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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Le Havre

Regie&Buch: Aki Kaurismäki Kamera: Timo Salminen Musik: Tero Malmberg Darsteller: André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel Produktion: FIN/F/D, 2011 Länge: 93 min. Fassung: 35 mm, Fr. OmU

Ein Hafen. Aki Kaurismäkis Lieblingskulisse. Hier treffen wir den Schuhputzer Marcel Marx wieder. Marx steht täglich gemeinsam mit seinem Kollegen Chang am Bahnhof und putzt den Reisenden und Vorübereilenden gegen ein kleines Entgelt die Schuhe. Reich wird er damit nicht, doch das Geld reicht für ein bescheidenes aber glückliches Leben mit seiner Frau Arletty. Am Hafen macht er Mittagspause und vertilgt in der Sonne sein Butterbrot. Da nimmt er einen farbigen Jungen wahr, der im Wasser steht und fragend zu ihm aufschaut. Marcel erkennt sofort, daß es sich um den Flüchtlingsjungen handeln muß, der mitsamt seiner Familie in einem Hafencontainer entdeckt worden war, und der als einziger fliehen konnte. Er überläßt dem Jungen sein Butterbrot, woraufhin dieser Vertrauen zu ihm faßt und sich bei ihm einquartiert. Er möchte nach London zu seiner Mutter und bittet Marcel um Hilfe. Dieser hat eigentlich schon genug eigene Sorgen, mußte seine Frau, mit der ihn eine zwar schweigsame, aber dennoch liebevolle Beziehung verbindet , doch gerade erst für einige Zeit ins Krankenhaus. Doch natürlich hilft Marcel. Und nicht nur er. Das ganze Viertel (außer der Polizei natürlich!) weiß auf wundersame Weise von dem Jungen und unterstützt die zwei nach Kräften. Und wer Kaurismäki kennt, weiß, daß natürlich auch der Auftritt einer Band nicht fehlen darf.

Wunderbar gradlinig und mit ruhigen, fast wie gemalt wirkenden Bildern, erzählt Kaurismäki diese wunderbare Geschichte, die voll ist mit kleinen, skurrilen Szenen, ohne jedoch jemals ins Komische abzudriften. In „Le Havre“ finden sich zahlreiche Anklänge und Anspielungen auf viele Größen der Kinogeschichte. So erinnern Spielort und Rahmenhandlung an Marcel Carnés „Hafen im Nebel“. Die Figur des Marcel Marx taucht schon in Kaurismäkis „La vie de bohème“ auf und Arletty ist eine Hommage an die gleichnamige französische Schauspielerin aus Carnés Filmen. Gleichzeitig erinnern Dekor und Farbgebung an die französischen Kriminalfilme der fünfziger Jahre, auch wenn die Geschichte in einer modernen (computergesteuerten) Umgebung spielt.
Alles in allem ist „Le Havre“ ein wunderschönes Märchen für Erwachsene und alle, die daran glauben (möchten), daß auch kleine Gesten diese Welt noch verändern können.

Mit Vorfilm: Allons-y! Alonzo!

R/B: Camille Moulin-Dupré A: Randy Agostini, Julien Allard, Camille Moulin-Dupré M: Hubert Delgrange, Docteur Belvédère P: F 2009 V: 35 mm L: 8 Min.

Ein Weg am Meer: Ein alter Mann liest seine Zeitung als eine Frau ihn stört. Er verfolgt die Schöne und taucht in einen animierten Comic Strip ein. Dieser Cartoon ist eine Hommage an den französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo.

Text: Angelique Presse

Spieltermin:
Donnerstag, 26.04.2012 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

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