CGI-Orgie voller Energiestrahlen und Kraftfeldwänden. Menschen düsen wie Düsenjets herum, während dem Film die Luft ausgeht. Schade. Wirklich lustig waren nur Nick Cheung mit Little-Richard-Bärtchen und ein 007-kompatibler Hi-Tech-Regenschirm, der zwar 82 verschiedene Funktionen besitzt, aber nicht vor Nässe schützt.

Immer ein Gewinn sind die Filme mit Francis Ng. Ich liebe diesen Mann! Mir ist kein westlicher Schauspieler bekannt, der diese liebenswerte Verrücktheit und verträumte Naivität besitzt wie er (natürlich ist seine schauspielerische Bandbreite noch viel umfangreicher). Zum Beispiel in JULIET IN LOVE (HK 2000; R: Wilson Yip; D: Francis Ng, Sandra Ng, Simon Yam), einem tragikomischen, poetischen Drama mit Fantasy-Einschlag über eine Handvoll in der Welt verlorener Menschen: Nachdem sie mehrfach an einander vorbeigelaufen sind, kommen ein Kleinkrimineller (FN) und eine Brustamputierte (SN) zögerlich zusammen. Ein weiterer Zufall will es, dass beide vorübergehend das Baby eines großen Gangsters (SY) hüten müssen… Schön, dass man nie weiß, was noch kommt. Und das Ende ist tragisch-magisch. — WHAT IS A GOOD TEACHER (HK 2000; R: Francis Ng; D: Francis Ng, Anthony Wong) ist ein putziges Ultra-Low-Budget-Komödchen, das sich nur über die Sympathie für Francis Ng trägt: Der neue Lehrer ist viel zu lieb für den harten Lehrbetrieb. Um die titelgebende Frage zu beantworten, schickt er erst mal seine Schüler vor, damit nun sie selbst den Unterricht gestalten. Am Ende wird er als psychisch Geschädigter enttarnt (oder?).

Richtig gut war dann wieder das witzige Actionkrimi-Buddy-Movie CLEAN MY NAME, MR. CORONER! (HK 2000; R+B: James Yuen; D: Francis Ng, Ti Lung, Nick Cheung, Stephanie Che): Im Kofferraum von Undercover-Polizist NC wurde eine männliche Leiche gefunden, angeblich die von Kollege TL, doch fehlen Kopf und Hände. Als Mordverdächtiger nun auf der Flucht, wird NC angeschossen, lässt sich vom „Coroner“, dem forensischen Pathologen FN, verarzten und nistet sich gleich bei ihm ein. Mit der hübschen Kneipenbedienung SC zum Trio angewachsen, enttarnt man den Polizeichef als Schurken. Fazit: Sehr gut erzählt, starke Figuren, guter Humor. Francis Ng, als kleinlaut-vornehmer Bürokrat mit randloser Brille und im weißen Anzug, ist wieder mal zum Knuddeln. Abzüge gibt es nur für den Charakterentwurf des vom sonst hoch geschätzten Nick Cheung gespielten Cops: Seine unbeherrschte Art ist zwar ein passender Gegensatz, auf Dauer aber übertrieben, nervig und dumm.

Herman Yau (THE UNTOLD STORY), der auch persönlich zugegen war, zeigte einen Film, den man nicht unbedingt von ihm erwartet hätte: kein Category-III-Trash, sondern ein ernstes, dramaturgisch geschliffenes True-Crime-Dokudrama: FROM THE QUEEN TO THE CHIEF EXECUTIVE (HK 2000; R: Herman Yau; D: David Li // David Lee, Ai Jing, Stephen Tang): Als Halbwüchsiger war Ming 1985 an der Ermordung eines britischen Pärchens beteiligt. Seither schmort er im Knast, wurde aber nie rechtskräftig verurteilt: „Detained at Her Majesty’s Pleasure“ heißt die Formel, nach der die Klärung von insgesamt 23 Fällen in eine ungewisse Zukunft vertagt wurden. 1997, 6 Monate vor der Rückgabe Hongkongs an China, sucht eine junge Frau (die seit Jahren ihre damals aus China gekommene Mutter meidet) den Gefangenen auf (beide hatten am selben Literaturwettbewerb teilgenommen). Sie schaltet einen Anwalt ein, der seinem angespannten Familienleben zum Trotz (die Frau will sich scheiden lassen, der Sohn quängelt) alle Kraft daran setzt, die Fälle erneut vor Gericht zu bringen und so die quälende Ungewissheit der 23 Männer zu beenden… Das ist so packend wie erschütternd. Die reiche Charakterisierung der drei Hauptfiguren auf beiden (!) Zeitebenen ergibt nebenbei ein interessantes Gesellschaftsbild Hongkongs in der letzten Dekade vor dem „Handover“.

