2013 – Oberhausen

#1 Oberhausen: Opening Ceremony

Gestern um 19 Uhr wurden sie offiziell eröffnet: die 59. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Oberbürgermeister Klaus Wehling führte das Publikum in das diesjährige Thema ein: „Flatness – Kino nach dem Internet“. Im Grunde war Thema, was Festivalleiter Lars Henrik Gass bereits in seinem im letzten Jahr erschienenen Buch „Kunst und Film nach dem Kino“ begonnen hatte zu diskutieren. Wohin mit dem Film, wenn das Kino als Auswertungsort, als soziales Gemeinschaftserlebnis, als Gruppenwahrnehmung, abgeschlossen von der Außenwelt (mal abgesehen von den unermüdlichen Mobiltelefonierern), nicht mehr genutzt wird?

(Einschub: Kurzer vermummter Unterbrechungsversuch durch Mitglieder der Antifa mit dem Aufruf zur Demonstration nächste Woche in Oberhausen und zum Gedenken an den 8. Mai als Tag der Befreiung – also: Alle hingehen!)

Das Internet ist eine der möglichen Auswertungsformen, die in Zukunft noch stärker genutzt werden. Das Festival möchte sich also kritisch mit den zukünftigen Rahmenbedingen seiner Arbeit auseinandersetzen, so Gass. In diesem Jahr wurden dafür 6700 Filme eingereicht, wobei es lediglich etwa 130 davon auf die Leinwand schaffen. Wehling sprach von der Verlässlichkeit hier im Kino, wo es Kurzfilme zu sehen gäbe, die woanders nicht gezeigt werden und endete mit dem Aufruf an die Landesregierung, ihren Auftrag wahrzunehmen und sich für mehr Filmbildung einzusetzen. Auch die Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (was ein Titel…) Ute Schäfer pflichtete ihm in ihrer Rede bei.

Festivalleiter Lars Henrik Gass stellte dann die Frage, die aus der Migration des Films folgt: Wozu noch Filmfestivals? Seine Antwort: Sie besitzen eine radikale Gegenwärtigkeit. Hinter jedem Film stehe außerdem das Bedürfnis nach Öffentlichkeit und sozialer Energie, die vielleicht heute nötiger als sonst sei. Diese Zugänglichmachung leistet das Festival auch nach der offziellen Festivalzeit, wenn Filmemacher ihre Filme zu ihren eigenen Preisen auf der Website der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen präsentieren können. Zum Abschluss machte auch er nch einmal darauf aufmerksam, dass es in Deutschland mehrere 100 Millionen Euro Filmförderung gibt, davon jedoch nichts für Filme ausgegeben wird, die in irgeneiner Art künstlerisch sind, die nicht von Fernsehanstalten weiterverwertet werden – das muss sich ändern!

 

 

 

#2 Oberhausen: International Competition 1

Der erste Teil des Internationalen Wettbewerbs beschäftigte sich mit Orten als Protagonisten im Film. So entstand „Site Selection“ (Mare Šuljak, Croatia 2012) aus Versehen, so die Filmemacherin und handelt von einem Zeichentrick-Fuchs, der durch verschiedene Orte, meist verlassene Ladengeschäfte, streunt. Außergewöhnlich und gelungen. Im polnischen Beitrag „Rogalik“ (Pawel Ziemilski, Poland 2012) wandert die Kamera durch verschiedene Zimmer, immer wieder schauen die gelangweilt wirkenden Protagonisten, Familienmitglieder direkt zum Zuschauer und scheinen dabei, einfach durch uns durch zu sehen. Erst spät wird klar, dass wir uns in der Einöde, irgendwo auf dem polnischen Land befinden, wo sich das Leben ausschließlich in diesen Räumen stattfindet.

Imagined Communities“ (Ishii Haruyuki, Japan 2012) visualisiert rasend schnellen Städtebau und drastischen Anstieg der Population auf eindrückliche minimalistisch und animiert Art. Der Kurzfilm ist – im positiven Sinne – unerträglich, der Mix aus Musik und Bildern bringt einen zum Schreien.

