Erster Live-Bericht von der 57. Berlinale

10 Feb

Morgen, am 9.2., läuft erstmals der Film „Jagdhunde“ im öffentlichen Programm der Berlinale. Wir vom aka haben ihn bereits heute sehen dürfen und möchten euch kurz ein paar Infos senden.

Der Film Jagdhunde (2007) von der deutschen Regisseurin Ann-Kristin Reyels ist in sofern bemerkenswert, als daß er mit einem recht einfachen Handlungsverlauf immer wieder für Freudentränen aber auch für schockierend echte Momente sorgt.

Der Rahmen ist die Weihnachtszeit irgendwo auf dem Lande, wo Bauernhöfe, Felder und Wald nicht viel Abwechslung im alltäglichen Leben bieten. Gerademal einen Briefkasten, den „Salon Giesela“ und einen Bouletten-Imbiß hat das Kaff zu bieten. Kein Grund für Hendrik, den Vater von Hauptfigur Lars, sein Leben dort aufzugeben, obwohl die Mutter schon seit einiger Zeit nach Berlin „abgehauen“ ist. Die taubstumme Marie lädt Lars zu einer Weihnachtsfeier ein, da er ihretwegen am Bahnhof beinahe in eine Schlägerei verwickelt worden ist und folglich seinen Zug verpaßt hatte. Kurzerhand erscheint auch Lars‘ Mutter unangekündigt wieder auf der Bildfläche… jetzt kann das Familien- und Beziehungsdrama beginnen.

Auf eine gewisse Weise kann man hier davon sprechen, daß der Trend hin zum Minimalismus (nach der Dogma-Reihe in Dänemark) nun auch im Deutschen Kino voll angekommen ist. Schon der Film „Sehnsucht“, welcher auf der letzten Berlinale 2006 seine Premiere feierte und von der ebenfalls jungen deutschen Regisseurin Valeska Grisebach stammte, zeigte in Dialogen und Bildersprache einen deutlichen Minimalismus, was allerdings der Spannung der Handlung keinen Abbruch tat und sie sogar noch packender machte. So verhielt es sich auch hier bei Jagdhunde – wir sind gespannt auf die weiteren Filmvorstellungen in den Sektionen „Perspektive Deutsches Kino“, „German Cinema“ und natürlich im „Internationalen Forum des jungen Films“.

In letzterer Sektion möchte ich noch kurz „Faces of a fig tree“ (Japan, 2006) ansprechen, der insgesamt auch sehr bemerkenswert wie ungewöhnlich ist. In der Art eines japanischen Comics (Manga) wird hier die Geschichte von einer japanischen Kleinfamilie erzählt, allerdings filmisch umgesetzt mit realen Personen und realen Bildern, die dabei allerdings deutlich übertrieben dargestellt werden. Man darf sich das nicht wie bei Superman oder Batman vorstellen, vielmehr erinnern die oft staksigen und hektischen Bewegungen an die in Comics, genauso wie die Dialoge, die Kamerafahrten, die Perspektiven sowie natürlich das Licht, in das die Personen und Objekte gesetzt werden. Immer wieder wird der Feigenbaum im Garten des Hauses in den Mittelpunkt gestellt, er überdauert die Zeiten, die teilweise in Rückblenden erzählt werden und die sich am Schluß des Filmes in einer Szene sogar vermischen, sodaß der Film durchaus recht verwirrend werden kann.

Mit „Substitute„, welches ein in 8mm-Technik gedrehter Dokumentarfilm bzw. Selbstportrait eines französischen Ersatzspielers der 2006er-WM-Mannschaft ist, wurden meine Erwartungen etwas enttäuscht, denn hier darf man keinerlei Vergleiche mit anderen WM-Dokus wie „Deutschland, ein Sommermärchen“ oder anderen eher lustigen Fußballfilmen anstellen – es handelt sich hier eher um ein Experiment und spiegelt die inhaltliche Leere des Ersatzspielers wieder, der in einem WM-Spiel höchstens für einige Minuten gebraucht wurde und überdies noch ausgebuht wurde, weil er Größen wie Zidane ablösen mußte.

Dieses war der erste Streich…

Beste Grüße aus Berlin.

Text: Philippe Bourdin (10.02.2007)

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