# 9: Good Berlinale, bad Berlinale…

13 Feb

Irgendwann musste es ja passieren.. Der Wettbewerb, der jedes Jahr mit Spannung und viel negativer Vorahnung erwartet wird, hat dieses Jahr vielversprechend begonnen. Mit JACK, ’71, TWO MEN IN TOWN, GELIEBTE SCHWESTERN (Dominik Graf) KREUZWEG und die unzensierte Version von NYMPHOMANIAC VOL 1 freute ich mich entspannt auf weitere Filme der Sektion.. So überfiel mich der erste schlechte Film auch etwas unerwartet.

The Monuments Men, © 2013 Twentieth Century Fox

Das Bild des idealen Wettbewerbs fing mit MONUMENTS MEN an zu bröckeln… Nur kurz dazu: es geht um eine Gruppe amerikanischer Soldaten älteren Semesters, die im zweiten Weltkrieg nach Deutschland ziehen, um dort der Kunstzerstörung Einhalt zu gebieten und Kunstwerke an ihre rechtmäßigen Besitzer zu übergeben. Der Film kommt daher wie ein schlechter Abklatsch von Ocean’s Eleven. George Clooney versammelt Stars wie Matt Damon, Bill Murray, John Goodman und Bob Balaban um sich und raus kommt ein langweiliger „Wir Amerikaner gewinnen immer“-Film, bei dem man sich gerade von George Clooney als Regisseur mehr erhofft hätte.

An dieser Stelle plädiere ich für eine Schweigeminute für den kleinen, guten und überzeugenden Film, der keinen Verleih findet, von den Kritikern auf einem Festival aber vielleicht sogar als Perle gehandelt wird… Das Ärgerliche ist, dass Clooneys Produktionen in die Kinos dieser Welt kommen, Millionen einspielen werden, wogegen andere überzeugendere Filme nach dem Festival schnell wieder von der Bildfläche verschwinden…

Damit begann die Pechsträhne und setzte sich fort mit den Filmen AIMER, BOIRE ET CHANTER und PRAIA DO FUTURO, die ich zu meinen bisherigen Verlierer des Wettbewerbs auserkoren habe.

Aimer, Boire et Chanter © A. Borrel

AIMER, BOIRE ET CHANTER (Life of Riley von Alais Resnais) ist eine ziemlich klamaukige Adaption von Alan Ayckbourns Stück LIFE OF RILEY. Darin geht es um George, den einzigen Charakter, der nie auf der Bühne zu sehen ist. Leute sprechen über ihn, wollen für ihn da sein, nun, wo er an Krebs erkrankt ist, doch wer George eigentlich ist, muss sich das Publikum aus Erzählungen herleiten. Interessant am Film ist, dass das Setting lediglich aus einer Theater-Bühne besteht. Szenen- und Ortswechsel werden nur durch Zeichnungen und kurze Naturaufnahmen angedeutet. Jeder Ort hat zwar individuelle Stageprops, dennoch scheint alles der großen Bühne zu entspringen. Dieser Effekt wird noch intensiviert, indem die Charaktere im Stück ein Theaterstück proben. Manchmal sind die Grenzen zwischen Film- und Theaterdialog fließend, was bei Zuschauern und Charakteren für Verwirrung sorgt. Das wiederum eröffnet eine Metaebene, wo der Film über Theater und Schauspieler zu reflektieren scheint.. All diese Apekte haben mir am Anfang des Films gefallen. Die grellen Farben, die gekünstelte Handlung erinnerten vielleicht im Entferntesten sogar an Almodovar, konnten mich aber in der zweiten Hälfte einfach nicht überzeugen. Eingekeilt in einer sehr engen Reihe im Friedrichstadtpalast, in der keine Chance bestand, sich früher aus dem Film zu schleichen, war ich zum Schluss einfach genervt von der übertriebenen Performance der Schauspieler, der Plastikblumenpracht und der Handlung (die ist aber eher Ayckbourn  zuzuschreiben).

Praia do futuro © Berlinale

In PRAIA DO FUTURO (Brasilianisch-Deutsche Ko-Produktion von Karim Ainouz) finden wir uns am Strand Brasiliens wieder. Zwei Männer aus Deutschland gehen im Meer baden, einer ertrinkt durch Strömungen, Konrad überlebt. Zwischen ihm und dem brasilianischen Rettungsschwimmer Donato entsteht schnell eine innige Verbindung die so weit führt, dass Donato nach Deutschland zieht und dort bleibt. Sein kleiner Bruder Ayrton fühlt sich alleine gelassen und als die Mutter stirbt, macht er sich auf die Suche nach seinem Bruder. Nach zwei Jahren findet er ihn und langsam kommen sich die Brüder näher. Ein gefühlvolles Drama soll sich da entwickeln, doch besonders Wagner Moura (Donato) nehme ich seine Rolle darin nicht ab. Debil lächelnd läuft er durch Berlin, genießt die Sonne und hat dabei nichts, was mich irgendwie interessiert. Auch die wenigen und dann hölzernen Dialoge und ruhigen Aufnahmen der Charaktere sind langweilig und die gefühlten Stunden gefilmten Motorradfahrten sind völlig überflüssig. Dazu ist der Film in drei Kapitel aufgeteilt, die mit ulkigen Titeln wie „Ein deutschsprechender Geist“ versehen sind und allenfalls gezwungen innovativ oder kreativ wirken..(überhaupt ist das die Berlinale der Kapitel.. die manchmal funktionieren oder, wie in diesem Fall eben auch nicht).  Eine halbe Stunde kürzer hätte vielleicht nicht geschadet und dem Film ein bisschen seiner fehlenden Dynamik beschert.

 

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