# 4 Berlinale 2014: 1. Tag ctd

10 Feb

                                                                                       Gregory Smith ©Thessalit-Pathé

Nach two boys in town kamen TWO MEN IN TOWN. Der Film LA VOIE DE L’ENNEMI von Rachid Bouchareb erzählt eine Geschichte, die man schon oft und in verschiedenen Aufmachungen in Filmen gesehen hat. Ein Häftling, Mr Garnett (Forest Whitaker) kommt nach 18 Jahren wegen guter Führung aus dem Gefängnis frei, drei Jahre fürher als ursprünglich festgesetzt. Er kommt in ein Bewährungsprogramm, Parole, und wird von Bewährungshelferin und Polizistin Emily Smith (Brenda Blethyn) begleitet, die ihm bei der Resozialisierung helfen soll. Der Sheriff (Harvey Keitel), dessen Deputy Garnett vor 18 Jahren getötet hat, glaubt nicht daran, dass er sich gebessert hat und versucht, ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen. Durch Lynch-Justiz und Rufmord untergräbt er Garnetts noch sehr fragile Lebenssituation und drängt ihn gerade damit an den Rand des nächsten Verbrechens. TOW MEN IN TOWN ist eine Neuverfilmung eines Films von 1973, in welchem der Regisseur die Ungerechtigkeiten und Schikanen der französischen Justiz beleuchtete und scharf kritisierte. Hier wurde die Szenerie nach New Mexico verlagert, mit Drogendealern, korrupten Sheriffs, Camps von Rednecks, die illegalen Immigranten auflauern und ihnen dann mit ihrer Selbstjustiz den Prozess machen. Diese Problematiken verweben sich auch mit Garnetts Geschichte, doch haben sie bei mir keinen nennenswerten Eindruck hinterlassen. Forest Whitaker und Emily Smith tragen diesen Film, Harvey Keitel spielt den Bösewicht, bleibt aber austauschbar.

                                                                                           ’71 von Yann Demange © Berlinale

’71 von Yann Demange spielt in Irland zur Zeit des Nordirlandkonflikts. Gary ist ein junger englischer Soldat, der mit seiner Truppe nach Belfast geschickt wird, um dort in Straßenkämpfen zu „vermitteln“. Von Vermitteln ist allerdings keine Rede mehr, als die Truppe beim ersten Einsatz von einer paramilitärischen Truppe angegriffen wird, ein Soldat erschossen und Gary zurückgelassen wird, als seine Kameraden überhastet fliehen. Er wird von jungen Männern verfolgt, die fanatisch ihre Sache verfolgen und diese werden wiederum von Männern verfolgt, die fanatisch IHRE Sach verfolgen. In intensiven Handkameraaufnahmen verschwimmt schnell die Grenze zwischen Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch und Yann Demange zeigt, wie die Angst vor dem vermeintlich Bösen nur noch mehr Hass und Gewalt schürt. Es ist das Regiedebut von Yann Demange und er hat dafür eine Thematik gewählt, die lange nicht mehr im Kino zu sehen war. Überzeugend und heftig zeigt er die Straßenkämpfe ohne anklagend mit dem Finger auf jemanden zu zeigen.

Source: The Museum of Modern Art, © Paramount

Zum Ausklang des ersten Tages hatte ich mir einen Retrospektivenfilm ausgesucht. THE DOCKS OF NEW YORK von Joseph von Sternberg wurde 1928 als Stummfilm gedreht und in die Retrospektive (Titel: „The Aesthetics of Shadow“) wegen dem damals innovativen Spiel mit Licht und Schatten aufgenommen. Matrose Bill (George Bancroft) geht in New York mit seinen Kameraden für eine Nacht an Land , um dort Alkohol und Frauen zu genießen. Gerade angekommen, sehen sie, wie sich eine Frau (betty Compson) ins Meer stürzt. Bill rettet sie kurzerhand und innerhalb einer Nacht heiraten die beiden, er verlässt sie am nächsten verkaterten Morgen und kehrt zuletzt wieder zu ihr zurück. Bedrückend sind die Schatten, wenn die Matrosen auf dem Schiff Kohle schippen. Getrübt durch Nebel und Regen das Licht, als Mae am nächsten Morgen verlassen aufwacht . Die Gefühle und Lebensumstände der Charaktere werden in diesem Film besonders durch die Beleuchtung hervorgehoben. Darin versteckt sich die Beziehung der Figuren und das kalte Erwachen am nächsten Morgen, wenn nichts mehr so ist, wie zuvor. Unterstützt wurde der Effekt der Beleuchtung durch die Pianistin Maud Nelissen, die mit ihrem Klavier auch quietschende Türen und klirrendes Geschirr vertonen kann, besonders aber die Emotionen auf der Leinwand ins Publikum trägt.

 

 

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