GHL“ (Lotte Schreiber, Austria 2012) steht für das Gänsehäufel, ein Stadtbad in Wien. Ein Mann scheint etwas verloren auf dem Gelände außerhalb der Saison und telefoniert mit einer Frau. Ein Versuch, tiefsinnig einen Kommentar zur Wirtschaftskrise zu liefern.

Montaňa en Sombra“ (Lois Patiňo, Spain 2012) zeigt Skifahrer auf einem Gletscher in großartigen und eindrucksvollen s/w-Bildern. „Arbor“ (Janie Geiser, USA 2012) hingegen ist ein filmisches Spiel über Photographie mittels Irisblenden und animierten Schattenspiele à la Lotte Reininger.

#3 Oberhausen: 15. MuVi-Preis

Pressemitteilung:

Die Preisverleihung fand gestern abend im Lichtburg Filmpalast, Oberhausen, statt.

Die Jury:
Isabelle Gaudefroy, Kuratorin und Produzentin, Frankreich
Christian Höller, Autor, Österreich
Michel Klöfkorn, Filmemacher, Deutschland

Präambel:
Die diesjährige Auswahl zeigt einmal mehr, welch konzeptueller Aufwand für die visuelle Umsetzung eines Musikstücks nötig ist, und welch vielfältige Stilmittel mittlerweile in sie einfließen. Das Spektrum der gezeigten Arbeiten hat der Jury eindrücklich vor Augen geführt, dass sich im Clip-Bereich inzwischen ein solides Niveau etabliert hat, auf dem sich nur schwer eine Arbeit gegenüber allen anderen hervorheben lässt. Nichtsdestotrotz war es uns ein Anliegen, Arbeiten zu honorieren, welche die abgesicherten Wege verlassen und bereit sind, ein ästhetisches Wagnis einzugehen. Nach langer Beratung haben wir uns entschlossen, nicht ein einzelnes, sondern drei der gezeigten Werke auszuzeichnen. Wir möchten also nicht einen ersten und einen zweiten Preis vergeben, sondern – gänzlich unhierarchisch – drei diesjährige MuVi-Preise, jeweils dotiert mit 1.000 Euro.

Es war uns wichtig, aus dem vertretenen Spektrum drei Ausblicke aus dem Hier und Jetzt auszuwählen, mit ganz unterschiedlichen Perspektiven, aber einer starken Verankerung in der Gegenwart. Unsere Preise gehen an:

Heike Aumüller für Therapeutikon (The Schwarzenbach), Deutschland 2012
Therapeutikon trifft den Nerv der Zeit insofern, als das Eingeschlossensein in den Verhältnissen – und zwar nicht nur „der Bekloppten“, wie es in dem Stück heißt – darin visuell wie musikalisch auf den Punkt gebracht wird. Beckett und Boy George in der entmöblierten Einfamilienwohnung.

Heinz Emigholz für Moth Race (Kreidler), Deutschland 2012/13
Moth Race von Heinz Emigholz führt uns in die vermeintliche Ferne und zeigt uns in der Uniformität des Transitraums, dass gleich um die Ecke der Moderne das Absurde lauert.

Željko Vidović für Palimpsest (Smog), Deutschland 2012
Palimpsest schließlich begibt sich im positiven Sinn auf Abwege und geht das Risiko ein, sich im Grenzbereich von Tod und Wiederbelebung zu verirren. Turiner Leichentuch und verstörende Animation, das alles zu nur spärlich hörbarer Musik.

Wir gratulieren den Preisträgern sowie allen übrigen FilmemacherInnen und hoffen, dass der Clip auf der Leinwand auch weiterhin so lebendig bleibt.

