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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Der Tod auf dem Boot

Filme dieser Reihe:
 Donnerstag  30.11.2017  20:00 Uhr  tba  Sea Fog
 Donnerstag  07.12.2017  20:00 Uhr  stumm  Leviathan
 Donnerstag  14.12.2017  20:00 Uhr  Jap. OmeU  The Catch
 Dienstag  19.12.2017  20:00 Uhr  Fr. OmU  Welcome

Fischerei und Flucht

Fischerei ist auch in der hochtechnologisierten Welt des 20. und 21. Jahrhunderts immer noch ein Knochenjob und existenzbedrohend: Trotz der wissenschaftlichen Fortschritte in Bautechnik, Design und Ingenieurskunst platziert das Statistische Bundesamt den Beruf des Hochseefischers auf Platz drei der risikoreichsten Jobs in Deutschland. Die Gefahr, sich an Bord schwer zu verletzen oder gar zu Tode zu kommen, wird als doppelt so hoch wie der vergleichsweise geringe psychische Stress der monatelangen sozialen Isolation auf einem Boot auf hoher See eingeschätzt.
Wie hart die Arbeit ist, läßt uns die Dokumentation Leviathan körperlich spüren – durch ein lärmendes Kinoerlebnis der besonderen Art mit Wetter, Möwengeschrei, Seegang und herumschwimmenden Innereien. Die verschiedenen Kameras sind so nah dran wie zuvor noch nicht gesehen in diesem Film. Daher kommt das Publikum nach übersichtlichen 87 Minuten gerädert aus dem Kino. In The Catch (Gyoei no mure) leiden wir in extrem langen Einstellungen in Echtzeit mit den Protagonist*innen, wie sie z.B. eine gefühlte Ewigkeit mit einem riesigen Fisch am Haken ringen und sich selbst mit der Angelschnur zu erwürgen drohen.
Um Fluchthilfe, ob nun ökonomisch oder humanitär motiviert, geht es in Haemoo und in Welcome: Im Zuge der Asienkrise bangten die kleinen koreanischen Betriebe Ende der Neunziger um ihr Überleben. Für Captain Kang in Haemoo scheint der Nebenverdienst mit chinesischen Flüchtlingen der einzige Ausweg aus seiner finanziellen Misere.
Mit Welcome, der den "Prix Lux" des Europäischen Parlaments und den Verleihförderpreis bei den Französischen Filmtagen in Tübingen gewann, kritisierte Regisseur Lioret die Unfähigkeit französischer Behörden, mit ungewollten Migrant*innen angemessen umzugehen. Er machte entwürdigende Zustände öffentlich und löste mit seinem Film 2009 eine kontroverse Debatte aus. Denn nicht nur illegalisierte Migrant*innen werden verfolgt – auch französische Staatsbürger*innen, die ihnen helfen, müssen inzwischen mit Strafen und anderen Schikanen rechnen. In beiden Filmen geht es sowohl um die Perspektive von Geflüchteten als auch der von Fluchthelfer*innen oder Menschen, die irgendwie humanitäre Hilfe leisten wollen und sich immer wieder aufs Neue fragen: Inwieweit lasse ich mich finanziell und emotional auf ein Einzelschicksal ein, das stellenweise einfach nur hoffnungslos erscheint?
Im Übrigen wird die Situation für Hochseefischer auch in Zukunft nicht entspannter: Die große Masse der Produktion kommt inzwischen aus Aquakulturen und die kleinen Bestände, die sich noch im Meer befinden, werden von der industriell betriebenen Fischerei mit hoher„Beifangrate“ und den bekannten desaströsen ökologischen Folgen weggeschnappt. Kleine Betriebe stehen permanent unter enormem psychischen, zeitlichen und finanziellen Druck.
Und wenn die Bedingungen für Fischer auf seetauglichen Kuttern schon so hart sind, können wir uns dann vorstellen, was Menschen durchmachen, die sich auf klandestinen Wegen und gnadenlos überfüllten Booten ohne Motor, Paddel und Ortskenntnisse auf das unberechenbare Mittelmeer wagen, weil sie auf ein besseres Leben für sich und die ihrigen hoffen?

Text: Meike Bischoff

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