2016 – Nippon Connection

Nippon Connection 2016 – Vorbericht

Nippon Connection Filmfestival in Frankfurt a.M. vom 24.05 – 29.05.2016 – Vorbericht

Bereits zum sechzehnten Mal öffnet das japanische Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt am Main ab dem 24. Mai seine Tore im Künstlerhaus Mousonturm, der zum vierten Mal als Festivalzentrum fungiert. Als mittlerweile weltweit größtes Festival für japanisches Kino ist Nippon Connection heute nicht mehr aus der Filmfestivalszene wegzudenken. Mehr als 100 aktuelle japanische Filme, von Avantgarde bis Blockbuster, sowie ein umfangreiches Kulturprogramm werden in diesen sechs Tagen zu sehen sein.

Das Programm ist klar in Sektionen strukturiert, was die individuelle Zusammenstellung des Programms erleichtert.

Ganz im Zeichen aktueller japanischer Spielfilme, in der Mehrzahl japanische Großproduktionen, steht die Hauptsektion des Festivals NIPPON CINEMA. Hier sind regelmäßig sehr renommierte Filmemacher mit ihren neuesten Werken vertreten und statten dem Festival oft auch persönlich einen Besuch ab oder schicken eine Videobotschaft an das Publikum. Festivalliebling Sion Sono und Kiyoshi Kurosawa sind gleich mit jeweils zwei neuen Werken vertreten. Satoko Yokohama, Eiji Uchida und Isao Yukisada gewähren unterschiedliche Blicke hinter die Kulissen des Filmbetriebs. Außerdem präsentiert Gakuryu Ishii, dem Nippon Connection 2013 die Retrospektive widmete, mit „That’s It“ einen Film, der laut den Festivalveranstaltern an seine frühen Punk-Filme erinnert. Und last but not least schickt sich Altmeister Yoji Yamada an, uns mit seinem Familendrama „Nagasaki: Memories of My Son“ zu Tränen zu rühren. Wie jedes Jahr zeichnet das Publikum am Ende des Festivals seinen Lieblingsfilm mit dem NIPPON CINEMA AWARD aus. Der Preis wird vom Bankhaus Metzler aus Frankfurt gestiftet und ist mit 2.000 € dotiert.

Weiterhin DAS Forum für Nachwuchsregisseure, unabhängige Filmschaffende und Filme, die den Rahmen des Konventionellen sprengen, ist die Sektion NIPPON VISIONS – Spiegel aktueller Trends und Plattform für neue Talente. Einen Themenschwerpunkt setzen die Veranstalter mit „Fukushima: Fünf Jahre danach“. In den ausgewählten Dokumentarfilmen, den Beiträgen des Programms „Landscapes after 3/11“ als auch Spielfilmen wie „My Technicolor Girl“ MY TECHNICOLOR GIRL soll gezeigt werden, dass die Folgen des Tohoku-Bebens vom 11. März 2011 in Japan immer noch sehr präsent sind. Gleich zwei Preise werden in dieser Sektion vergeben: So zeichnet eine Jury den vielversprechendsten Langfilm mit dem NIPPON VISIONS JURY AWARD aus und das Publikum wählt seinen Lieblingsfilm, der anschließend den NIPPON VISIONS AUDIENCE AWARD erhält, der mit 1.000 € dotiert ist.

Thema der Sektion NIPPON ANIMATION ist wie der Name erahnen lässt eines der beliebtesten japanischischen Filmgenres: Der Animationsfilm. Gespannt sein dürfen wir auf den ersten Animationsfilm des Autorenfilmers Shunji Iwai, der eine ungewöhnliche Herangehensweise wählte, indem er „The Case Of Hana & Alice“ mittels Rotoskopieverfahren realisierte.

Die Retrospektive NIPPON RETRO widmet sich dieses Jahr mit dem Thema „Ghosts & Demons – Scary Tales from Japan“ den Geistergeschichten (jap. Kaidan) im japanischen Film. Viele Geistergeschichten, die in der Edo-Zeit (1603-1868) eine große Popularität genossen, inspirierten zahlreiche Filmemacher zu Neuinterpretationen. Was in zahlreichen dieser Filme zum Vorschein kommt, sind meist nicht nur böse Geister, sondern die Abgründe der menschlichen Natur. Freuen dürfen wir uns hier auf Filme renommierter japanischer Regisseure wie Kenji Mizoguchi (Ugetsu monogatari/The Ugetsu Story), Nobuo Nakagawa (Jigoku, Tokaido Yotsuya kaidan/The Ghost Story of Yotsuya) oder Satsuo Yamamoto (Botan doro/The Bride from Hades).

Abgerundet wird das Filmfestival durch ein vielfältiges kulturelles Rahmenprogramm (NIPPON CULTURE und NIPPON KIDS) mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen – (japanisches) Essen und Trinken inclusive.

 

Nippon Connection 2016 – Halbzeit

Anlässlich der Verleihung des diesjährigen Nippon Honor Awards für Kiyoshi Kurosawa meldeten die Veranstalter des mittlerweile weltweit größten Festivals für japanischen Film gleich zu Beginn ausverkauftes Haus. Im Anschluss an die Preisverleihung startete das Festival dann fulminant mit Kurosawas sensiblem Drama „Journey to the Shore“, für das der Filmemacher im letzten Jahr in der Sektion „Un Certain Regard“ in Cannes den Regiepreis erhalten hatte. Gleich am nächsten Festivaltag war dann Hochspannung angesagt, als Kurosawa mit „Creepy“ seinen aktuellen Thriller vorstellte: die Verfilmung eines preisgekrönten Mystery-Roman des japanischen Suspense-Spezialisten Yutaka Maekawa.

Und wer von Kurosawa, einem der momentan stärksten Vertreter des japanischen Kinos für spannende Stoffe, nicht genug kriegen konnte, bekam Donnerstag abend die Gelegenheit Kurosawas legendären Horror-Thriller „Cure“ aus dem Jahre 1997 im Deutschen Filmmuseum als 35mm-Kopie zu schauen.

Und quasi mit dem Halbzeitpfiff nahm am Donnerstagabend die Muku Ramen Lounge ihren Betrieb auf, in der bis zum Festivalende Original japanische Nudesuppe kredenzt wird.

Text: Robert Meßner (Mai 2016)