MuVi Online-Publikumspreis
ermittelt durch Abstimmung im Internet und dotiert mit 500 Euro

Andreas Menn für Left on a Little Farm (Stan Back), Deutschland 2012

#4 Oberhausen: Preisverleihung

Pressemitteilung (Kritiken folgen in Kürze):

Preise des Internationalen Wettbewerbs

 

Preise der Internationalen Jury
Mitglieder der Internationalen Jury:
Steve Holmgren (USA), Victoria Ilyushkina (Russland), Tran Luong (Vietnam), Daniela Pérez (Mexiko)

 

Großer Preis der Stadt Oberhausen
dotiert mit 8.000 Euro

Kirik Beyaz Laleler
Aykan Safoğlu, Türkei/Deutschland 2013, 24 min, DCP, Farbe

Begründung:
Wer kennt keine Frau, die ihre Haare blond gefärbt hat? Oder die nie – nicht einmal in Träumen – einen imaginären Freund hatte?
Aykan, vielleicht gehört die Geschichte deiner Beziehung zu James Baldwin nicht allein in das Reich der Fiktion. Deine Arbeit, eine Hommage an Baldwin, steht vielmehr auf der subtilen und brüchigen Grenze zwischen zwei Welten – der realen und der kreativen – ebenso wie zwischen den Zeiten/Augenblicken. Indem du Bilder von Baldwin geschickt mit deiner persönlichen Erkundung verknüpfst, stellt Kirik Beyaz Laleler zahlreiche schöne Verbindungen mit den Zuschauern her. Wir freuen uns sehr, dass wir an deinem Porträt eines exilierten Schriftstellers teilhaben können, mit dem du drei Lebensjahre teilst (1984-1987).

 

Hauptpreis
dotiert mit 4.000 Euro

ZiegenortTomasz Popakul
Polen 2013, 19 min, DCP, Farbe

Begründung:
Der Schöpfer dieser Arbeit hat sich entschieden, seinen Film mit dem großzügigen Vorschlag einzuführen, dass wir alle gut zueinander sein sollen. Diese Botschaft wird künstlerisch gestaltet und mit Hilfe einer Reihe animierter Zeichnungen verkündet, die zahlreiche Tiefen und Perspektiven aufweisen. Diese regionale und semi-autobiographische Erzählung bleibt auf die schönste Art und Weise unvergesslich. Tomasz Popakul, Danke, dass du uns ans Meer mitnimmst: durch schwarzweiße Bilder, die komplexe, schwelende Atmosphären schaffen, ohne Schnorchel oder Sauerstofftank.

 

ARTE-Preis für einen europäischen Kurzfilm
dotiert mit 2.500 Euro

Dad’s Stick
John Smith
Großbritannien 2012, 5 min, HDCAM, Farbe

Begründung:
Mr. John Smith, ein Lineal, eine Tasse (und ziemlich viel Farbe). Es ist uns eine Ehre, Mr. Tony Smith vorgestellt zu werden. Ein fein geknüpftes Netz winziger Details bereichert und ermöglicht das tiefe und farbenfrohe Eintauchen in das persönliche Palimpsest von Erinnerungen, das Dad’s Stick so beeindruckend zusammenfasst.

 

Lobende Erwähnungen der Internationalen Jury

RogalikPaweł Zielmilski
Polen 2012, 17 min 30 sec, DCP, Farbe

JournalSirah Foighel Brutmann, Eitan Efrat
Belgien 2013, 16 min, Blu-ray, Farbe

A onda traz, o vento levaGabriel Mascaro, Brasilien/Spanien 2012, 28 min, DCP, Farbe

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Preis der Jury des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
dotiert mit 5.000 Euro

Mitglieder der Jury:
Oliver Baumgarten (Köln), Jana Debus (Köln), Georg Elben (Marl), Maike Mia Höhne (Hamburg/Berlin), Ruth Schiffer (Düsseldorf)

Montaña en sombraLois Patiño
Spanien 2012, 14 min, DCP, Farbe

Begründung:
Wir zeichnen einen Film aus, dessen Narration sich allein aus der Kraft der Bilder entwickelt. Er zeigt uns einen Berg, dem der Mensch tiefe Narben zufügt. Mit herausragendem Handwerk arbeitet die Kamera an der Grenze zu schwarz-weiß den Kontrast zwischen mächtiger Natur und menschlichem Tun als skurrilem Skiballett heraus. Ein Berg in Trauer – „montana en sombra“ von Lois Patiño.