THAILAND

Ein kurzer Blick nach Thailand. Hatten uns in den letzten Jahren das gespenstische Liebesdrama NANG NAK oder die rabenschwarze Komödie 6IXTYNIN9 begeistert, so legte jetzt das Filmkunst-Gangsterdrama BANGKOK DANGEROUS (Thailand 2000; R: Oxide & Danny Pang) davon Zeugnis ab, dass auch ein wirtschaftlich armes Land zu Produktionen fähig ist, die es mühelos mit Hollywood aufnehmen können, es sogar toppen. Der intelligent erzählte Beinahe-Stummfilm über endloses Töten und eine unmögliche Liebe hat eine simple Story: Ein taubstummer Killer verliebt sich in eine Apothekerin…, doch nur visuelle Analphabeten wünschen sich ein wenig mehr an Plot, allen anderen gehen die Augen über. In jeder technischen Disziplin (Kamera, Farbgebung, Schnitt, Geräusche, Musik) wurde Überragendes geleistet: Sensationell aufwändig, abwechslungsreich und geschliffen, erlebt man lauter Kabinettstücke mit teils noch nie gesehenen Effekten. Für Filme wie diesen wünscht man sich einen DVD-Player, einen Video-Beamer und eine große Leinwand.

PHILIPPINEN

Ganz neu für das Festival waren Filme von den Philippinen. Leider eine Zumutung, was nach Berlinale-Beiträgen wie MACHO DANCER oder BURLESK KING aber auch zu erwarten war. Der einzige Weg, der Armut zu entkommen, scheint stets die Prostitution zu sein. Das gilt für Frauen wie für Männer, junge wie ältere; die Kunden sind Ausländer, aber auch Einheimische. Wie in FETCH A PAIL OF WATER (Philippinen 1999; R: Jeffrey Jeturian), einem Elendspanorama um junge Wasserträger: Jimboy, Sohn einer reichen Frau, schwängert ein armes Mädchen, das frittierte Bananen feilbietet; Noy, der Hübsche, verdient sich beim schwulen Mr. Ocampo was hinzu… Was sich als Sozialkritik geriert, ist in Wahrheit ein schmuddeliger Softsex-Wixfilm: Alle 15-20 Minuten muss gevögelt werden.

VR CHINA

Vielleicht am überraschendsten sind Filme aus der Volksrepublik China. Selbst wenn sie einmal, wie TELL ME YOUR SECRET (VRC 1999; R: Huang Jianxin), nicht besonders unterhaltsam sind, zeigen sie doch ein Land, das sich immer mehr als Großmacht begreift und jetzt all die Probleme kriegt, die für uns im Westen seit Jahrzehnten „normal“ sind. Das Softkrimidrama SECRET ist einerseits eine langsame, ermüdende Abfolge schier endloser Zwiegespräche vor sauberen Tapeten — ohne jede filmische Dramatik oder Raffinesse, andererseits aber als sozialpsychologische Studie interessant, die Lüge und Schuld in einer „ganz normalen“ chinesischen Familie aufdeckt: Ein Mann hat nachts vom Fenster aus gesehen, wie eine Fahrradfahrerin vom Auto angefahren wird. Da seine eigene Frau die Täterin ist, schützt er sie der Polizei gegenüber durch Falschaussage. Auch die Gattin selbst hüllt sich lange in Schweigen. Doch alle Unehrlichkeit lastet zu schwer. Noch dazu, weil das traurige Töchterlein der Verunglückten nicht eher von der Straßenecke weichen will, bis es einen Augenzeugen gefunden hat. Die Wahrheit bricht sich Bahn… Jeder hat hier etwas zu verbergen: einen Seitensprung, ein heimliches Verhältnis, eine lesbische Liebe oder eben das schwere Vergehen der Fahrerflucht. Der drohende Zerfall der Familie kann abgewendet werden, weil am Ende jeder rechte Chinese weiß, was er oder sie seinen Nachbarn schuldig ist. Fromme Filmmoral, wie man ahnt.

