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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Im Gefängnis

Filme dieser Reihe:
 Freitag  25.11.2011  20:00 Uhr  35 mm  Picco
 Freitag  02.12.2011  20:00 Uhr  35 mm, Fr. OmU  Ein Prophet
 Freitag  09.12.2011  20:00 Uhr  35 mm, En. OmU  Hunger
 Freitag  16.12.2011  20:00 Uhr  35 mm  Der Räuber
Gehen Sie in das Gefängnis!" So lautet eine bekannte Anweisung aus dem Brettspiel-Klassiker "Monopoly". Ins Gefängnis zu gehen ist dort ziemlich normal und kommt alle paar Runden mal vor. Mit der Realität hat das selbstverständlich und auch glücklicherweise nichts zu tun, aber mit den verbreiteten Vorstellungen über das Gefängnis sieht es leider ähnlich vage aus. Im Gefängnis ist man allein unter Männern, wird vergewaltigt, schmiedet Freund- und Feindschaften fürs Leben. Auch im Kino wurden die Insassen dieser Strafvollzugs- und Besserungsanstalten bereits ausgiebig gezeigt, etwa als der legendäre Ausbrecher in Die Flucht von Alcatraz (1979) oder als zu unrecht dort festgehaltene rechtschaffene Männer in Die Verurteilten (1994).

Die Filme in dieser Reihe stehen allerdings in einer anderen Tradition, zu deren stilistischen Vorbildern der britische Film Scum (1979) gehört, in dem Regisseur Alan Clarke das britische Gefängnissystem anprangerte, indem er den ganz normalen Wahnsinn hinter Gittern mit entlarvendem Realismus zeigte. Die Diskussion um Clarkes Film löste schließlich sogar Diskussionen aus, die zu Reformen der Gefängnisorganisation führten.

Ob sich ähnliche Entwicklungen aus den Filmen dieser Reihe ergeben werden, kann heute noch nicht gesagt werden, denn keiner der vier Filme wurde vor 2008 veröffentlicht. Explizit auf das Vorbild Scum bezieht sich Philip Kochs Drama Picco (2010), in dem eine Jugendvollzugsanstalt zugleich als naturalistisch-realistischer Mikrokosmos und als höllischer Hort des Grauens präsentiert wird. Sein französisches Pendant Ein Prophet (2009) ist eine gekonnte Mischung aus Gefängnisdrama, Sozialstudie und Mafiafilm, der "perverserweise eine Erfolgsstory" (Die Welt) erzählt. Als "nicht für schwache Nerven, aber trotzdem eine höchst lohnenswerte Nacherzählung unruhiger Zeiten" bezeichnete das online-Filmportal Rotten Tomatoes Hunger (2008), das Langfilmdebüt des britischen Kunstfilmers Steve McQueen. Mit kompromissloser Intensität bebildert dieser vom Fachblatt Sight and Sound zum besten Film 2008 ausgezeichnete Film den Hungerstreik der IRA-Gefangenen im nordirischen Maze Prison aus dem Jahr 1981. Von einem in kriminellen Denkstrukturen gefangenen Menschen und seiner Unfähigkeit, aus diesen auszubrechen, handelt Der Räuber (2010).

Text: Martin Koch

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