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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Körperkapitalismus

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  16.01.2018  20:00 Uhr  Dt. OV  Whores' Glory
 Dienstag  23.01.2018  20:00 Uhr  Dt. OV  Paradies: Liebe
 Dienstag  30.01.2018  20:00 Uhr  Dt. OV  Sexarbeiterin
 Dienstag  06.02.2018  20:00 Uhr  Dt. OV  Vulva 3.0 - Zwischen Tabu und Tuning
Das Geschäft mit dem Körper ist kein neues, vom globalisierten Kapitalismus erschaffenes Phänomen. Prostitution gilt vielmehr als das älteste Gewerbe der Welt, überall auf der Welt. An ihrer Verfügbarkeit hat sich im Zuge von Globalisierung und Liberalisierung nichts verändert, dennoch
haben sich diese Entwicklungen auch auf das Geschäft mit dem Körper ausgewirkt. Die folgende Filmreihe beschäftigt sich mit verschiedenen Formen und neueren Entwicklungen der Kommerzialisierung von Körpern und Körperlichkeit.
Als Ausgangspunkt dient zunächst Michael Glawoggers Film Whores' Glory, der in drei Kulturen einen ungeschönten Blick auf die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Widersprüchlichkeiten von Prostitution wirft. Seine Dokumentation begleitet und portraitiert Sexarbeiterinnen in Thailand, Bangladesch und Mexiko ohne zu glorifizieren, aber auch ohne offensichtlich erhobenen Zeigefinger. Dabei entsteht ein vielschichtiges Bild der Prostituierten und ihrer Arbeit in sehr unterschiedlichen Verhältnissen.
Prostitution wie die von Glawogger dokumentierte mag es schon seit Menschengedenken gegeben haben. Gleichwohl stehen heute der Körper und Körperlichkeit in westlichen Gesellschaften im Zuge von sexueller Emanzipation, Liberalisierung und Selbstoptimierung stärker im Aufmerksamkeitsfokus als früher, wo Körper und Sexualität vor den Blicken der Öffentlichkeit noch weitgehend verborgen wurden. Das eröffnet neue Chancen auf Selbstbestimmung, schafft aber womöglich auch neue Märkte und Abhängigkeiten: So können Frauen heute einerseits über ihren Körper stärker selbst bestimmen als jemals zuvor. Diese Freiheit können sie u.a. auch dafür nutzen, ihren eigenen Körper selbstbestimmt zu verkaufen. Ein Beispiel hierfür zeigt Sobo Swobodnik in seiner provokanten Dokumentation Sexarbeiterin. Diese begleitet eine Akademikerin in Berlin, die sich aus einer eher privilegierten Position heraus für die Prostitution entschieden hat und dabei keinesfalls als Opfer gesehen werden möchte.
Ein deutlich kritischeres Bild der neuen Möglichkeiten im globalen Körperkapitalismus zeichnet dagegen Ulrich Seidl in Paradies: Liebe, einem Film über westliche Sextouristinnen in Kenia. Die darin vorkommenden Frauen werden einerseits als Ausbeuterinnen gezeigt, die ihre finanzielle Macht gegenüber den Afrikanern zur Erfüllung ihrer Bedürfnisse ausnutzen. Der Film legt zugleich aber nahe, dass die Sextouristinnen auch selbst Opfer einer westlichen Gesellschaft sind, die ihre imperfekten Körper als nicht begehrenswert erachtet und die die Frauen in der Folge auch als Personen entwertet.
Solchen gesellschaftlichen Erwartungen an Frauenkörper, sowie den damit einhergehenden Veränderungen hinsichtlich Körperbild und Optimierungsdruck, widmet sich auch die Dokumentation Vulva 3.0 - Zwischen Tabu und Tuning. Diese zeigt die Vielfalt der heute verfügbaren und teils bereits üblichen Formen der„Optimierung“ der Vulva, sei es mit den Mitteln von Chirurgie oder Photoshop. Dabei führen Claudia Richarz & Ulrike Zimmermann in ihrem Film eindrücklich vor Augen, wie alltäglich die Normierung und Kommerzialisierung des weiblichen Geschlechts bereits ist.

Text: Phillip Maiwald

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