Entschieden ehrlicher, zupackender ist da das Sozialdrama SIGH (VRC 2000; R: Feng Xiaogang). Ja, auch chinesische Männer haben einen Schwanz, und selbst kluge Leute „denken“ mit ihm. Zum Beispiel der alternde Drehbuchautor, der sich hier sich in seine blutjunge Assistentin verliebt, eine dumme, egoistische, verantwortungslose Zicke. Seine Ehefrau will die Scheidung. Als sie beim Herrichten einer neuen, eigenen Wohnung bös von der Leiter fällt und Hilfe nötig hat, besinnt er sich wieder auf seine familiären Pflichten… Letztes Bild: Als er im trauten Kreise Urlaub an der See macht, erschrickt er, als das Handy klingelt! (Welches junge Küken ist denn da schon wieder dran, mag man sich fragen.) Trotz schuldbewusster Zerknirschung des Erzählers: ein überraschender Beitrag zur Libido im Reich der Mitte.

Wie weit China in der (schwierigen) Moderne angekommen ist, zeigt auch die dramatische Satire-Komödie DREAM HOUSE (VRC 1999; R: Wang Xiaoshuai). Obendrein spürt man hier ein gewisses Bemühen, die proletarische Vergangenheit abzustreifen: Ein Ingenieur bezieht mit seiner schwangeren Frau ein Eigenheim außerhalb der Stadt (ausgesprochen hübsche Siedlung!). Als er mal allein ist, kommt eine frühere Geliebte vorbei und gleich darauf die angeheiratete dumme Mischpoke vom Dorf. Obwohl gar nichts „passiert“ ist, versteckt der Mann seine Ex ganz schnell in der Abstellkammer, wo sie nun das ganze, immer chaotischer werdende Wochenende eingeschlossen bleibt… Die mit Lustspiel-Tohuwabohu versetzte Dramödie zeigt die heimlichen Begierden eines Wohlstandsbürgers, seine Ängste um das schöne Heim, aber auch seine Abneigung gegen das gemeine, rückständige Volk. Und sowas aus der Volksrepublik!

Poetisch-altmodisch kam CHRYSANTEMUM TEA (VRC 2000; R: Jin Chen) daher, ein verhaltenes romantisches Drama, das man eher in die Sechziger Jahre datieren würde, hätte nicht James Cameron seinen gewissen Einfluss geübt: Ein Paar, das die Ehe nicht vollziehen kann, erzählt die Geschichte seiner Liebe: Er ist der einfache Bahnarbeiter, sie seine neue Lehrerin — zart, mit einem „Loch im Herzen“. Nachdem beide „Titanic“ im Kino gesehen haben und sehr weinen mussten, fahren sie mit einem der Züge mitten in die nächtliche Wüste Gobi. Auf dem Zugdachdach stehend, rufen sie laut: „Happy, happy, I could die“, was seine Zwangsversetzung zur Folge hat. Sie schlägt den gemeinsamen Tod vor, die endliche Vereinigung. — Ganz nett, aber in allen Belangen harmlos-unentschieden war ALL THE WAY (VRC 2001; R: Shi Runjiu; D: Jiang Wu, Karen Mok), ein mild komödiantisches Roadmovie-Krimiabenteuer: Kleingangster Ah Dong ist mit gestohlenen Münzen verschwunden. Vier Duos jagen ihn nun: Seine Ex-Freundin mit dem netten Landstraßenfahrer, 2 Polizisten, 2 Trucker und 2 Gangster… Hat da jemand Tarantino gesehen? Egal, geadelt war die Vorführung schon durch die persönliche Anwesenheit von Karen Mok.

