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Akademischer Filmclub an der Universität Freiburg e.V. (seit 1957)

Der Blick des Odysseus

Originaltitel: To vlemma tou Odyssea

Regie: Theo Angelopoulos Buch: Theo Angelopoulos, Tonino Guerra Kamera: Giorgos Arvanitis, Andreas Sinanos Musik: Eleni Karaindrou Darsteller: Harvey Keitel, Maia Morgenstern, Erland Josephson, Thanassis Vengos, Dora Volanaki Produktion: GR/F/I/D/GB/YU/BIH, 1995 Länge: 176 min. Fassung: DVD, Gr. OmU

Nach jahrzehntelanger Abwesenheit kehrt der in den USA lebende Regisseur „A“ (HK) in seine griechische Heimat zurück, um dort einen seiner Filme vorzustellen – aber das Land seiner Eltern ist ihm längst fremd geworden. Etwas jedoch treibt ihn an – die mythischen, verschollenen Filmrollen der Manakis-Brüder, Pioniere aus der Anfangszeit des Kinos, die wahrscheinlich den ersten griechischen Film überhaupt gedreht haben. Wie Odysseus folgt er den verwirrenden Spuren, irrt durch Mittel- und Osteuropa und den Balkan, schert sich dabei nicht um Ländergrenzen, genauso wenig wie die rätselhaften Manakis-Brüder es getan haben – oder der homerische Held auf seiner legendären Irrfahrt. Griechenland, Albanien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien, bis in das sich zu der Zeit auflösende ehemalige Jugoslawien, in die Erschütterungen und Brüche, die durch Krieg, Nationalismus und Gewalt entstanden sind. Dort, im von serbischen Truppen belagerten Sarajewo, in dem die Menschen sich wegen der Scharfschützen nur noch bei Nebel aus dem Haus wagen durften, entdeckt er das Filmmuseum der Stadt, und der Kurator „S“ (EJ) zeigt ihm ein paar geheimnisvolle, nie entwickelte Filmrollen...

Der Film ist eines der Meisterwerke des Regisseurs und wurde 1995 in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Mit unbeschreiblicher Eleganz, rätselhaft, aber nie beliebig, verknüpft Angelopoulos die wirren Umbrüche des alten Europas mit seinen untergehenden Ideologien, die politische Ratlosigkeit nach dem Ende des kalten Krieges, mit Motiven der antiken Irrfahrt des trojanischen Heimkehrers und wirft damit zugleich zeitlose Fragen auf nach der Bedeutung des Blicks, mit dem der Filmemacher die Welt betrachtet. Welche und wieviel Wahrheit steckt in den Bildern, welche Rolle spielen Grenzen, die politischen und die geographischen, aber auch jene, die den Blick des Regisseurs begrenzen, wenn er durch eine Kamera schaut? Der Blick durch den Sucher, ist er begrenzt wie durch Scheuklappen, oder öffnet er den Blick auf die Welt?

Text: Alexander Sancho-Rauschel

Spieltermin:
Dienstag, 22.05.2012 20:00 Uhr, Hörsaal 2006

Gezeigt im Rahmen der Filmreihe:
Theo Angelopoulos
Der griechische Magier des europäischen Kinos
 Dienstag  15.05.2012  20:00 Uhr  Gr. OmU  Der Bienenzüchter
 Dienstag  22.05.2012  20:00 Uhr  Gr. OmU  Der Blick des Odysseus
 Dienstag  05.06.2012  20:00 Uhr  Gr. OmU  Die Ewigkeit und ein Tag
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