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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Das Private ist politisch

Filme dieser Reihe:
 Freitag  27.11.2009  20:00 Uhr  En. OmU  Milk
 Freitag  04.12.2009  20:00 Uhr  En. OmU  Itty Bitty Titty Committee
 Freitag  11.12.2009  20:00 Uhr    Coming Out
Eine Erkenntnis und ein Slogan der feministischen Bewegung, die auf die schwul-lesbische Bewegung übertragen werden muss. Die Feststellung gilt dabei in beide Richtungen. Einerseits prägen und initiieren persönliche Erfahrungen und Bindungen die Politisierung der Menschen, andererseits wirken sich politische Umstände auf die Entfaltungsmöglichkeit der Menschen im Privaten aus.
Warum aber eine schwul-lesbisch-feministische Filmreihe machen in Zeiten der eingetragenen Lebenspartnerschaft und der voranschreitenden Enttabuisierung homosexueller Orientierung, die sich nicht nur der offenen Homosexualität einiger staatstragender Politiker entnehmen lässt; und auf der anderen Seite mit einer deutschen Bundeskanzlerin, Elterngeld für Väter und dem Gleichstellungsgesetz? Weil die Gleichberechtigung in diesen Fällen vielleicht in der Rhetorik der PolitikerInnen und der Medien angekommen ist, jedoch nicht in der Realität. Es fehlen weiter Quotenregelungen für Frauen - auch in Politik und Wissenschaft sind Frauen vor allem in den Führungsspitzen weiter unterrepräsentiert. Frauen sind immer noch größtenteils für die Kindererziehung verantwortlich und wenn sie beschäftigt sind, so meist im Niedriglohnsektor.
Noch immer begegnen wir Feindlichkeit gegenüber homosexueller Orientierung. Die Anerkennung, die die eingetragene Lebenspartnerschaft gebracht hat, ist noch lange keine Gleichberechtigung. Insbesondere dürfen homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren. Wie sich das Private und das Politische miteinander verflechten, zeigen unsere drei Filme. Zunächst macht die Biografie Milk deutlich, wie persönliche Veränderungen und Erfahrungen einen Menschen dazu bringen können, politisch aktiv zu werden. Harvey Milk war der erste bekennende Schwule, der in Kalifornien in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Er machte explizite Minderheitenpolitik, wobei sein Fokus ganz klar auf der Gleichberechtigung der homosexuellen Bevölkerung lag. Dabei sind seine Gegenspieler zum Großteil christlich-motivierte Konservative, deren Argumentation einem heutzutage die Haare zu Berge stehen lässt.
Coming Out ist der einzige große Film aus der DDR mit schwuler Thematik, er wurde übrigens am Tag des Mauerfalls uraufgeführt. Es geht um den Kampf des Lehrers Philipp gegen seine Homosexualität und für Normalität, beides symbolisiert in seinen Beziehungen zu Matthias und Tanja. Die DEFA finanzierte diesen Film zwar, distanzierte sich aber aufgrund der Thematik von ihm. Der Regisseur Heiner Carow durfte ihn nur wegen seiner vorherigen Erfolge drehen.
Zu guter Letzt wird in Itty Bitty Titty Committee die Geschichte von Anna erzählt, einer schüchternen lesbischen Frau, die in einer Schönheitsklinik am Empfang arbeitet. Sie verliebt sich in Sadie, die mit der Gruppe Clits in Action (CIA) feministische Aktionen durchführt. Anna schließt sich zunächst der Gruppe an, um mit Sadie zusammen sein zu können, politisiert sich aber durch den Kontakt zur Gruppe immer mehr.

Text: Henrike Hepprich

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