Überaus hart war der Kriminalthriller A LINGERING FACE (VRC 2000; R: Lu Xuechang). Kann man Männer zeigen, die vergewaltigen und sogar zum Morden bereit sind? In China scheint das jetzt möglich: Ein just von der Freundin verlassener junger Mann und eine Ausreißerin fahren auf einem Laster mit. Der Typ schläft ein und wacht in einem Wald wieder auf. Dort wird das Mädchen gerade von beiden Männern sexuell missbraucht. Sich im Gebüsch versteckend, sieht er ganz nah über sich ihr verheultes, zerschundenes Gesicht (siehe Titel). Er selbst kann flüchten. Später berichten die Medien von einem Leichenfund am Tatort. Der junge Mann identifiziert die Leiche, allerdings ist das Gesicht zerschmettert. Kurz darauf meint er, die Tote im Gewühl der Großstadt zu sehen. Er folgt ihr… Als Genrefilm betrachtet ein sehr spannender, gelungener Mix aus „Vertigo“,“Verschwunden“ bzw. „Spurlos verschwunden“ und ähnlichen westlichen Vorbildern. Schade nur, dass der finale Suspense durch das vorher eingeschnittene Happy-end entkräftet wird.

Letzte Überrachung aus China, Abschlussfilm des Festivals: CRASH LANDING (VRC / Shanghai 1999; R: Zhang Jianya), ein fetter Flugzeug-Katastrophenfilm. Als Thriller funktioniert er zwar nicht, dafür ist er dramaturgisch einfach schlampig, aber als Kino einer ganz realen Angst ist er mehr als bemerkenswert: Eine Boeing der „China Bluesky“-Airline kann die Bremsklappen (?) nicht ausfahren und wird notlanden müssen (Schuld haben die amerikanischen Zulieferer!). Oben in der Luft spielen sich die üblichen menschliche Dramen ab, unten sind Armee, Feuerwehr und Ambulanz in höchster Alarmbereitschaft. Der Krisenstab spielt zwei Notfall-Möglichkeiten durch, die mit aufwendigen Modeltrick-Sequenzen illustriert werden: 1.) Landung auf Beton = totale Katastrophe, 2.) Landung auf Grasboden = nicht minder schwere Katastrophe. Bleibt eine dritte Möglichkeit: Einschäumen der Landebahn, was zwar nicht einfach ist (es wird schier endlos gesprüht), aber für ein glimpfliches Ende sorgt. Dazu die besonnene Art der Crew, die sämtliche Verhaltensregeln durchpaukt… Man findet hier viel zu mäkeln: U.a. ist die Filmmusik größtenteils geklaut (sogar beim „Terminator“) und völlig uneinheitlich (das klassische Streichorchester mit Hall ist eine besondere Pest). Aber die Modeltricks haben Hollywood-Niveau, die wenigen Computertricks sind ziemlich gut, die Stewardessen absolut zauberhaft, die Piloten unerhört gutaussehend, der Flugkapitän geradezu anbetungswürdig.

SÜDKOREA

SHIRI, TELL ME SOMETHING oder der begnadete, bei uns noch nicht entdeckte PHANTOM THE SUBMARINE haben gezeigt, dass Südkorea tatsächlich das Hollywood des Ostens geworden ist. Eines der neuesten Meisterwerke heißt JOINT SECURITY AREA (SK 2000; R: Park Chan-Wook; D: Song Kang-Ho, Lee Byung-Heon, Lee Young-Ae). Der brisante Politthriller über die Untersuchung eines Feuergefechts auf der Grenze zwischen Süd- und Nord-Korea, bei dem es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gegeben hat, bietet superbes Storytelling, ist reich an unterschiedlichsten Stimmungen (tragisch, witzig, sehnend) und stimmt in jedem Detail. Besonders gut beobachtet sind z. B. auch die männerbündlerischen Umgangsweisen der süd- und nordkeranischen Soldaten, die hier im Kleinen vollziehen, was ihre Staaten noch immer nicht geschafft haben: sich in Freundschaft zu verbünden, den alten, von der (nordkoreanischen) Politik verordneten Hass zu überwinden. Wer noch das geteilte Deutschland erlebt hat, kann den damit verbundenen Schmerz nachvollziehen.

