Die Nostalgie des Quentin Tarantino – Kritik zu „Once Upon A Time In Hollywood“

16 Aug

Das Quentin Tarantino ein Regisseur ist, der es gerne brutal und von der Laufzeit her sehr lange mag, wundert heutzutage keinen Filmfan mehr. Dass er aber auch detailverliebt ist, beweist er mit seinem aktuellsten Werk, welches man ein weiteres Mal als Meisterstück von ihm bezeichnen kann: „Once Upon A Time In Hollywood“.

 

Hollywood, 1969. Die Spaghetti-Western von Leone und Cobucci sind gerade im Kommen, doch Rick Dalton hat keine Lust darauf, nach Rom zu reisen und dort diese Filme zu drehen, anstatt dessen will er lieber in kleineren Streifen den Bösewicht spielen und abgemurkst werden. Da hilft auch ein Angebot des Produzenten David Schwartz nicht. Nebenbei versucht sein Stuntdouble Cliff Booth, endlich mal wieder einen Job zu bekommen, denn auf Dauer nervt es ihn, den ehrgeizigen und ab und zu versoffenen Dalton durch die Hollywood Hills zu kutschieren. Und als wäre dies nicht genug, ziehen neben dem abgehalfterten Western-Star noch Star-Regisseur Roman Polanski und seine Frau Sharon Tate ein und die Manson-Familie treibt heimlich, still und leise ihr Unwesen.

Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Al Pacino, Damian Lewis, Dakota Fanning, Emile Hirsch, Kurt Russell, Michael Madsen… allein der Mix aus für Tarantino-Filme bekannter Cast bzw. der Crème de la Crème des Filmbusiness ist ein Grund, sich diesen Film anzusehen! Vor allem zweitgenannter weiß über die Gesamtlaufzeit von 161 Minuten auf ganzer Linie zu überzeugen. Anhand von Brad Pitts Figur lässt sich auch einer der größten Stärken Tarantinos sehr gut erkennen: stark geschriebene Charaktere sowie ein insgesamt für einen Tarantino-Film gewohnt herausragendes Drehbuch. Er weiß es immer wieder, seine Figuren so in Szene zu setzen, sodass sich der Film locker und entspannt runterschauen lässt und man in keinster Weise das Gefühl bekommt, dass man gerade zwei Stunden und 41 Minuten im Kinositz gesessen hat. Eine weitere Stärke des Films ist es zweifellos, dass der Manson-Mord an Sharon Tate explizit nicht gezeigt, sondern die Grausamkeit bzw. das psychische Wrack des Charles Manson, dessen Figur nur ganz kurz zu sehen ist, durch die Manson-Familie dargestellt wird. Hierbei weiß vor allem Austin Butler als Tex auf sich aufmerksam zu machen. Seine am Anfang schüchterne und am Ende sehr furiose Art und Weise, seine Figur zu verkörpern, konnte nachhaltig beeindrucken. Kommt man nun zum Hauptcharakter des Films, welcher von Hollywood-Größe Leonardo DiCaprio verkörpert wird. Hier kam für Tarantino nur DiCaprio mit seiner gewohnt starken Ausdrucksweise in seinem Spiel für Rick Dalton in Frage. Seine Leistung in „Once Upon A Time In Hollywood“ ist wie immer sehr, sehr stark und sollte sich neben der von Pitt in das Gedächtnis der Academy eingebrannt haben, denn so wie DiCaprio seinen Charakter zum Besten gibt, darf er definitiv als Kandidat für die Oscar-Verleihung im nächsten Jahr gehandelt werden. Es ist, so wie es im Film auch zu Dalton gesagt wird, die beste schauspielerische Leistung, die man von DiCaprio je gesehen hat.

Brillieren als furioses und sympathisches Leinwand-Duo: Leonardo DiCaprio und Brad Pitt

 

Starke Dialoge und eine unbeschreibliche Detailverliebtheit

Ein weiteres Merkmal von „Once Upon In Hollywood“ ist, wie bei allen Streifen des Kult-Regisseurs und Best Buddy von Robert Rodriguez, die klugen und starken Dialoge, mit denen Tarantino auch hier nicht gerade spart. Dies zieht sich durch den ganzen Film und macht ihn vielleicht schon jetzt zu einem Kultfilm. Vor allem der Dialog zwischen Cliff Booth und Bruce Lee sowie der in der sehr unterhaltsamen sowie für Tarantino typisch brutalen Schlussszene bleiben am prägnantesten im Gedächtnis. Das, was einen Regisseur wie den 56-jährigen Tarantino aus Knoxville, Tennessee ebenfalls auszeichnet ist seine unbeschreibliche und besonders in diesem Film bahnbrechende Detailverliebtheit, mit der er die späten 1960er Jahre in Hollywood einfängt und eine Legende aus der Traumfabrik nach der anderen auf die Leinwand zaubert. So ist es einfach nur zauberhaft und Nostalgie pur, wenn man zunächst mit den beiden Hauptcharakteren zu den luxuriösen und sehr aufwändig gestalteten Residenzen in den Hollywood-Hills hinausbrausen oder später – und hier hat es der zweifache Oscarpreisträger besonders genau machen wollen – bei Dreharbeiten in den damaligen Filmsets in Los Angeles vorbeischauen darf. Was jedoch darf nach diesen ganzen Aufzählungen beim „King of F*** and N*****“ nicht fehlen? Na klar, unzählige popkulturelle Anspielungen, ein wunderschöner Arthouse-Faktor sowie das berühmte F-Wort in mehrfacher zweistelliger Anzahl, so kann man vor allem bei Rick Dalton sehr häufig diesen Ausdruck über die Lippen zischen hören. Um auf die Popkultur und Arthouse-Faktor in „Once Upon A Time In Hollywood“ zurückzukommen, so erkennt man neben den bereits erwähnten Filmsets und Hollywoodlegenden mehrere Anspielungen auf alte Filmklassiker wie zum Beispiel im Fall von Roman Polanski, dessen Darsteller einen Originalanzug aus „Tanz der Vampire“ aus dem Jahr 1967 trägt, sowie ein Ausschnitt aus „Gesprengte Ketten“, in den statt Steve McQueen ganz einfach Leonardo DiCaprio reingesetzt wurde. Man merkt im Film immer wieder, wie sehr Tarantino noch heute am Hollywood von früher mit all den Klassikern und Filmlegenden hängt und dass er indirekt mit diesem Film auf eben diese aufmerksam machen möchte, da sie der Grundstein waren für die Arbeit, die im heutigen Hollywood geleistet wird und nicht in Vergessenheit geraten sollen. Vielleicht gibt gerade dieser Streifen allen Filmfans – egal ob man Tarantino mag oder nicht – noch eine kleine oder große Hoffnung, dass der „Good Bad Boy“ Hollywoods – wie vor Jahren selbst von ihm angekündigt – nach seinem zehnten eigenen Film doch noch keinen Rückzieher aus dem Filmgeschäft macht und uns allen noch für einen elften oder sogar zwölften Streifen in Hollywood erhalten bleibt. „Once Upon A Time In Hollywood“ hat gezeigt, dass der Meisterregisseur auch in Zeiten von der von Tarantino verhassten digitalen Filmproduktion noch lange nicht ausgesorgt und mit großer Wahrscheinlichkeit die ein oder andere geniale Idee mit dem ein oder anderen großen Namen im Hinterkopf hat.

He‘s Quentin F***ing Tarantino – Don’t You Ever Forget This!

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