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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Jim Jarmusch – ein ganz gewöhnlicher Filmemacher

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  27.10.2005  19:15 Uhr  OmU  Night on Earth
 Donnerstag  03.11.2005  19:30 Uhr  OmU  Dead Man
 Donnerstag  10.11.2005  19:30 Uhr  OmU  Ghost Dog: The Way of the Samurai
 Donnerstag  24.11.2005  19:45 Uhr  OmU  Coffee and Cigarettes
Der 1953 in Akron, im US-Bundesstaat Ohio, geborene Filmemacher Jim Jarmusch hat sich über die vergangenen gut 20 Jahre seines filmischen Schaffens eine stetig wachsende Fangemeinde und den Ruf eines unverwechselbaren Regisseurs erworben. Bevor Jarmusch von 1976-1979 zunächst Schüler und dann Assistent des Filmemachers Nicolas Ray an der New York University Graduate School wurde, absolvierte er ein Literaturstudium an der University of Columbia (N.Y.), das er 1975 mit einem Diplom abschloss. Als einer der etablierten Independent-Regisseure Amerikas hat er das Genre mit seinen mittlerweile acht großen Kinofilmen, bei denen er stets sowohl Buch als auch Regie übernahm, entschieden mit geprägt. Sein Name steht für eigensinnig-humorvolle Filme, die sich immer wieder bewusst vom gängigen Mainstream-Geschmack abzuheben wissen und uns den Blick auf skurrile Randfiguren der Gesellschaft ermöglichen, deren faszinierende Eigenwilligkeit oftmals gerade in ihrer offensichtlichen Gewöhnlichkeit und Bedeutungslosigkeit zu liegen scheint. Die Besonderheit seiner Filme, die nach eigenen Angaben "aus Szenen gemacht sind, die andere Leute wegwerfen würden", liegt gerade nicht in effektheischender Inszenierung, übertrieben cooler Gewaltdarstellung oder schwülstig-psychologisierendem Gefühlskino sondern vielmehr in der Art und Weise, wie Jarmusch mit subtilem Humor und einfachen Stilmitteln stimmungsvolle Bilder auf die Leinwand bringt und Charaktere entwickelt, die man in ihrer Verschrobenheit einfach gerne haben muss. Sein erster Spielfilm Permanent Vacation (1980) blieb noch weitgehend unbemerkt. Doch schon der formal ausgeklügelte Schwarz-Weiß-Film Stranger than Paradise (1984) kam bei Festivaljurys und Filmkritikern so gut an, dass Jarmusch praktisch über Nacht zum neuen Star des amerikanischen Indie-Kinos wurde und sich fortan mit dem Ruf eines Kultfilmers herumärgern musste. Spätestens bei seinem dritten Kinofilm Down By Law (1986) hatte Jarmusch dann auch eine Clique von Schauspielern und Musikern wie Roberto Benigni, John Lurie, und Tom Waits um sich versammelt, die sich zu wichtigen Konstanten der zukünftigen Produktionen entwickeln sollten. Down By Law erzählt die Geschichte dreier völlig unterschiedlicher Kleingangster und Verlierertypen, die sich – eingepfercht in eine enge Knastzelle – notgedrungen miteinander auseinandersetzen müssen und erst auf der gemeinsamen Flucht langsam anfangen, die gegenseitige Abneigung zu überwinden. Für seine beiden nächsten Filme Mystery Train (1989) und Night on Earth (1991) wählte Jarmusch eine Episodenstruktur, durch die er einmal drei unterschiedliche Grüppchen unter allgegenwärtigen Elvis-Porträts in einem verschlafenen Hotel in Memphis, Tennessee, versammelt und dann fünf einzigartige Geschichten erzählt, die sich als eine Art Mini-Road-Movie zwischen TaxifahrerInnen und ihren jeweiligen Fahrgästen während der nächtlichen Fahrt durch fünf Großstädte Amerikas und Europas entwickeln. Vier Jahre später kehrte er mit dem "Anti-Western" Dead Man (1995), in dem er Johnny Depp als unfreiwilliger Killer durch die Wälder Arizonas fliehen lässt, wieder zum Schwarz-Weiß-Film zurück und bewies mit der ungewöhnlichen Inszenierung einmal mehr, dass man ihn in keine gängige Schublade stecken kann. So finden wir uns in seinem nächsten Film Ghost Dog: The Way of the Samurai (1999) auch in einer völlig anderen Umgebung wieder: Diesmal begleiten wir - untermalt von schleppenden Hip-Hop-Beats des Wu-Tang-Masterminds RZA - einen ungewöhnlichen Samurai-Killer (Forest Whitacker) bei seiner Arbeit durch den Großstadtdschungel von New Jersey. Bei Coffee & Cigarettes (1986-2003), seinem bisher vorletzten Film ist der Titel Programm, denn in elf herrlichen Kurzgeschichten dreht sich alles um unsere liebsten Suchtmittel – eben Kaffee und Zigaretten. Jarmuschs aktuellen Film Broken Flowers (2005), in dem sich Bill Murray als alternder Womanizer auf der Suche nach der Mutter seines Sohnes mit einigen verflossenen Liebschaften (u.a. Julie Delpy, Jessica Lange und Sharon Stone) auseinandersetzen muss, konnten wir leider noch nicht fürs aka-Kino ergattern, aufgrund der allgemein sehr positiven Resonanz (Großer Preis der Jury beim Filmfestival in Cannes) empfiehlt sich aber der Gang in andere Programmkinos. Nicht zuletzt, um unsere kleine Werkschau mit Jarmuschs neuestem Geniestreich abzurunden!

Text: Jakob Willis

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