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Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis)

Mitglieder der Jury:
Jennifer Borrmann (Deutschland), Aleksander Huser (Norwegen), Tara Judah (Australien)

Buffalo Death MaskMike Hoolboom
Kanada 2013, 23 min, File, Farbe und s/w

Begründung:
In einem sehr starken Programm haben wir mehrere beeindruckende Arbeiten gesehen, aber es kann nur einen Gewinner geben. Unser Preisträger wirft ein anrührendes und persönliches Licht auf universelle Themen. Mit ernsten Dialogen und traumartigen Bildern beklagt er Krankheit und Tod und wie der Verlust geliebter Menschen auch der Verlust eines Teils des eigenen Selbst ist. Ein beeindruckender und warmherziger Film.

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Preis der Ökumenischen Jury
dotiert mit 1.500 Euro

Mitglieder der Jury:
Daniel Gassmann (Schweiz), Irina Grassmann (Deutschland), Fr. Petr Vacík, SJ, (Tschechische Republik), Eberhard Streier (Essen)

Nation EstateLarissa Sansour
Dänemark/Palästinensische Gebiete 2012, 9 min, DCP, Farbe

Begründung:
Der Film packt in Science Fiction-Form ganz Palästina in ein Hochhaus. Im sterilen Inneren bleibt der sehnsüchtige Blick durchs Glas auf die frühere Heimat. In stilisierter Form und mit genauem Blick für Details inszeniert der Film eine Utopie des ungelösten Konflikts.

 

Lobende Erwähnung

Yellow Fever
Ng’endo Mukii
Großbritannien 2012, 7 min, DigiBeta, Farbe

Begründung:
Helle Haut als Schönheitsideal verführt viele Mädchen und Frauen in Afrika zu schmerzhaften Versuchen, ihr Äußeres zu verändern. Der Film, der auch im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb lief, inszeniert die Befindlichkeit des Ungenügens in einem spannenden Mix von Collage, Animation und Tanz. Er thematisiert geschickt die rassistischen Ursachen des Minderwertigkeitsgefühls und deren Verfestigung durch die heutigen Medien.

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ZONTA-Preis
dotiert mit 1.000 Euro
für eine Filmemacherin aus dem Internationalen oder Deutschen Wettbewerb

Diary #2Adina Pintilie
Rumänien 2013, 16 min, DCP, Farbe

Begründung:
Entstanden als experimentelle Versuchsanordnung zwischen Schauspielerin und Regisseurin, tastet sich der Film in die Erinnerung und Körperlichkeit seiner Protagonistin vor. Blicke, Gesten und Gerüche verbinden sich zu einer Erzählung von großer Schönheit. Die Spannung zwischen Begehren und Erfüllung wird gezeichnet über eine Geschichte des Körpers; eine allmähliche Vergewisserung der sinnlichen Gegenwart setzt ein. Diese Setzung einer dokumentarisch-fiktionalen Improvisation wirkt nach.

 

 

Preise des Deutschen Wettbewerbs

Mitglieder der Jury des Deutschen Wettbewerbs:
Alice Koegel (Stuttgart), David Steinitz (Berlin), Dirk Schaefer (Berlin)

 

Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs
dotiert mit 5.000 Euro

NeununddreißigPatrick Richter
Deutschland 2013, 27 min, DCP, Farbe

Begründung:
Unter all den verschiedenen Genres dieses deutschen Wettbewerbs haben wir uns beim Hauptpreis für einen Film entschieden, der uns mit seiner Herangehensweise besonders berührt hat. Ein Film, der es seinen Zuschauern nicht leicht macht, und ein Film, der es auch seinen Machern nicht leicht gemacht hat. Wie weit kann man gehen, wenn man als Filmemacher das Thema seines Films ausgerechnet im engsten Umfeld findet und wo sind die Grenzen für das Abschalten der Kamera? Ein Heimvideo von schonungsloser Intimität hat der Regisseur dieses Films im Wettbewerb gezeigt. Ein Heimvideo, das die Grenzen des Dokumentarfilms auslotet. Neununddreißig Kilo sind das Traumgewicht des magersüchtigen Mädchens, das der Regisseur in seinem Film aus dem engsten Familienkreis heraus porträtiert hat.

 

3sat-Förderpreis
dotiert mit 2.500 Euro, für einen Beitrag, der sich durch eine neue Sichtweise auszeichnet.
Der Preis umfasst darüber hinaus das Angebot, den ausgezeichneten Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren.

