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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Andreas Dresen

Filme dieser Reihe:
 Dienstag  17.01.2012  20:00 Uhr  35 mm  Wolke 9
 Dienstag  24.01.2012  20:00 Uhr  35 mm  Halbe Treppe
 Dienstag  31.01.2012  20:00 Uhr  35 mm  Sommer vorm Balkon
 Dienstag  07.02.2012  20:00 Uhr  35 mm  Willenbrock
Wir verdanken ihm viel. Wir, das Publikum. Die Zuschauer, die sich vom Kino mehr wünschen als nur Unterhaltungsware im Fernsehstil, die vielleicht ein bisschen teurer, ein bisschen aufgemotzt durch mehr Stars oder ein paar aufwändige Actionszenen, daherkommt. Andreas Dresen war einer der Regisseure, die Ende der 90er Jahre die immer einfallsloser gewordene Welle der deutsche Großstadtkomödien ablösten durch künstlerisch inspirierte Werke, die sich wieder etwas trauten, den Mut hatten, auch einmal sperrig oder ungewöhnlich zu sein. Filme von Regisseuren mit einer eigenen Vision vom Kino, einer eigenen Handschrift.

Der 1963 in Gera geborene Regisseur, der nach einem Volontariat beim DEFA-Spielfilmstudio der DDR Regie in Babelsberg/Potsdam studierte, wurde schnell zu einem der bedeutendsten Kreativen des deutschen Films. Da er mit dem Filmemachen erst nach der Wende begann, spricht er zwar von einer unverkennbar „ostdeutschen Identität“, will sich aber keineswegs in die Schublade der „typischen Ost-Filmemacher“ stecken lassen.Er beschäftige sich lieber mit der gesamtdeutschen Realität als mit der DDR-Vergangenheit, betonte er einst im Interview. „Mich interessieren mehr die Risse zwischen oben und unten als zwischen Ost und West“.

Aber nicht nur inhaltlich, auch stilistisch beschritt Dresen im deutschen Film neue Wege. Er entwickelte eine ganz eigene Form des technischen Minimalismus, denn „Schauspieler, eine Kamera, ein Tonbandgerät und Phantasie“, so der Regisseur, reichen völlig aus für einen schönen Film. Dass er auch ohne viel Tricktechnik packende Geschichten erzählen kann, bewies er zudem auf der Bühne: Neben seiner Theaterarbeit inszenierte er in Basel bereits Mozartopern.

Nach seinem vielbeachteten Debütfilm Stilles Land (1992) über eine Theaterinszenierung in der DDR-Provinz zur Zeit des Mauerfalls folgte die von der Kritik gelobte Doku Kuckuckskinder (1994). Danach widmete sich Dresen dem Theater und verschiedenen kleineren Fernsehproduktionen wie dem außergewöhnlichen Schuldrama Raus aus der Haut (1997). Sein Durchbruch war 1999 der Film Nachtgestalten, in dem er den spannenden Versuch unternahm, ein realistischeres Stadtbild zu zeichnen, das, so der Regisseur, „auch die Menschen zeigt, die nicht im Scheinwerferlicht stehen, jene, die aus dem sozialen Netz der Gesellschaft herausfallen“ - und der mit dem Deutschen Filmpreis als bester Spielfilm des Jahres ausgezeichnet wurde.

Ein ungewöhnlich berührender und zugleich scharf beobachtender Fernsehfilm gelang ihm 2000 mit Die Polizistin, der so begeisterte Kritiken erhielt, dass er nachträglich den Sprung ins Kino schaffte – und den wir in unserer ersten aka-Dresen-Reihe 2004 im Programm hatten. 2002 wurde Halbe Treppe, eine ebenso traurige wie amüsante Geschichte über zwei befreundete Paare um die dreißig, zu seinem bis dato größten Erfolg. Seine Rückkehr zum Dokumentarfilm markiert das schräge Porträt Herr Wichmann von der CDU, der seinerzeit ein Kultpotential entwickelte, das dem Genreklassiker Die Blume der Hausfrau (über die Vorwerk-Staubsaugervertreter) nahekam. Die erneute Zusammenarbeit mit Axel Prahl führte mit Willenbrock (2005) zu der beeindruckenden Psychostudie eines Autohändlers kurz vor dem Zusammenbruch, im gleichen Jahr eroberte der Regisseur mit dem wundervollen Sommer-Epos Sommer vorm Balkon nicht nur die Filmkritiker, sondern jetzt auch die Herzen des breiten Publikums. Spätestens jetzt zählte Andreas Dresen zur ersten Riege der deutschen Filmemacher. Statt zu gefällig zu werden, wagte er mit dem heftig diskutierten Film Wolke 9 wieder etwas Neues: Sehnsucht, Liebe, Verliebtheit, aber auch Sexualität im Alter zu thematisieren und auch zu zeigen. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Drehbuchveteran Wolfgang Kohlhaase ließ den grandiosen Darsteller Henry Hübchen an seinem Whisky mit Wodka (2009) nippen, gefolgt von einer zweiten Wichmann-Doku, bis Dresen 2011 in Cannes sein neuestes Werk präsentieren konnte: Halt auf freier Strecke (2011), diesmal nach seinem eigenem Drehbuch,
wurde auf dem weltweit bedeutendsten Filmfestival mit dem Hauptpreis der Kategorie „Un certain regard“ ausgezeichnet. Und einen „regard“, einen aufmerksamen Blick, auf diesen wie auch auf seine früheren Filme zu werfen, lohnt sich gewiss, um einen der innovativsten und zugleich engagiertesten Autorenfilmer kennenzulernen, den die hiesige Filmszene zur Zeit zu bieten hat.

Text: Alexander Sancho-Rauschel, Angélique Presse

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