2018 – Das Jahr des deutschen Films!

5 Nov

Das Kinojahr 2018 ist noch nicht ganz zu Ende und trotzdem lässt sich, insbesondere für dieses Jahr, ein eindeutiger Trend abzeichnen: es ist das Jahr des deutschen Films. Nein, ich rede hier nicht von den Schweiger-/Schweighöfer-Filmen, sondern wirklich von deutschen Filmen, die entweder sehr anspruchsvoll oder vom Niveau her deutlich über der Qualität von Till und Matthias liegen. Welche Genres dabei am meisten glänzen und warum wir uns jetzt schon auf 2019 freuen dürfen, gibt dieser Artikel preis.

 

Die Deutschen und ihre Geschichte – das passt!

Angefangen bei einer der Genres, in dem sich gefühlt jeder deutsche Filmemacher am besten aufgehoben fühlt bzw. welches er am besten versteht: das historische Drama. Es gibt wenige Länder auf der Welt, die so geschichtsträchtig sind und Stoffe für hochwertige Filme liefern als Deutschland. Dies wird auch beim ersten Film, der hier in diesem Zusammenhang vorgestellt werden soll, deutlich und zwar in Robert Schwendtkes neuem Film „Der Hauptmann“. Dieser erzählt die Geschichte von Willi Herold, der wiederum durch eine gefundene Uniform Macht auf sich überträgt und seine Soldatenkollegen zu Untertanen macht. Ein Kriegsdrama, welches nur sehr schwer mitanzusehen ist, gerade aufgrund der gezeigten Bilder und der knallharten und für viele vielleicht unbekannte Wahrheit, die hinter diesem Ereignis steckt. Ein weiterer Streifen, der durch eine wahre Begebenheit zu überzeugen weiß und trotz seiner Vorhersehbarkeit durch den historischen Hintergrund unglaublich spannend geworden ist, ist Michael „Bully“ Herbigs neuester Streifen „Ballon“ über den Fluchtversuch der DDR-Familien Strelzyk und Wetzel in einem Heißluftballon. Gerade hierbei wundert man sich, warum ein Regisseur, der mit der Komödie „Schuh des Manitu“ für einer der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt gesorgt hat und auch nur aus diesem Metier bekannt ist, einen solchen Stoff anpackt. Andererseits ist man nach der Sichtung dieses Films froh darüber, dass Herbig dies getan hat und hofft, dass noch mehr Thriller von ihm folgen werden. Um das Historische abzuschließen, wollte ich noch einen weiteren Film erwähnen, der sich mit der Geschichte der DDR auseinandersetzt: „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume. Hierin werden aus angehenden Abiturienten aus Stalinstadt 1956 durch eine Schweigeminute für die Opfer des Volksaufstandes in Ungarn vom einen auf den anderen Tag zu Staatsfeinden. Die Spannung und Intensität lässt sich problemlos mit der von „Ballon“ vergleichen und kann auch ohne Probleme mithalten. Bei diesen drei genannten Filmen sieht man auch, dass bis dato uns unbekannte Ereignisse der deutschen Geschichte nur durch dieses Medium zugänglich gemacht werden können, da man sich freiwillig nie damit auseinandersetzen würde. Wenn man jetzt noch über mehr Filme in diesem Genre schreiben wollte, würde das locker diesen Artikel sprengen. Darüber hinaus kann man aber definitiv sagen, dass unsere eigene Geschichte gerade in der Filmlandschaft sehr wertvoll ist und immer mehr in den Fokus zahlreicher, deutscher Regisseure rückt. Ohne unsere eigene Historie würden wir aus cineastischer Sicht also auf gut deutsch „ganz schön blöd“ dastehen.

Konnte das deutsche Publikum aufgrund seiner unglaublich wahren Geschichte überzeugen: „Das schweigende Klassenzimmer“

 

Jetzt mach‘ mal keinen Auf Drama! Doch machen wir – und das richtig gut!