Beyond Love and Companionship
Lior Shamriz
Deutschland 2012, 18 min, HDCAM, Farbe

Begründung:
Die Aufgabe einer Jury ist immer das Suchen und beim Suchen sind wir auf einen Film gestoßen, der selbst das Suchen zum Thema hat. Identitätssuche ist ja ohnehin eines der großen Urthemen des Kinos und Schauplatz dieser Suche ist in diesem Fall Berlin, eine Stadt, die viele junge Sinnsuchende anzieht. Hier haben wir es mit einer jungen Frau zu tun, die von außen mit ihrem eigenen Ich konfrontiert wird. Außer ihr selbst scheint sie schon jeder durchschaut zu haben. Aber ist das wirklich sie? Was passiert, wenn man sich plötzlich neu entdeckt, das zeigt der Regisseur dieses Films mit dem Gespür des wahren Komikers, der stets am Abgrund balanciert.

 

Lobende Erwähnung

Continuity
Omer Fast
Deutschland 2012, 41 min, DCP, Farbe

Begründung:
Die Jury des deutschen Wettbewerbs vergibt in Oberhausen klassischerweise zwei Preise: den 3Sat Förderpreis und den Preis für den besten Beitrag des deutschen Wettbewerbs. In diesem Jahr möchten wir neben diesen beiden Preisen gerne noch eine lobende Erwähnung an einen Film aussprechen, der bereits andernorts viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Der Film beschäftigt sich mit einem Thema, mit dem sich in den letzten Jahren viele Filmemacher auseinandergesetzt haben, allerdings greift er dafür auf ein außergewöhnlich breitgefächertes Repertoire zurück: In einem komplexen Mash-Up aus Elementen der Film- und Kunstgeschichte spielt er geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer. Diese finden sich in einem Loop wieder, dem sie nicht entkommen können. Ein perfektes Labyrinth.

 

 

Preise des NRW-Wettbewerbs
Mitglieder der Jury:
Barbara Fischer-Rittmeyer (Dortmund), Natascha Gikas (Frankfurt am Main), Jens Schneiderheinze (Münster)

 

Preis für den besten Beitrag des NRW-Wettbewerbs
dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet von der NRW.Bank

Krokodile ohne Sattel
Britta Wandaogo
Deutschland 2012, 15 min, Blu-ray, Farbe

Begründung:
Erinnerungen folgen keiner Chronologie – der Film von Britta Wandaogo auch nicht. Ihre 12-jährige Tochter Kaddi denkt nach über den Sinn des Lebens und über die Rolle in ihrer deutschen und ihrer afrikanischen Familie. Die Filmemacherin findet dazu in ihrem Familienfilmarchiv Material, das längst vergessene Eigenschaften und Stärken auch für Kaddi wieder sichtbar macht. Der sehr persönliche, fast intime filmische Dialog zwischen den Bildern der Mutter und den Worten der Tochter zeigt, wie Erinnerungen kultiviert werden können und damit das Hier und Jetzt begreifbarer wird.

 

Förderpreis des NRW-Wettbewerbs
dotiert mit 500 Euro, gestiftet von der NRW.Bank

Anfang Juni
Kerstin Neuwirth
Deutschland 2012, 11 min, HDCAM, Farbe

Begründung:
Mit starken, tableauartig angelegt Bildern und großer, atmosphärischer Dichte erschafft Kerstin Neuwirth einen mysteriösen Mikrokosmos. Frauen verschiedener Generationen agieren wortlos in einem weitläufigen Garten. Nur die Naturgeräusche sind zu hören. In welchem Verhältnis stehen die Personen zueinander, welche Rolle spielt der sich entziehende Mann? Ist ein Ausbruch möglich? Bewusst hält die Filmemacherin die Zuschauer auf Distanz und schafft dadurch Raum für eigene Interpretationen, Assoziationen und Erinnerungen.

