|
DurstOriginaltitel: BakjwiKurzfristig ins Programm genommen
Regie: Park Chan-Wook Buch: Seo-Gyeong Jeong, Park Chan-Wook Kamera: Jeong Jeong-hun Musik: Cho Young-uk Darsteller: Song Kang-ho, Kim Ok-bin, Kim Hae-sook, Shin Ha-kyun, In-hwan Park Produktion: Südkorea, 2009 Länge: 133 min. Fassung: 35 mm, Kor. OmU
Auch der neueste Vampirfilm der Reihe, “Durst”, enttäuscht den Zuschauer nicht, was die Unberechenbarkeit vampirischer Stereotypen im Film angeht. Hier ist es gerade die Figur, die in zahlreichen älteren Vampirfilmen als Retter gegen die Blutsauger fungiert, die zum Vampir wird: der Priester. Gut und Böse sind auf einmal in einer Figur vereint. Kann bei einem solchen Vampir christliche Symbolik überhaupt noch helfen?
Pater Sang-hyeon (SK) ist selbstlos und herzensgut. Er lässt sich in Afrika auf ein Forschungsprojekt für einen Impfstoff ein, das jedoch misslingt. Sang-hyeon stirbt während einer Operation, in der er eine Bluttransfusion erhalten hatte. Jedoch erwacht er plötzlich – anscheinend mit einer Art Virus aus der Bluttransfusion infiziert – als Vampir und kehrt nach Süd-Korea zurück. Dort trifft er auf seinen alten Freund Kang-woo (SH) und dessen Ehefrau Tae-joo (KO), die von ihrem naiven Mann und dessen herrschsüchtiger Mutter Frau Ra (KH) unterdrückt wird, und zieht bei diesen ein. Das „lebens“-notwendige Blut erhält Sang-hyeon anfangs noch dosiert von Komapatienten, was er für sich verantworten kann. Diese Sucht ist jedoch nicht die einzige, gegen die er zu kämpfen hat: Nach heftigen Gewissensbissen gibt der Priester schließlich auch seinen und Tae-joos sexuellen Wünschen nach. Beide Begierden vermischen sich zu einem hemmungslos werdenden Habitus, in der Tae-joo selbst zur Vampirin wird und ihren neuen Geliebten darum bittet, den Ehemann zu töten...
Die sehr lose an „Thérèse Raquin“ von Émile Zola gebundene Geschichte greift die Bildästhetik von „Oldboy“, „Lady Vengeance“ etc. auf und verbindet sich mit popkulturellen Tendenzen wie der Wiederentdeckung des Vampirmythos’. Ob die Bluttransfusion in Afrika auf das Thema AIDS in Afrika anspielt, bleibt jedem Interpreten selbst überlassen. Der südkoreanische Ausnahme-Regisseur Chan-Wook, auch als „Mr Vengeance“ bekannt, hat in diesem Jahr für „Durst“ bei den 62. Internationalen Filmfestspielen in Cannes den Preis der Jury 2009 erhalten. Bereits 2004 hatte er für das Rachedrama „Oldboy“ dort den Großen Preis der Jury abgeräumt.
Text: Jennifer Borrmann Spieltermin:
| Freitag, 22.01.2010 20:00 Uhr, Hörsaal 2006 |
| |