Wenn es ein Genre gibt, dass es zurzeit sehr schwer hat was die Publikumsfindung in Deutschland angeht, dann ist es zweifellos das Drama! Egal ob feinfühlig oder nicht, egal ob Überlänge oder nicht – nur wenige deutsche Regisseure nehmen sich diesem Genre an und drehen einen Film darin. Und doch gab es sie dieses Jahr: Deutsche Dramen, die an Hochwertigkeit kaum zu übertreffen und jetzt schon als Klassiker der 2010er Jahre zu bezeichnen sind – zumindest was den Arthaus- bzw. Independent-Bereich angeht. Angefangen bei Christian Petzolds inszenatorisch herausragender Literaturverfilmung von „Transit“, in der er die Thematik der Buchvorlage von Flucht im zweiten Weltkrieg in die Jetztzeit versetzt und somit der noch heute präsenten Diskussion über Flucht bzw. Flüchtlinge einen weiteren, hochinteressanten Stoff bietet – starke Schauspieler inklusive. Ein weiterer Film, der hierbei sehr stark hervorsticht, ist der neue und sehr sehenswerte Film von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck, der zurecht für Deutschland ins Rennen um den Oscar als bester fremdsprachiger Film geht: „Werk ohne Autor“ mit unter anderem Tom Schilling und Sebastian Koch als die beiden zentralen Figuren des Films. Von Donnersmarck nimmt sich die Geschichte vom bekannten deutschen Maler Gerhard Richter als Vorbild und inszeniert einen Film, der mit der Frage nach Wahrheit und Schönheit in der Kunst, aber auch im Leben eines jeden Menschen aufwartet. Ein Streifen, dessen über drei Stunden Lauflänge man ihm nicht anmerkt und vor allem durch clevere und gut geschriebene Dialoge sowie Monologe besticht. Das dritte Drama, welches hier erwähnt werden sollte und auf den ersten Blick keines ist, sondern sich im Verlaufe des Films erst dahin entwickelt ist „In den Gängen“ mit dem großartigen Franz Rogowski und der ebenfalls großartigen und immer in Filmen gern gesehenen Sandra Hüller. Ein Azubi, der in einem Großmarkt diese Ausbildung absolviert und sich dabei in eine Mitarbeiterin verliebt – einen verrückteren Plot für ein Drama hätte man nicht wählen können, umso stärker ist der Film! Auch dank einiger, sehr humorvoller Momente, die der Streifen mit sich bringt, ich sage nur „Gabelstaplerfahrer Klaus“ im Theorieunterricht. Auffällig, dass Rogowski schon zum zweiten Mal in dieser Liste auftaucht, so ist 2018 auch sein endgültiges Durchbruchsjahr – man darf gespannt sein, in welcher Rolle man ihn als nächstes begutachten darf. Um auch mit diesem Genre abzuschließen kann man sagen, dass wir Deutschen es doch noch können, was gut geschriebene und gespielte Dramen angeht und wir uns auf keinen Fall vor der ausländischen Konkurrenz verstecken müssen. Allein dass Filme wie „Werk ohne Autor“ dieses Jahr in Venedig sowie letztes Jahr „Toni Erdmann“ in Cannes liefen, ist ein Schritt in die richtige Richtung und lässt uns weiterhin auf starke Filme in diesem Bereich hoffen.

Geht für Deutschland ins kommende Oscar-Rennen: Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“

 

Zwischendrin ist auch nicht alles schlecht – im Gegenteil!

Blieben da noch die Genres abseits von Filmen mit historischem Kontext und Dramen. Auch da haben deutsche Regisseure in diesem Jahr gezeigt, dass sie mit starken Filmen das Publikum abholen und allgemein abliefern können. Hierbei sei als erstes Detlef Bucks „Ashpaltgorillas“, in dem das düstere und knallharte Nachtleben von Berlin aufgetischt und in eine interessante Grundstory verpackt wird. Themen wie Drogenclans und Mafiabosse stehen dabei auf der Tagesordnung, sowohl im Film als auch leider noch im realen Leben in dieser Stadt. Gepaart mit interessanten Charakteren und einem starken Erzähltempo ist dieser Film nicht nur etwas für das große Mainstreampublikum. Dasselbe kann man auch von „Das schönste Mädchen der Welt“ behaupten. Ein Titel, bei dem man direkt denken könnte, dass es sich dabei um eine Schnulze oder langweilige Teenie-Komödie handelt. Weit gefehlt, denn dieser Film ist nicht einmal im Ansatz was von beidem! Es ist nämlich ein eindrucksvolles Beispiel geworden, wie man eine Romantic-Comedy heutzutage drehen kann, wenn nicht sogar muss! Der Humor und die großartig geschriebene Musik tun dem Film sein Übriges! Zwischendrin befindet sich für mich auch das Genre des Roadtrips, da dieser auch Elemente anderer Filmgenres beinhalten kann. So auch beim großartigen „25 km/h“, der eine einzigartige und sehr unterhaltsame Geschichte von zwei Brüdern erzählt, die mit zwei alten Mofas vom Schwarzwald bis an die Ostsee fahren. Hierbei ergänzen sich die Geschichten der beiden Hauptcharaktere sehr gut mit der eigentlichen Handlung des Films und ergeben insgesamt eine gesunde Mixtur aus Roadtrip, Komödie und auch Drama!

Begeistert durch seinen Witz und sein großartiges Erzähltempo: Detlev Bucks „Asphaltgorillas“

 

Und die Moral von der Geschicht’…

…schlechte deutsche Filme gab es 2018 nicht! Zumindest wenn man die im Artikel genannten Beispiele betrachtet, auch mal über den Mainstream-Tellerrand hinausblickt und deutsche Filme mit solch einer Qualität anschaut. Egal ob Dramen, Historienfilme oder Filme zwischendrin – 2018 war zweifellos DAS Jahr für den deutschen Film und macht schon jetzt riesengroße Lust auf das Kinojahr 2019! Da können selbst mittelwertige Bewertungen auf imdb, Metacritics oder auch Rotten Tomatoes für diese Filme nicht darüber hinwegsehen. Das Wichtige hierbei ist, dass man als deutscher Kinozuschauer erkennt, welche Stärke der deutsche Film eigentlich hat, wenn man von den üppigen und überwiegend unerklärlich erfolgreichen Hollywood-Produktionen und Franchises absieht und sich traut, „unserem“ Kino eine faire und verdiente Chance zu geben. Das Jahr 2018, welches noch nicht zu Ende ist, hat dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt!

 

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