 

Lobende Erwähnung

Das Tier das lügen kann
David Jansen
Deutschland 2012, 12 min, HDCAM, Farbe

Begründung:
Was ist der Sinn, was der Zusammenhang der meist beängstigenden, animierten Bilder in Das Tier das lügen kann? Die Vertreibung aus dem Paradies wird verhindert und trotzdem kann der Mensch nicht glücklich sein? Fehlt das Wort Gottes? Der Animationsfilm von David Jansen, phasenweise spannend wie ein Krimi, lässt verstört und ratlos zurück. Aber man hört noch lange nach dem Film nicht auf, nach dem Sinn zu suchen, und die befremdlich starken Bilder drängen sich wieder ins Bewusstsein. Das ist eine Qualität.

 

 

Preise des 36. Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs

Preis der Kinderjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet von der Neue Ruhr Zeitung

Mitglieder der Jury:
Pelin Akman (10 Jahre), Ole Bauer (11 Jahre), Lea-Katharina Dyck (10 Jahre), Noah Laas (10 Jahre), Marie Zaksek (10 Jahre)

Yim & Yoyo
Anna van Keimpema
Niederlande 2012, 25 min, DCP, Farbe

Begründung:
Manche Freunde gibt es wirklich, andere Freunde gibt es nur in deiner Fantasie. Dass diese genauso wichtig sind wie die richtigen, sieht man in unserem Gewinnerfilm Yim & Yoyo von Anna van Keimpema. Es ist unglaublich, wie viel Fantasie Yim besitzt und wie er die in seinen Bildern zum Leben erwecken kann. Sogar seine Angst zu sprechen kann mit einem kleinen Fantasietrick überwunden werden. Das finden wir wirklich bewundernswert und an manchen Stellen muss man auch ziemlich lachen.

 

evo-Förderpreis der Kinderjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
dotiert mit 1.000 Euro, gestiftet von der Energieversorgung Oberhausen AG (evo)

I’m Going to Mum’s 
(Ich gehe zu Mama)
Lauren Jackson
Neuseeland 2012, 12 min 30 sek, HDCAM, Farbe

Begründung:
Eltern können auch Freunde sein. Was macht man aber, wenn sie sich nicht mehr verstehen? Jacob geht in einen Kleiderstreik. Dick eingepackt kann er sich fast überhaupt nicht mehr bewegen – dafür bewegen sich seine Eltern wieder aufeinander zu. Dieser Film zeigt auf sehr, sehr lustige Art und Weise, dass es wichtig ist, sich für Sachen einzusetzen, die man liebt. Deswegen ist I’m Going to Mum’s von Lauren Jackson unser nächster Gewinnerfilm.

 

Lobende Erwähnung

Pryg Skok
(Springfrosch)
Leonid Shmelkov
Russland 2012, 5 min, DCP, Farbe

Begründung:
In unserer lobenden Erwähnung geht es um Fantasie und Freundschaft zugleich. Man braucht Fantasie, um sich die Wesen, die in diesem Film über die Leinwand hüpfen, vorzustellen. Sie hüpfen zusammen und streiten auch mal. Aber das Wichtigste: am Ende ist alles wieder gut. Wie lustig dieser Film ist, lässt sich einfach nicht beschreiben, deshalb hoffen wir, dass Pryg-Skok von Leonid Shmelkov noch auf vielen Festivals läuft.

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Preis der Jugendjury des Internationalen Kind er- und Jugendfilmwettbewerbs
dotiert mit 1.000 Euro, unterstützt von der Sir Peter Ustinov Stiftung

Mitglieder der Jury:
Melwin Budde (16 Jahre), Saskia Eichler (16 Jahre), Lukas Früchtenicht (17 Jahre), Ann-Danielle Hartwig (16 Jahre), Luisa Lengowski (17 Jahre)

Yardbird
(Im Käfig)
Michael Spiccia
Australien 2012, 13 min 30 sek, 35 mm, Farbe

Begründung:
Unser Gewinnerfilm ähnelt einem Puzzle – erst nach und nach baut sich im Verlauf dieses Films eine Geschichte auf, die uns allen gänzlich neu und unbekannt war. Wir begleiten ein Mädchen, das sich mit besonderen Fähigkeiten einen Weg aus der Tristesse eines Schrottplatzes hinein in ein neues und hoffentlich lebenswerteres Leben bahnt.
Getragen wird diese außergewöhnliche Geschichte hierbei zum einen von Überraschungsmomenten, die uns beim Schauen zum ständigen Nachdenken und Mitfiebern angeregt haben. Zum anderen aber auch von seiner bemerkenswerten Stimmung, die in der gesamten Machart und Gestaltung des Films aufgegriffen wird. Wir möchten deshalb Yardbird von Michael Spiccia als besten Film des Jugendwettbewerbs auszeichnen.

