#2: Fazit des Tages 2 auf der Berlinale 2013: Frauenpower!

9 Feb

Der Zufall des sozusagen selbst kuratierten Festivals will es so, dass ich gestern und heute von Frauen beeindruckt wurde. Das ist das Wunderbare an solchen Festivals, dass man sich als Zuschauer sein eigenes Programm zusammenstellt und sich immer wieder – je nach (Um)Planung – ein neuer und anderer roter Faden entwickelt. Und der hieß bisher: Emanzipation und Stärke der Frauen!

Das mag ziemlich langweilig klingen auf den ersten Blick. Aber vielleicht gerade in Zeiten von Sexismusdebatten freut man sich doch auf den zweiten Blick über diese triumphierende Weiblichkeit!

Stephanie Cumming,Tom Hanslmaier (SHIRLEY), Forum, Jerzy Palacz © KGP

Stephanie Cumming,Tom Hanslmaier (SHIRLEY), Forum, Jerzy Palacz © KGP

 

Nach Gong Er in THE GRANDMASTER, begleitet Gustav Deutsch in SHIRLEY eine fiktive Frauengestalt durch 30 Jahre ihres Lebens. Ab Anfang der 1930er Jahre bis in die 1960er wird jedes neue Kapitel dieser Dame (beste weibliche Darstellung bisher, großartige Stephanie Cumming!) mit einer schwarzen Leinwand und einer Radiomoderation eingeleitet. So ist der Zuschauer sofort auf dem neuesten Stand, was Politik und Kultur angeht. Visuell sind es natürlich die Edward Hopper-Bilder, die meisterhaft nachgestellt und inhaltlich weiterentwickelt werden – Regisseur Gustav Deutsch und seine Partnerin Hanna Schimek, die für das farbliche Konzept verantwortlich ist haben hier ein lebendes Leinwandkunstwerk geschaffen.

María Villar, Romina Paula, Agustina Muñoz (VIOLA), Forum, © Alessio Rigo di Righi

María Villar, Romina Paula, Agustina Muñoz (VIOLA), Forum, © Alessio Rigo di Righi

VIOLA portraitiert im Grunde ein rein weibliches Schauspielerensemble, das sich nicht nur mit Shakespearestücken befassen muss, sondern im realen Leben mit Beziehungen kämpft.

 

Savina Alimani, Yorgos Symeonidis - I KÓRI (Forum),  © Berlinale

Savina Alimani, Yorgos Symeonidis – I KÓRI (Forum), © Berlinale

Eine ganz andere Dame ist DIE TOCHTER: Myrta. Wir befinden uns in Griechenland, die Krise hat Myrtas Familie hart getroffen, die Eltern sind getrennt, die Mutter hat einen neuen Freund, der Vater hat nicht nur von seinem Geschäftspartner, sondern auch von seiner Tochter Reißaus genommen. Kurzerhand kidnappt die Tochter den Sohn des Geschäftspartners und will so erreichen, dass Letzterer Geld zahlt, damit ihr Vater die Möglichkeit für einen festen Halt im Leben bekommt. Anfänglich ist man noch mitleidig und natürlich sind die Kinder hier die Opfer von Krise und dem unsäglichen Rattenschwanz, der da dranhängt. Doch Myrta entwickelt eine sadistische Freude an den kleinen Quälereien, die sie ihrem Opfer zufügt. Am Ende sitzen wir fassungslos im Kino und wissen nichts recht anzufangen mit diesem Mädchen, deren Darstellung (alles improvisiert!) einen erstarren lässt.

 

Besonders beeindruckend war auch I USED TO BE DARKER. Nach PUTTY HILL hat Matt Porterfield darf man auch wieder im neuesten Werk die urbanen Einflüsse Baltimores erkennen. Bereits auf dem Sundance gelaufen, dürfen wir die ersten Filmauftritte von gleich drei Frauen genießen – Deragh Campbell (Taryn), Hannah Gross (Abby) und Kim Taylor (Kim). Alle drei spielen grundverschiedene Menschen, neben denen der einzige männliche Hauptprotagonist Bill (Ned Oldham) sich aber nicht verstecken muss.

Taryn reist schwanger und heimlich ihren Eltern gegenüber aus Irland nach Amerika und besucht ihre Verwandten Kim, Abby und Bill, die aber ihre eigenen Probleme haben: Kim, Musikerin, zieht gerade aus und Abby projiziert all ihren Hass auf die Mutter. Bill, ehemaliger Musiker, verliert sich in einer wütenden Katatonie. Der Film ist ein kleiner Ausschnitt einer ganz normalen Vorort-Familie – alles in den gewöhnlichen Independentfilmmerkmalen: Handkamera, Improvisation, Natürlichkeit ohne Realitätswahn, Mut zur Gewöhnlichkeit. Reingehen!

Deragh Campbell, Kim Taylor - I USED TO BE DARKER (Forum), © Berlinale

Deragh Campbell, Kim Taylor – I USED TO BE DARKER (Forum), © Berlinale

 

Matt Porterfield © Jan Trzaskowski (I USED TO BE DARKER, Forum)

Matt Porterfield © Jan Trzaskowski (I USED TO BE DARKER, Forum)

Weiter so!

 

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