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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Elle

Regie: Paul Verhoeven Buch: David Birke Kamera: Stephane Fontaine Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Charles Berling Länge: 130 min. Fassung: DCP, Fr. OmU

Michèle (IH) ist eine toughe Frau, geschieden, Mutter eines erwachsenen Sohnes und erfolgreiche Firmenchefin. Gemeinsam mit ihrer Freundin Anna leitet sie eine Firma, welche Computerspiele programmiert. (Bereits hier bricht Verhoeven mit Konventionen, wie er es den gesamten Film hindurch tun wird.) Doch ein einschneidendes Erlebnis, welches wir gleich zu Anfang des Films zu sehen bekommen, belastet ihr Leben. Beziehungsweise nach außen wirkt es, als belaste diese Vergewaltigung in der eigenen Wohnung sie überhaupt nicht. Als sei nichts geschehen geht sie zur Tagesordnung über, erwähnt das Ereignis ein paar Tage später fast beiläufig bei einem Abendessen mit Freunden so, wie man von einem netten Ausflug berichtet, den man gemacht hat. Doch unter der Oberfläche brodelt es... Paul Verhoeven, der Anfang der 90er Jahre mit Basic Instinct wegen der doch recht freizügigen Sexszenen einen regelrechten Skandal auslöste legt mit Elle wieder ein grandios psychologisches Drama vor, bei dem man als Zuschauer nie so richtig weiß was und vor allem wem man glauben darf. Kinospannung vom Feinsten. Der epd Film urteilt: „Paul Verhoeven war immer ein Meister des Doppeldeutigen. Aber mit Elle [...] geht er noch einen Schritt weiter. Jede Szene, jedes noch so kleine Detail des Films lässt sich auf verschiedene Arten lesen, und nichts liefert einen endgültigen Schlüssel zu dem Film.“ Interessant ist auch, daß Verhoeven, der nach einer recht erfolgreichen Arthouse-Karriere in seinem Heimatland, den Niederlanden, Mitte der 80er Jahre nach Hollywood ging, wo er 1987 Robocop und 1990 Total Recall drehte – beides große Kassenerfolge – in den USA keine Hauptdarstellerin für seinen Film fand. Keine der Hollywood-Ikonen traute sich diese Rolle der vergewaltigten Frau zu, die so ganz anders reagiert, als man es erwarten würde, die sich so entgegen jeglicher Konventionen verhält, daß es einem als Zuschauer manchmal fast physisch wehtut. Daß Michèle in ihrer Stärke zumindest für den Kinozuschauer zugleich oft zerbrechlich und angreifbar wirkt, ist dem großartigen Spiel Isabelle Huppers zu verdanken, die für diese Rolle, für ihren Mut, diese Rolle zu spielen, mit einer Oscarnominierung belohnt wurde. Alles in allem war Elle einer der Filme, die mich im Wettbewerb von Cannes 2016 am meisten beeindruckt haben, über die ich noch lange nach dem Sehen nachgedacht habe. Vielleicht, weil er so etwas wie ein total französischer Hollywoodfilm ist, der eben in so gar keine Schublade paßt. Ein Must-See für wirklich jeden Kinofreund.

Text: Angelique Presse

Spieltermin:
Donnerstag, 26.10.2017 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

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