 

Lobende Erwähnung

Mila
Kristina Wagenbauer
Kanada/Schweiz 2012, 17 min, DCP, Farbe

Begründung:
Unsere lobende Erwähnung möchten wir einem Film aussprechen, der uns von vorneherein mit seinem gelungenen Spannungsbogen gefesselt hat. Die Problematik, mit der sich die junge Hauptdarstellerin dieser Geschichte auseinandersetzen muss, sowie ihre damit einhergehende kontrastreiche Gefühlswelt wurden für uns alle nachvollziehbar in Szene gesetzt.
Die professionelle Machtart des Films mitsamt der gut gewählten Drehorte und der harmonischen Farbgestaltung haben uns nachhaltig beeindruckt und begeistert. Hierbei möchten wir vor allem die großartige musikalische Gestaltung hervorheben – da Musik in diesem Film nicht nur ein Gestaltungsmittel unter vielen ist, sondern als Handlungsträger im Mittelpunkt der Geschichte steht.

 

Prädikat der Ökumenischen Jury für einen Film im Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerb
verbunden mit der Empfehlung an Matthias Film und das Katholische Filmwerk, diesen Film für ihre Filmarbeit anzukaufen

Quand ils dorment
(Wenn sie schlafen)
Maryam Touzani
Marokko 2012, 18 min, Blu-ray, Farbe

Begründung:
Die 8-jährige Sara liebt ihren Großvater. Als er unerwartet stirbt, sucht sie einen Weg, sich trotz religiöser Konventionen von ihm zu verabschieden. Der Film greift ein universelles Thema in einer uns fremden Kultur auf. Er überzeugt durch seine direkte Kamera und unprätentiöse Erzählweise. Ein Film, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen berührt.

 

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Kurzfilmtage mit erfreulicher Bilanz

Am 7. Mai gingen die 59. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen mit der Preisverleihung im Oberhausener Lichtburg Filmpalast zu Ende. Mit etwas über 18.000 abgegebenen Karten konnte das Festival die Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr (17.500) leicht steigern. Nebenbei haben die 59. Kurzfilmtage einen Rekord aufgestellt: 2013 erlebt das Festival, gemessen an den Eintritten, den besten Samstag, seitdem die Kurzfilmtage Besucherzahlen erheben.

Auch das Fachinteresse ist gestiegen, knapp 1.150 akkreditierte Industrievertreter akkreditierten sich bei den 59. Kurzfilmtagen (im Vorjahr knapp 1.100). Die Filmemacher und Fachbesucher kamen aus 54 Ländern auf allen fünf Kontinenten. 128 Regisseure kamen nach Oberhausen, um ihre Filme vorzustellen, darunter Luther Price, Laure Prouvost, Helga Fanderl, Ho Tzu Nyen und zahlreiche Filmemacher aus den Wettbewerben.

Zu den beliebtesten Festivalprogrammen gehörten 2013 der Deutsche und Internationale Wettbewerb und wie immer die Musikvideoprogramme MuVi-Preis und MuVi International.

# 5 Oberhausen: Preise

Unser FIPRESCI-Preis ging an „Buffalo Death Mask“ von Mike Hoolboom.

 

© Mike Hoolboom

© Mike Hoolboom

Motivation: „From a very strong program there were several impressive works, however there can only be one winner. The winning film highlights universal themes in a poignant, personal way. Through earnest dialogue and dreamlike imagery it laments sickness and death and how losing the ones you love is also losing part of yourself. A striking, warm film.“

Jury: Tara Judah, Australia („Senses of Cinema“), Aleksander Huser, Norway („Cinema“), Jennifer Borrmann, Germany („HighNoon“).

 

Alle Gewinner im Überblick gibt’s hier.

 

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