Das Thema begegnet einem immer wieder, es ist das Hauptthema der gespaltenen Nation. Auch in der Fantasy-Lovestory IL MARE (SK 2000; R: Lee Hyun-seung). Hier geht es um zwei Menschen, die am selben Ort wohnen, allerdings zu verschiedenen Zeiten! 1997/98: Junger Mann zieht in ein tolles Stelzenhaus am Meer. Eine Frau schreibt ihm, er möge ihr doch bitte die Briefe nachschicken. Sie ist tatsächlich die Nachmieterin von 1999/2000! Über den historischen Briefkasten vor der Tür, der als „Zeitmaschine“ funktioniert, korrespondieren beide weiter, verabreden sich, verfehlen sich und begegnen auch dem Tod… Sauber bis geschmäcklerisch gemacht, verfehlt der Film dennoch nicht seine melodramatische Wirkung. — Das Symbol der (Shiri-)Zwillingsfische, die nur in trauter Zweisamkeit existieren können, trägt die Liebestragödie PISCES (SK 2000; R: Kim Hyung-tae) schon im Titel. Dass das Thema einmal in einer Paranoia-Version dargeboten wird, ist an sich okay, nur ist der tatsächliche Film ein kitschiger Schmarrn, lebensfern, ironiefrei, sonnensauber: Ein Sänger und Musiker (sein Idol ist Curt Kobain!) geht in der Videothek einer Frau ein und aus, die unglücklich in ihn verliebt ist, denn er hat eine andere. Sie lässt trotzdem nicht locker, denn sie ist ein weiblicher Stalker…

Wurde beim obigen Weepie das erwartete Thrillerfinale enttäuschenderweise abgebogen, so endet das stille Ehedrama HAPPY END (SK 1999; R: Jung Ji-woo) mit einem Schlag in die Magengrube: Die Frau, die ängstlich um ihre Unabhängigkeit bedacht ist, hat einen Lover und weiß nicht, dass es ihr Gatte längst gemerkt hat. Er, eine arbeitslose Leseratte, kann unbemerkt in die Wohnung des Nebenbuhlers schleichen, stiehlt ein Messer, um die Ungetreue damit zu richten. Nachdem er sie in einem ungeahnten, blutspritzenden Gewaltausbruch zerfetzt hat, weint er sehr um sie, macht ordentlich sauber — und geht wieder zur Tagesordnung über. — Natürlich hat Südkorea auch verblasenen Quatsch zu bieten, wie er überall auf der Welt gedreht wird. In diesem Fall A MASTERPIECE IN MY LIFE (SK 2000; R: Shim Kwang-jin), ein kunstgewerbliches Möchtergern-Romantikdrama: Ein Regisseur, der in den USA studiert hat und sich nun mit Pornos über Wasser halten muss, träumt davon, einen absolut wunderbaren Film zu drehen: einen Zirkusfilm — der segmentweise in die eigentliche Handlung hineinmontiert wird. Da er selbst kein schreiberisches Talent besitzt, engagiert er eine Drehbuchautorin. Zwischen beiden entwickelt sich eine Romanze… Man kann auch hier einen Zusammenhang von Können und Wollen, Erfüllung und Enttäuschung konstruieren. Was hängen bleibt, ist die peinliche Nabelschau: öde, oberflächlich, langweilig, voll käsiger „Poesie“ und in schläfrigem Tempo.

