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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Theo Angelopoulos

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  15.05.2012  20:00 Uhr  Gr. OmU  Der Bienenzüchter
 Dienstag  22.05.2012  20:00 Uhr  Gr. OmU  Der Blick des Odysseus
 Dienstag  05.06.2012  20:00 Uhr  Gr. OmU  Die Ewigkeit und ein Tag

Der griechische Magier des europäischen Kinos

Die Filme von Theo Angelopoulos thematisieren die großen Krisen, die der Regisseur selbst miterlebt hat: Den zweiten Weltkrieg, den griechischen Bürgerkrieg und die Diktatur bis hin zur aktuellen Wirtschaftskrise. Zugleich jedoch sind sie universelle, poetische Erzählungen über die conditio humana, die er wie kaum ein anderer auf Film zu bannen wusste.
Nach einem abgebrochenen Jura-und Literatur-Studium studierte er Film in Paris während der Blütezeit der Novelle Vague und drehte 1970 mit 35 Jahren seinen ersten Film, Rekonstruktion, die Geschichte eines Gastarbeiters. 1975 folgte das vierstündige Epos Die Wanderschauspieler, mit dem Angelopoulos nicht nur das griechische Kino erneuerte, sondern auch formal und technisch Maßstäbe setzte. Die Odyssee einer Gruppe von Wanderschauspielern durch die Politik und Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählte er erstmals mit kunstvoll komponierten Plansequenzen, die zu seinem unübertroffenen Markenzeichen wurden. „Hier wie in allen folgenden Filmen von Angelopoulos wurde der filmische Raum zu einem magischen Ort, an dem sich die Toten und die Überlebenden, die Sieger und die Opfer der Geschichte versammelten“, fasste die FAZ zusammen.
Ein wiederkehrendes Motiv in Angelopoulos Filmen ist die Frage, was aus den alten Utopien geworden ist – das Verschwinden der sozialistischen Träume behandelte der Regisseur beispielsweise in Der große Alexander, Der Bienenzüchter und Der Blick des Odysseus.
Wie ein moderner Odysseus irrt Harvey Keitel als Filmemacher „A“ durch ein erschüttertes Osteuropa, der Untergang des sozialistischen Ostblocks birgt neue Hoffnungen, bringt aber zugleich ethnische Konflikte und gewalttätigen Nationalismus über das ehemalige Jugoslawien. In Der Bienenzüchter dagegen sind es eher die Träume aus der eigenen Jugendzeit, die den alternden Spiros heimsuchen und die Verwandlung der Utopien im Fluss der Zeit deutlich machen.
Darüber hinaus drehen sich seine Filme um Migration und Exil (Der schwebende Schritt des Storches, Die Reise nach Kythira) oder Bedrohungen durch die moderne Technik (Landschaft im Nebel, Die Erde weint). Dabei reflektieren sie nie nur oberflächliche Symptome, sondern zeigen genau beobachtend die Auswirkungen auf die Menschen – die Landschaften, durch die die Protagonisten wandern, stehen oft für ihre Seelenlandschaften. Wie auch in Die Ewigkeit und ein Tag, in dem Angelopoulos von einem todkranken Schriftsteller erzählt, der während einer Reise einen albanischen Flüchtlingsjungen kennenlernt, sich zugleich seiner eigenen Heimatlosigkeit bewusst wird – und wieder eine Verbindung zum Leben findet. Für diesen zeitlosen Film wurde Angelopoulos 1998 mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet.
Ein weiteres verbindendes Element in Angelopoulos' Filmen ist die Musik – die großartige Komponistin Eleni Karaindrou hat die Filmmusik für alle drei der in dieser Reihe gezeigten Werke geschaffen, und hervorragende Instrumentalisten wie der gefeierte Jazz-Saxofonist Jan Garbarek haben sie umgesetzt, um die so kunstvoll komponierten Bilderwelten des Regisseurs auch akustisch zu unterstützen.
Während der Dreharbeiten zu seinem neuesten Film starb Theo Angelopoulos am 24. Januar 2012 bei einem Verkehrsunfall. Ein Anlass für uns, seine mittlerweile etwas in Vergessenheit geratenen Filme neu zu entdecken – und so einige der schönsten Bilder des europäischen Kinos wieder auf die Leinwand zu bringen.

Text: Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Alexander Sancho-Rauschel

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