Fast ein Knaller: LIBERA ME (SK 2000; R: Yang Yoon-ho), ein explosives Feuerwehrmänner-Actionmelodram in bester BACKDRAFT- und LIFELINE-Tradition. Wie kaum einem anderen Film zuvor, ist es diesem gelungen, dem Feuer Charakter zu verleihen, es zu einem „Mitspieler“ zu machen. „Das Feuer lebt!“ heißt es einmal ganz richtig. Es wabert, kraucht, „versteckt sich“, kehrt wieder, schießt hervor und explodiert… Der aufwendigen Pyro-Technik in die Quere kommt das äußerst verstörend dargebotene Nebenthema des Kindsmissbrauchs. Die Story: Unterbezahlte Feuerwehr-Einheit bekämpft intelligent ausgetüftelte Brandanschläge von verheerender Wirkung. Der schnuckelige Feuerteufel, von seinen Taten sichtlich erregt, wurde einst vom Vater grausam misshandelt und arbeitet jetzt als Hausmeister in einem Hospital. Als bester Freund der dort psychiatrisch betreuten Kinder, die ebenfalls Missbrauchsopfer sind, rächt er diese mit seinen Attentaten…. Sehr dunkel fotografiert, mit pathetischer Musik unterlegt, gelingen beeindruckende Sequenzen, doch das Gesamtergebnis enttäuscht mit triefigen Kitsch-Momenten und vergurktem „Top of the World“-Finale („Maschinenpistolen“ // „Sprung in den Tod“).

„Was it really all about sex?“ fragt PLUM BLOSSOM (SK 2000; R: Kwak Ji-kyun; D: Kim Rae-won (als Jayo // Ja-hyo), Kim Jung-hyun (als Seuin // Su-in). Das Jungmänner-Sexdrama kann man nur sehen, um es zu glauben: Zwei Freunde teilen die Schulbank, später eine Studentenbude in der großen Stadt und haben beide ein großes Problem mit den Frauen: Sie ficken, was das Zeug hält, aber richtig glücklich sind sie irgendwie nicht. Jayo, der erst von einer Klassenkameradin verführt werden musste, treibt es bunt, nachdem sich die hysterische Ziege umgebracht hatte; später gerät er an eine junge Arzthelferin, die nicht locker lässt. Beider Sexproblem wird allmählich zum Beziehungsproblem. Seuin war unsterblich in seine Lehrerin verliebt, die er eines Nachts sogar bestürmte; obwohl er sich später immer wieder mit einer anderen älteren Dame trifft, wird er die Erinnerung nicht los, außerdem trinkt er immer heftiger… Verwirrte Knaben, fordernde Frauen, exzessive Bettszenen, die vielfach die reinsten Jünglings-Vergewaltigungen sind: Das jugendliche Hetero-Reifedrama lässt sich sehr wohl als schwule Lovestory zweier Jungs lesen. Regie und Kamera (vorzüglich!) sind tatsächlich nur an ihnen beiden interessiert.

SINGAPUR

Zum Abschluss noch ein Schmankerl, ein wunderbar witziger Film aus — Singapur! CHICKEN RICE WAR (Singapur 2000; R: CheeK), eine „Romeo & Julia“-Multimetakomödie, die ein bisschen auf den Baz-Luhrman-Hit schielt, dennoch etwas sehr eigenes daraus gemacht hat: Zwei Familien betreiben direkt nebeneinander zwei Hähnchen-Grillstände und, wie könnt‘ es anders sein, hassen sich. Die zwei fast erwachsenen Kinder beider Sippen spielen in ihrer Freizeit „Romeo & Julia“ auf der Bühne. Natürlich ist das ist „nur ein Stück“, und den Leonardo-DiCaprio-Film kennt man sowieso. So ist der junge Herr zwar in die junge Dame verliebt, sie aber nimmt Ihn erst gar nicht wahr. Das passiert erst später, womit (surprise!) aus der talentlosen Zicke dann auch eine schauspielerische Begabung wird… Ein intelligenter, vorzüglich gespielter, ungeheuer liebenswürdiger Nicht-nur-Teenie-Spaß mit schrägen Figuren und vielen hübschen Details. Saukomisch: der fette, Disco-tanzende Hähnchen-Lieferant Hugo à Go-Go. — Einer jener Filme, für die man nach Udine fährt. Denn wo gibt es sowas sonst?!

Über den Autor:

Peter Clasen ist Redakteur bei der Fernsehprogrammzeitschrift „TV Spielfilm“ in Hamburg.

e-mail-Kontakt: pclasen@tvspielfilm.de

Links:

Text: Peter Clasen, 28.04.2001

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